WIENER NEUSTADT KENNENLERNEN
Wiener Neustadt: Residenzstadt im Steinfeld
Wiener Neustadt liegt im südöstlichen Steinfeld am Rand des Wiener Beckens. Die Statutarstadt hatte am 1. Jänner 2026 50.025 Einwohner und bedeckt 60,93 Quadratkilometer. Der Gründungsbeschluss wird auf 1194 datiert; die Stadt wurde als befestigter Ort angelegt.
Eine befestigte Neue Stadt
Herzog Leopold V. ließ im Steinfeld eine befestigte Stadt errichten, um die Grenze zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark zu sichern. Das Lösegeld für den englischen König Richard Löwenherz stellte das Kapital für die Anlage bereit. Das Landesportal datiert den Beschluss zur Gründung auf den 4. Februar 1194 in Fischau; der Baubeginn unter Leopold VI. war 1195 bereits im Gang. Die Stadt wurde rechteckig geplant, vier Hauptstraßen führten auf die Stadttore zu. Ein großer Platz war als Markt vorgesehen, ein weiterer für Pfarrkirche und Friedhof. Die Mauer war rund fünf Meter hoch und erhielt Ecktürme sowie vier befestigte Tore. Um 1200 begann der Bau der Pfarrkirche „Zu unserer Lieben Frau“, des heutigen Doms. Die Warme Fischa und der Kehrbach durchfließen das Stadtgebiet; am östlichen Rand bildet die Leitha die Landesgrenze zum Burgenland.
Kaiserresidenz und Bauwerke der Habsburger
Im 15. Jahrhundert residierte Kaiser Friedrich III. über Jahrzehnte in Wiener Neustadt. 1459 wurde in der Burg sein Sohn Maximilian geboren. Friedrich ließ Dom und Neukloster umbauen; im Neukloster fanden später seine Ehefrau Eleonore und mehrere ihrer Kinder ihre letzte Ruhestätte. 1469 erreichte er die Zustimmung zur Errichtung eines eigenen Bistums, das zunächst nur für die Stadt zuständig war. Der Dom wurde 1279 geweiht und im 14. Jahrhundert um Querschiff, polygonalen Chor und eine zweigeschoßige Sakristei erweitert. Der spätbarocke Hochaltar mit einem Gemälde der Himmelfahrt Mariens wurde 1776 geweiht. Maximilian wurde nach seinem Tod auf eigenen Wunsch in der Georgskathedrale der Burg beigesetzt. Die Hofhaltung hinterließ so konkrete Bau- und Grabstätten im Stadtraum.
Mauer, Zwinger und Kasematten
Von der spätmittelalterlichen Befestigung blieben an der südwestlichen Stadtseite besonders aussagekräftige Bauteile erhalten. Der älteste Mauerabschnitt stammt aus der Gründungszeit im späten 12. Jahrhundert; spätere Aufhöhungen erfolgten im 13., 15. und 16. Jahrhundert. Davor steht eine Zwingermauer mit Zinnenabschluss aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Kasematten wurden nach Plänen des Festungsbaumeisters Johann Tscherte ab der Mitte des 16. Jahrhunderts als gewölbtes Lager für Waffen und Munition ausgebaut. Ein Renaissanceportal markierte den nördlichen Zugang. Bei der Bauforschung vor der Landesausstellung 2019 wurden wichtige Erkenntnisse zu den Bauphasen gewonnen. Heute dienen die revitalisierten Räume auch als Kultur- und Veranstaltungsort.
Industrie im Stadtmuseum
Das Stadtmuseum Wiener Neustadt zeigt auch, wie eng die Stadtgeschichte mit technischer Arbeit verbunden ist. Das Stadtarchiv bewahrt Unterlagen zu den Österreichischen Daimler-Motorenwerken, zur Lokomotivfabrik und zu den Wiener Neustädter Flugzeugwerken. Zur Vorstellung des neuen Industriearchivs 2015 kündigte die Stadt einen Flugzeugpropeller, ein Modell des Austro-Daimler-Zugwagens „Goliath“ und ein Lehrzeugnis aus der Lokomotivfabrik als Schaustücke an. Die Sammlung des früheren Industrieviertelmuseums ist inzwischen ins Schau!Depot übersiedelt. Die Sammlung des früheren Industrieviertelmuseums dokumentiert außerdem Alltag, Handwerk, Industrie und politische Geschichte. Ihre Objekte machen die Entwicklung vom Gewerbe zur Fabrik anhand konkreter Dinge nachvollziehbar. So lässt sich die industrielle Vergangenheit der Stadt nicht nur an früheren Betriebsstandorten, sondern auch an erhaltenen Arbeits- und Alltagsobjekten ablesen.
Erstmals mehr als 50.000 Einwohner
Zu Jahresbeginn 2026 lebten in Wiener Neustadt 50.025 Menschen, zum ersten Mal mehr als 50.000. Allein im Jahr 2025 wuchs die Stadt um 869 Einwohner, so stark wie kein anderer Bezirk Niederösterreichs. Seit der Registerzählung 2011 legte sie um 21 Prozent zu, ebenfalls der höchste Wert im Land. Für 2040 sind 55.000 Einwohner prognostiziert.
Die dichteste Besiedlung des Landes
Auf den 60,9 Quadratkilometern des Stadtgebiets leben im Schnitt 821 Menschen je Quadratkilometer, mehr als in jedem anderen Bezirk Niederösterreichs. In St. Pölten sind es 554, in Krems an der Donau 495. Bei der ersten Volkszählung 1869 hatte Wiener Neustadt 20.619 Einwohner, 1951 waren es 30.559. Seither ist die Zahl um fast zwei Drittel gestiegen.
Der höchste Anteil an Zugewanderten
28,4 Prozent der Einwohner wurden im Ausland geboren, 23,9 Prozent haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Beide Anteile sind die höchsten in Niederösterreich. Einen Migrationshintergrund haben fast ein Drittel der Wiener Neustädterinnen und Wiener Neustädter. 2.680 Einwohner wurden in der Türkei geboren, 1.610 in Rumänien und 1.126 in Ungarn. Unter den Erwerbstätigen mit Wohnsitz in der Stadt hatte fast jede vierte Person eine andere Staatsangehörigkeit.
Pendeln und Arbeitsplätze
30.852 Erwerbstätige hatten 2024 ihren Arbeitsort in Wiener Neustadt, 22.870 ihren Wohnort, das ergibt einen Pendlerindex von 135. 21.515 Menschen pendelten in die Stadt, 15.578 davon aus anderen Bezirken des Landes und 5.937 aus anderen Bundesländern. 13.533 fuhren hinaus, 7.554 in andere niederösterreichische Bezirke und 5.910 in andere Bundesländer. Die 5.079 Arbeitsstätten der Stadt hatten 2024 zusammen 35.019 Beschäftigte.
Bildung und Arbeitslosigkeit
20,8 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 25 und 64 Jahren haben höchstens einen Pflichtschulabschluss, der höchste Anteil in Niederösterreich, gleichzeitig hat gut ein Fünftel ein Studium abgeschlossen. Im AMS-Bezirk Wiener Neustadt lag die Arbeitslosenquote im Jänner 2025 bei 9,7 und im Juli bei 8,0 Prozent, beides der höchste Wert im Land. Ende Jänner 2026 waren in der Stadt 3.150 Menschen arbeitslos vorgemerkt, ein Anstieg um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Ende Juli 2.584. Stadt und Landbezirk zusammen bildeten Ende 2025 1.767 Lehrlinge aus, 445 davon in überbetrieblichen Einrichtungen, mehr als in jedem anderen Bezirk. Im Jahr 2025 wurden 298 Unternehmen gegründet, 6,1 je 1.000 Einwohner, mehr waren es nur in Bruck an der Leitha und Waidhofen an der Ybbs.
Ein Drittel mehr Nächtigungen als 2019
2025 zählte Wiener Neustadt 221.393 Nächtigungen, um 10,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Kein anderer Bezirk Niederösterreichs legte so stark zu. Gegenüber 2019 mit 162.275 Übernachtungen beträgt das Plus mehr als ein Drittel. Die Gäste verteilen sich gleichmäßig über das Jahr: Auf Juli und August entfiel nur ein Fünftel der Übernachtungen, auch im Dezember wurden mehr als 18.000 gezählt.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA - Gemeindeverzeichnis 2026
- Wiener Neustadt - Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte der Stadt - Wiener Neustadt
- Kasematten - Wiener Neustadt
- Stadtmauer und Kasematten - Wiener Neustadt
- Beschluss der Gründung Wiener Neustadts - Gedächtnis des Landes
- Wiener Neustadt startet Industriearchiv - Stadt Wiener Neustadt
- Schau!Depot - Museum St. Peter an der Sperr
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Wohnbevölkerung 1869 bis 2026 nach Verwaltungsbezirken in NÖ
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Wohnbevölkerung 2026 bis 2040 nach Verwaltungsbezirken in NÖ
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Wohnbevölkerung 2026 nach Migrationshintergrund, Geburtsländern, Staatsbürgerschaften und Verwaltungsbezirken
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Erwerbstätige am Wohnort 2024 nach Verwaltungsbezirken in NÖ
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Pendeln zum Arbeitsplatz 2024 nach Verwaltungsbezirken in NÖ
- WKO Statistik - Arbeitsstätten nach politischen Bezirken 2024
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Erwerbstätige am Wohnort 2024 nach höchster abgeschlossener Ausbildung und Verwaltungsbezirken
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Arbeitsmarktdaten im Jänner und Juli 2025 nach NÖ AMS-Bezirken
- WKO Statistik - Vorgemerkte Arbeitslose nach politischen Bezirken, Ende Jänner 2026
- WKO Statistik - Vorgemerkte Arbeitslose nach politischen Bezirken, Ende Juli 2026
- WKO Statistik - Unternehmensneugründungen und Gründungsintensität nach Bezirken 2025
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Lehrlinge 2025 nach Sparten und Verwaltungsbezirken in NÖ
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Übernachtungen 2021 bis 2026 nach Monaten, Tourismusdestinationen und Bezirken in NÖ
- Amt der NÖ Landesregierung, Landesstatistik - Übernachtungen 2017 bis 2026 nach Monaten und Gemeinden in NÖ
- Umgestaltung Stadtmuseum und St. Peter - Wiener Neustadt
Stand der Angaben: 19.10.2026
