GROSS-ENZERSDORF KENNENLERNEN
Groß-Enzersdorf: Stadtmauer am Rand der Lobau
Groß-Enzersdorf ist Stadtgemeinde im Bezirk Gänserndorf. Zum 1. Jänner 2026 zählte sie 12.156 Einwohner; ihr Gebiet umfasst 83,91 Quadratkilometer. Die fast vollständig erhaltene Stadtmauer umschließt den historischen Kern.
Vom Stadtkern bis zum Auwald
Groß-Enzersdorf liegt am Marchfeld unmittelbar östlich des Wiener Siedlungsgebiets. Südlich schließt die Lobau an, Wiens Teil des Nationalparks Donau-Auen. Ihre Altarme, Wiesen und Auwälder stehen neben den bebauten Ortsteilen und den offenen Agrarflächen des Marchfelds. Zur Stadtgemeinde gehören neun amtliche Ortschaften: Franzensdorf, Groß-Enzersdorf, Matzneusiedl, Mühlleiten, Oberhausen, Probstdorf, Rutzendorf, Schönau an der Donau und Wittau.
Sachsengang, Encinesdorf und Stadtrecht
Eine Urkunde von 1021 nennt die Insel Sachsengang und den Ort locus Zuntinesprucca im Gebiet der heutigen Großgemeinde. Der Stadtkern ist 1160 als „Encinesdorf“ belegt. Im Jahr 1296 verzeichnete ein Freisinger Urbar den Markt mit 42 Lehen. 1396 erhielt Bischof Berthold von Wehingen die Erlaubnis, den Ort zu befestigen; damit wurde auch das Stadtrecht verliehen. Das Bürgerspital entstand 1423, als der Bischof zugleich das Jahrmarktrecht für den 24. August bestätigte. Ein Schulmeister ist 1489 erstmals nachgewiesen. Am 6. Juli 1791 landete der Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard nach seiner 38. Luftreise nahe der Stadt. Das Stadtmuseum greift diese Entwicklung in seiner 2024 neu gestalteten Dauerausstellung vom Schenkungsgebiet bis zur Großgemeinde auf. Historische Objekte, ein Modell und Interviews veranschaulichen die Stadtgeschichte; ein Schwerpunkt erinnert an Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger.
Ein Ring mit Toren und Wassergraben
Der mittelalterliche Mauerring ist 1,87 Kilometer lang, etwa sechs Meter hoch und zwischen 0,9 und 1,4 Meter breit. Ursprünglich gab es drei Stadttore: das Wiener Tor im Norden, das Wassertor im Süden und das Wittauer Tor im Osten. Holzbrücken überquerten den Wassergraben; Ketten und Winden hoben sie bei Nacht oder Gefahr an. Wächter kontrollierten an den Toren den Verkehr, Waren und die fälligen Abgaben. Nach 1529 wurde das östliche Tor Kroatentor genannt, weil kroatische Siedler auf den entvölkerten Höfen des östlichen Marchfeldes angesiedelt wurden. Heute ist die Mauer bis auf wenige Unterbrechungen im Stadtbild erhalten.
Kriegszeiten, Eingemeindung und Tramway
Die Stadt wurde 1529 und 1683 während der osmanischen Kriege schwer verwüstet; 1713 forderte die Pest weitere Opfer. Ein Großbrand erfasste 1730 auch Kirche und Schloss. 1809 beschoss französische Artillerie den Ort von Stellungen in der Lobau aus. Die Mauer hielt dem mehrtägigen Angriff nicht stand, Tortürme mussten abgetragen werden. Im 19. Jahrhundert änderten Verkehrswege und Verwaltungsgrenzen den Alltag: 1886 erreichte die Dampftramway von Floridsdorf die Stadt, 1922 wurde sie elektrifiziert und 1970 durch Autobusse ersetzt. 1938 wurde Groß-Enzersdorf nach Groß-Wien eingemeindet und gab dem neuen 22. Bezirk den Namen; 1954 wurde die Stadt wieder eine eigenständige niederösterreichische Gemeinde. 1971 und 1972 kamen weitere Katastralgemeinden zur Großgemeinde hinzu.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Groß-Enzersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf – Stadtmauerstadt
- Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf – Geschichte der Stadt
- Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf – Großgemeinde und Katastralgemeinden
- Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf – Stadtmuseum
- Stadt Wien – Lobau, Nationalpark Donau-Auen
- Wien Museum Online Sammlung – Ankunft Blanchards in Groß-Enzersdorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
