KLEINMÜRBISCH KENNENLERNEN
Kleinmürbisch: Glocke, Dorfkirche und bäuerliche Erinnerung
Kleinmürbisch umfasst eine einzige Ortschaft, deren Häuser sich auf mehrere benannte Siedlungsbereiche verteilen. Dazu zählen Glockenberg, Graben, Oberberg und Unterberg. In der südburgenländischen Gemeinde im Bezirk Güssing lebten am 1. Jänner 2026 insgesamt 221 Menschen auf rund 4,29 Quadratkilometern. Die Kirche Johannes des Täufers, ein Glockenturm beim Gemeindeamt und ein aus dem Dorf stammender historischer Brunnen eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Ortsgeschichte: zum religiösen Leben, zur dörflichen Gemeinschaft und zur früheren Wasserversorgung.
Eine Glocke vor der eigenen Kirche
Schon 1776 wurde für Kleinmürbisch eine Glocke gekauft, obwohl der Ort damals noch keine eigene Kirche besaß. Die katholische Bevölkerung gehörte zur Pfarre St. Nikolaus und besuchte die Franziskanerkirche in Güssing. Bis 1822 wurden die Verstorbenen in St. Nikolaus bestattet; danach stand ein eigener Friedhof zur Verfügung. Auch der Schulweg führte zunächst dorthin. Ab 1824 unterrichtete Johann Csaar aus Rotenturm in Kleinmürbisch. Glocke, Friedhof und Unterricht markieren damit verschiedene Schritte, in denen das Dorf eigene Einrichtungen erhielt. Die Wege nach Güssing und St. Nikolaus blieben Teil seiner historischen Beziehungen.
Zwanzig Jahre in der Großgemeinde
Seit 1921 gehört Kleinmürbisch zum österreichischen Burgenland. Ein späterer Einschnitt folgte am 1. Jänner 1971: Das Dorf wurde mit Großmürbisch, Inzenhof, Neustift bei Güssing und Tschanigraben zur Großgemeinde Neustift bei Güssing zusammengeschlossen. Nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs erlangte Kleinmürbisch am 1. Juni 1991 seine Selbständigkeit zurück. Noch bis 1997 wurde die Verwaltung über einen Gemeindeverband in Güssing abgewickelt. Die Grenzen der politischen Gemeinde und die Organisation ihrer Aufgaben änderten sich somit mehrfach innerhalb weniger Jahrzehnte, während die einzelnen Siedlungsnamen des Dorfes fortbestanden.
Die Filialkirche Johannes des Täufers
Die heutige römisch-katholische Filialkirche wurde 1950 erbaut. Ihr Patron ist Johannes der Täufer; kirchlich gehört sie zur Pfarre Großmürbisch. Ihr Entstehungsjahr verortet sie in der frühen Nachkriegszeit. Zwischen der Anschaffung der ersten Glocke und diesem Kirchenbau liegen mehr als 170 Jahre. Diese zeitliche Folge unterscheidet die Geschichte des Gotteshauses von jener einer mittelalterlichen Dorfkirche und macht den schrittweisen Ausbau der örtlichen religiösen Einrichtungen nachvollziehbar.
Ein Brunnen als bäuerliches Zeugnis
Ein Walzenbrunnen aus Kleinmürbisch wird heute im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf aufbewahrt. Das Museum datiert das Objekt in das 19. Jahrhundert. Es befindet sich also nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort im Dorf. Als überliefertes Stück bäuerlicher Alltagskultur ergänzt es die Kirchen- und Schulgeschichte um die Frage, wie Haushalte früher mit Wasser versorgt wurden. Der Brunnen verbindet Kleinmürbisch mit einer Sammlung, die Bauwerke und Gebrauchsgegenstände aus verschiedenen südburgenländischen Orten zusammenführt.
Advent am Glockenturm
Vor dem Gemeindeamt steht ein Glockenturm, der auch als Platz für saisonale Gestaltung dient. Im November 2014 berichtete die Gemeinde erstmals von einer dort aufgestellten Weihnachtskrippe neben dem bereits üblichen Adventkranz. Ein weiteres Beispiel für das gemeinschaftliche Dorfleben ist die Ostereiersuche der Sport- und Spielgemeinschaft, die für 2024 und 2025 angekündigt wurde. Solche kleinen Veranstaltungen geben den öffentlichen Orten im Jahreslauf unterschiedliche Aufgaben und beziehen besonders die Kinder ein.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Kleinmürbisch – Wikipedia, feste Artikelversion
- Diözese Eisenstadt – Pfarre Großmürbisch
- RIS – Gemeindestrukturverbesserungsgesetz § 6
- Burgenland Bunch – Kleinmürbisch, nach Josef Karl Homma und Gratian Leser
- Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf – Museumsplan, Objekt 19
- Gemeinde Kleinmürbisch – Vereinsarchiv, Weihnachtskrippe vom 29. November 2014
- Gemeinde Kleinmürbisch – Vereinsarchiv, Ostereiersuche
Stand der Angaben: 08.10.2026
