STATUTARSTADT · NIEDERÖSTERREICH

Wiener Neustadt

Babenbergergründung, Habsburgergeschichte und erhaltene Festungsbauten

GEMEINDEKENNZIFFER30401
Markt am Hauptplatz von Wiener Neustadt
Markt am Hauptplatz von Wiener Neustadt · Foto: © C.Stadler/Bwag · „Wiener Neustadt - Hauptplatz (1)“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
50 025
01.01.2026
Fläche
60,93 km²
Bevölkerungsdichte
821,0
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
2700
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

WIENER NEUSTADT KENNENLERNEN

Wiener Neustadt: Residenzstadt im Steinfeld

Wiener Neustadt liegt im südöstlichen Steinfeld am Rand des Wiener Beckens. Die Statutarstadt hatte am 1. Jänner 2026 50.025 Einwohner und bedeckt 60,93 Quadratkilometer. Der Gründungsbeschluss wird auf 1194 datiert; die Stadt wurde als befestigter Ort angelegt.

Eine befestigte Neue Stadt

Herzog Leopold V. ließ im Steinfeld eine befestigte Stadt errichten, um die Grenze zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark zu sichern. Das Lösegeld für den englischen König Richard Löwenherz stellte das Kapital für die Anlage bereit. Das Landesportal datiert den Beschluss zur Gründung auf den 4. Februar 1194 in Fischau; der Baubeginn unter Leopold VI. war 1195 bereits im Gang. Die Stadt wurde rechteckig geplant, vier Hauptstraßen führten auf die Stadttore zu. Ein großer Platz war als Markt vorgesehen, ein weiterer für Pfarrkirche und Friedhof. Die Mauer war rund fünf Meter hoch und erhielt Ecktürme sowie vier befestigte Tore. Um 1200 begann der Bau der Pfarrkirche „Zu unserer Lieben Frau“, des heutigen Doms. Die Warme Fischa und der Kehrbach durchfließen das Stadtgebiet; am östlichen Rand bildet die Leitha die Landesgrenze zum Burgenland.

Kaiserresidenz und Bauwerke der Habsburger

Im 15. Jahrhundert residierte Kaiser Friedrich III. über Jahrzehnte in Wiener Neustadt. 1459 wurde in der Burg sein Sohn Maximilian geboren. Friedrich ließ Dom und Neukloster umbauen; im Neukloster fanden später seine Ehefrau Eleonore und mehrere ihrer Kinder ihre letzte Ruhestätte. 1469 erreichte er die Zustimmung zur Errichtung eines eigenen Bistums, das zunächst nur für die Stadt zuständig war. Der Dom wurde 1279 geweiht und im 14. Jahrhundert um Querschiff, polygonalen Chor und eine zweigeschoßige Sakristei erweitert. Der spätbarocke Hochaltar mit einem Gemälde der Himmelfahrt Mariens wurde 1776 geweiht. Maximilian wurde nach seinem Tod auf eigenen Wunsch in der Georgskathedrale der Burg beigesetzt. Die Hofhaltung hinterließ so konkrete Bau- und Grabstätten im Stadtraum.

Mauer, Zwinger und Kasematten

Von der spätmittelalterlichen Befestigung blieben an der südwestlichen Stadtseite besonders aussagekräftige Bauteile erhalten. Der älteste Mauerabschnitt stammt aus der Gründungszeit im späten 12. Jahrhundert; spätere Aufhöhungen erfolgten im 13., 15. und 16. Jahrhundert. Davor steht eine Zwingermauer mit Zinnenabschluss aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Kasematten wurden nach Plänen des Festungsbaumeisters Johann Tscherte ab der Mitte des 16. Jahrhunderts als gewölbtes Lager für Waffen und Munition ausgebaut. Ein Renaissanceportal markierte den nördlichen Zugang. Bei der Bauforschung vor der Landesausstellung 2019 wurden wichtige Erkenntnisse zu den Bauphasen gewonnen. Heute dienen die revitalisierten Räume auch als Kultur- und Veranstaltungsort.

Industrie im Stadtmuseum

Das Stadtmuseum Wiener Neustadt zeigt auch, wie eng die Stadtgeschichte mit technischer Arbeit verbunden ist. Das Stadtarchiv bewahrt Unterlagen zu den Österreichischen Daimler-Motorenwerken, zur Lokomotivfabrik und zu den Wiener Neustädter Flugzeugwerken. Zur Vorstellung des neuen Industriearchivs 2015 kündigte die Stadt einen Flugzeugpropeller, ein Modell des Austro-Daimler-Zugwagens „Goliath“ und ein Lehrzeugnis aus der Lokomotivfabrik als Schaustücke an. Die Sammlung des früheren Industrieviertelmuseums ist inzwischen ins Schau!Depot übersiedelt. Die Sammlung des früheren Industrieviertelmuseums dokumentiert außerdem Alltag, Handwerk, Industrie und politische Geschichte. Ihre Objekte machen die Entwicklung vom Gewerbe zur Fabrik anhand konkreter Dinge nachvollziehbar. So lässt sich die industrielle Vergangenheit der Stadt nicht nur an früheren Betriebsstandorten, sondern auch an erhaltenen Arbeits- und Alltagsobjekten ablesen.

Erstmals mehr als 50.000 Einwohner

Zu Jahresbeginn 2026 lebten in Wiener Neustadt 50.025 Menschen, zum ersten Mal mehr als 50.000. Allein im Jahr 2025 wuchs die Stadt um 869 Einwohner, so stark wie kein anderer Bezirk Niederösterreichs. Seit der Registerzählung 2011 legte sie um 21 Prozent zu, ebenfalls der höchste Wert im Land. Für 2040 sind 55.000 Einwohner prognostiziert.

Die dichteste Besiedlung des Landes

Auf den 60,9 Quadratkilometern des Stadtgebiets leben im Schnitt 821 Menschen je Quadratkilometer, mehr als in jedem anderen Bezirk Niederösterreichs. In St. Pölten sind es 554, in Krems an der Donau 495. Bei der ersten Volkszählung 1869 hatte Wiener Neustadt 20.619 Einwohner, 1951 waren es 30.559. Seither ist die Zahl um fast zwei Drittel gestiegen.

Der höchste Anteil an Zugewanderten

28,4 Prozent der Einwohner wurden im Ausland geboren, 23,9 Prozent haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Beide Anteile sind die höchsten in Niederösterreich. Einen Migrationshintergrund haben fast ein Drittel der Wiener Neustädterinnen und Wiener Neustädter. 2.680 Einwohner wurden in der Türkei geboren, 1.610 in Rumänien und 1.126 in Ungarn. Unter den Erwerbstätigen mit Wohnsitz in der Stadt hatte fast jede vierte Person eine andere Staatsangehörigkeit.

Pendeln und Arbeitsplätze

30.852 Erwerbstätige hatten 2024 ihren Arbeitsort in Wiener Neustadt, 22.870 ihren Wohnort, das ergibt einen Pendlerindex von 135. 21.515 Menschen pendelten in die Stadt, 15.578 davon aus anderen Bezirken des Landes und 5.937 aus anderen Bundesländern. 13.533 fuhren hinaus, 7.554 in andere niederösterreichische Bezirke und 5.910 in andere Bundesländer. Die 5.079 Arbeitsstätten der Stadt hatten 2024 zusammen 35.019 Beschäftigte.

Bildung und Arbeitslosigkeit

20,8 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 25 und 64 Jahren haben höchstens einen Pflichtschulabschluss, der höchste Anteil in Niederösterreich, gleichzeitig hat gut ein Fünftel ein Studium abgeschlossen. Im AMS-Bezirk Wiener Neustadt lag die Arbeitslosenquote im Jänner 2025 bei 9,7 und im Juli bei 8,0 Prozent, beides der höchste Wert im Land. Ende Jänner 2026 waren in der Stadt 3.150 Menschen arbeitslos vorgemerkt, ein Anstieg um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Ende Juli 2.584. Stadt und Landbezirk zusammen bildeten Ende 2025 1.767 Lehrlinge aus, 445 davon in überbetrieblichen Einrichtungen, mehr als in jedem anderen Bezirk. Im Jahr 2025 wurden 298 Unternehmen gegründet, 6,1 je 1.000 Einwohner, mehr waren es nur in Bruck an der Leitha und Waidhofen an der Ybbs.

Ein Drittel mehr Nächtigungen als 2019

2025 zählte Wiener Neustadt 221.393 Nächtigungen, um 10,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Kein anderer Bezirk Niederösterreichs legte so stark zu. Gegenüber 2019 mit 162.275 Übernachtungen beträgt das Plus mehr als ein Drittel. Die Gäste verteilen sich gleichmäßig über das Jahr: Auf Juli und August entfiel nur ein Fünftel der Übernachtungen, auch im Dezember wurden mehr als 18.000 gezählt.

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 19.10.2026

GEOGRAFIE

Wiener Neustadt auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung41 305
31.10.2021 · Registerzählung47 069
01.01.2026 · Bevölkerungsstand50 025

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
10 236
NUTS-3-Region
Niederösterreich-Süd (AT122)

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