GÜTTENBACH KENNENLERNEN
Güttenbach: Münzfund und kroatische Dorfgeschichte
Güttenbach liegt im nördlichen Teil des Bezirks Güssing. Die Marktgemeinde besteht aus einer Ortschaft, zu der auch kleinere Siedlungsbereiche wie die Kulovits-Häuser und der Meierhof gehören. Am 1. Jänner 2026 verzeichnete die amtliche Statistik 834 Einwohner auf rund 15,90 Quadratkilometern. Landwirtschaftliche Flächen und Wald bilden den landschaftlichen Rahmen. Im Kroatischen heißt der Ort Pinkovac, im Ungarischen Pinkócz. Ein keltischer Münzschatz und die Geschichte der kroatischen Besiedlung führen in sehr unterschiedliche Epochen. Die heutige Pfarrkirche setzt mit ihrer ungewöhnlichen Turmgestaltung einen wesentlich jüngeren baulichen Akzent.
Ein Schatz mit mehr als zweihundert Münzen
Ein bedeutender archäologischer Fund aus Güttenbach umfasst mehr als zweihundert keltische Münzen des sogenannten Velemer Typs. Der Schatz belegt, dass das Gebiet schon lange vor der mittelalterlichen Ortsgeschichte genutzt wurde. Aus dem Fund allein lässt sich jedoch nicht sicher erklären, wer die Münzen vergrub oder aus welchem Anlass dies geschah. Die Münzen sind deshalb als eigenständiges archäologisches Zeugnis zu betrachten. Sie liefern keinen Beleg für eine durchgehend bestehende Siedlung seit der Keltenzeit. Gerade diese Unterscheidung macht den Fund interessant: Er eröffnet eine frühe Zeitschicht, ohne die späteren Entwicklungen des Dorfes vorwegzunehmen.
Ein älteres Dorf erhält eine kroatische Prägung
Güttenbach ist seit 1427 urkundlich belegt. Die kroatische Besiedlung erfolgte im 16. Jahrhundert in einem bereits vorhandenen, zuvor deutsch und ungarisch geprägten Ort. Sie war damit keine vollständige Neugründung auf unbesiedeltem Boden. Die Zugehörigkeit zum Herrschaftsbereich der Familie Batthyány bildet einen weiteren historischen Zusammenhang. Später bestimmten auch Arbeitswanderung und Auswanderung die Lebenswege örtlicher Familien. Saisonarbeit führte Menschen etwa ins Marchfeld, andere wanderten nach Amerika oder Kanada aus. Diese Bewegungen ergänzen die Geschichte des Dorfes um wirtschaftliche Beziehungen, die über das südliche Burgenland hinausreichten und unterschiedliche Generationen betrafen.
Runde Türme und farbige Keramik
Die dem heiligen Josef geweihte Kirche entstand nach einem Entwurf des Architekten Karl Holey von 1929 und wurde 1930 geweiht. An dem einschiffigen Bau fallen der hohe Rundturm und zwei kleinere runde Türme beim Eingang auf. Ziegelornamente gliedern das Äußere; im Inneren überspannt ein Tonnengewölbe den Raum. Zur Ausstattung gehören ein Josefsaltar und Kreuzwegdarstellungen aus Majolika, also glasierter Keramik, sowie ein Tabernakel aus Messing. Die Kirche unterscheidet sich damit deutlich von den älteren barocken Dorfkirchen der Region. Architektur und Ausstattung gehören zu den besonders konkreten Merkmalen des örtlichen Erscheinungsbildes.
Wappen, Kastell und örtliche Erinnerung
Seit 1986 führt Güttenbach die Bezeichnung Marktgemeinde. Die Kirche spielt auch im Gemeindewappen eine Rolle und verbindet das Hoheitszeichen mit einem weithin erkennbaren Bauwerk. Ein anderes Gebäude ist das Kastell Güttenbach, eine villenartige Anlage aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Bezeichnung Kastell darf hier nicht mit einer mittelalterlichen Wehrburg gleichgesetzt werden. Zusammen zeigen Münzfund, Kirche und Kastell, wie unterschiedlich die örtlichen Zeugnisse beschaffen sind: bewegliche archäologische Objekte, ein sakraler Neubau und ein herrschaftlich geprägtes Wohngebäude. Der kroatische Ortsname Pinkovac ergänzt diese materiellen Spuren um die sprachliche Überlieferung des Dorfes.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
