TOBAJ KENNENLERNEN
Tobaj: Sechs Dörfer und ein Kogel aus Vulkanasche
Tobaj umfasst sechs Dörfer im südlichen Burgenland: Tobaj, Deutsch Tschantschendorf, Kroatisch Tschantschendorf, Hasendorf im Burgenland, Punitz und Tudersdorf. Auf rund 58,14 Quadratkilometern lebten am 1. Jänner 2026 insgesamt 1.398 Menschen. Die Gemeinde liegt im Tal der Strem und reicht über zahlreiche kleinere Siedlungsbereiche. Ein besonders markanter Punkt ist der Tobajer Kogel. An ihm lassen sich vulkanische Entstehung, frühere landwirtschaftliche Nutzung und die Pflege wertvoller Lebensräume auf engem Raum nachvollziehen.
Sechs Ortsgeschichten unter einem Namen
Die erste urkundliche Erwähnung Tobajs stammt aus dem Jahr 1428; damals erscheint die Schreibweise Thobajd. Die heutige Gemeinde entstand dagegen erst 1971 durch den Zusammenschluss der sechs zuvor selbstständigen Gemeinden. Ihre Namen bleiben im Alltag und in den verschiedenen Ortskernen erhalten. Deutsch und Kroatisch Tschantschendorf verweisen bereits sprachlich auf die vielsprachige Geschichte der Region. Dazu kommen kleinere Siedlungen wie Punitzberg, Gangelberg und Sauerberg. Eine weitere Besonderheit liegt in Punitz: Dort befindet sich der Sportflugplatz Punitz-Güssing. So umfasst die Gemeinde neben den dörflichen und landwirtschaftlichen Strukturen auch einen Standort für die Sportfliegerei.
Ein Hügel als geologisches Erinnerungsstück
Der Tobajer Kogel entstand aus vulkanischer Asche und Tuff. Er gehört zu den erloschenen Vulkanen im Raum Güssing und entstand nach der Darstellung des Naturschutzbundes vor ungefähr zwei Millionen Jahren. Im Gestein treten Einschlüsse von Hornblende und Olivin auf. Seine deutlich ausgeprägte Form hebt ihn vom übrigen Landschaftsbild ab. Im 18. Jahrhundert wurde hier ein Weingarten angelegt; auch später nutzten private Besitzer die südlichen Hänge für Reben. Die Geschichte des Kogels verbindet deshalb Vorgänge tief unter der Erdoberfläche mit einer wesentlich jüngeren, bäuerlich geformten Landschaft. Die heutigen Wiesen sind ebenfalls Teil dieser Nutzungsgeschichte.
Eine Pietà verbindet Kirche und Kogel
Die Florianikirche im Ort Tobaj wurde 1868 erbaut. Zu ihrer Ausstattung gehört eine Pietà von 1646, die aus einem Stück Lindenholz geschnitzt wurde und heute am Seitenaltar steht. Ihr früherer Platz wird mit der Kapelle auf dem Tobajer Kogel verbunden. Das Kunstwerk bewahrt damit eine Verbindung zwischen dem Dorf und seiner Anhöhe. Auf dem Kogel selbst stellte die Katholische Jugend 1952 ein Kreuz auf; 1992 wurde es durch ein größeres ersetzt. Weitere kirchliche Mittelpunkte der Gemeinde sind die Pfarrkirche Mariä Geburt in Deutsch Tschantschendorf und die dem heiligen Sebastian geweihte Filialkirche in Punitz.
Trockenrasen braucht offene Flächen
Auf dem Südhang des Kogels finden wärmeliebende Pflanzen und Tiere geeignete Lebensräume. Der Naturschutzbund nennt unter anderem Blutroten Storchenschnabel, Kleine Wachsblume und Kreuz-Enzian sowie Schwalbenschwanz, Segelfalter und Neuntöter. Zur Betreuung solcher Standorte gehören Mahd, Beweidung und das Entfernen aufkommender Gehölze. Der Kogel zählt zu den Flächen, die der Naturschutzbund in sein burgenlandweites Trockenrasenmanagement einbezogen hat. Die Pflege wird dort mit Informationsarbeit für Gemeinden und Schulen verbunden. So wird verständlich, warum offene Wiesen nicht einfach sich selbst überlassen bleiben können. Die Artenvielfalt dieser Kulturlandschaft hängt auch davon ab, dass ihre besonderen Lebensbedingungen erhalten werden.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
