WOLKERSDORF IM WEINVIERTEL KENNENLERNEN
Wolkersdorf: Burg am alten Handelsweg
Wolkersdorf im Weinviertel liegt im östlichen Niederösterreich, im Bezirk Mistelbach, am Übergang vom Marchfeld zum Hügelland. Die Stadtgemeinde umfasst 44,38 Quadratkilometer und zählt 7.575 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026).
Kastellburg und Marktanlage
Die Burg am heutigen Standort entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Herren von Wolkersdorf ließen ein viereckiges Kastell mit Türmen und breitem Wassergraben errichten. Das Gelände lag auf einer Insel eines aufgestauten Rußbacharms; der Schlossgraben ist heute noch als Teich erkennbar. Nach dem Ende der Babenberger stellte sich das Geschlecht gegen Ottokar von Böhmen, der das Kastell 1255 zerstören ließ. 1282 wurde es nach dem Sieg Rudolfs von Habsburg wieder aufgebaut. Neben dem Wohnbau entstand damals eine zweigeschossige Burgkapelle. Die Stadtgeschichte verzeichnet auch häufige Besitzerwechsel: 1481 konfiszierte Friedrich III. die Herrschaft; ab 1538 war sie vollständig in habsburgischer Hand.
Schule, Straße und Stadtstatus
Wolkersdorf erhielt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts das Marktrecht. Eine Schule ist 1446 erstmals erwähnt; 1460 tagten hier die niederösterreichischen Landstände. Der mittelalterliche Handelsweg führte von Wien über Wolkersdorf, Gaweinstal und Mistelbach nach Poysdorf und traf dort auf die Nikolsburger Straße. Unter Josef II. wurde die Brünner Straße ausgebaut; 1870 kam der Ort an das Bahnnetz. Die Gemeinde wurde 1969 zur Stadt erhoben. Zwischen 1966 und 1972 kamen die umliegenden Gemeinden Riedenthal, Münichsthal, Pfösing und Obersdorf hinzu. 1978 gründete das Land südlich der Ostbahn und östlich der Brünner Straße das Industriezentrum NÖ-Nord.
Von Königin Anna bis Julius Bittner
1529 erhielt die Burg einen Zwinger mit Mauer und vier runden Geschütztürmen; Teile davon sind erhalten. Im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde der Osttrakt im Renaissancestil ausgebaut und nördlich der Anlage der Wirtschaftshof „Anna-Hof“ angelegt. Königin Anna vermachte Schloss und Herrschaft 1547 dem Wiener Hofspital, während die Habsburger das Jagdrecht im Hochleithenwald behielten. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Burg unter Ferdinand III. zum barocken Jagdschloss. Napoleon logierte nach Wagram vom 7. bis 9. Juli 1809 im Schloss und richtete dort sein Hauptquartier ein. Ab 1848 bezogen Grundbuch, Gendarmerie und Bezirksgericht das Schloss. Der komponierende Richter Julius Bittner arbeitete hier 1905 bis 1908; seine Oper „Der Musikant“ entstand in Wolkersdorf, einige seiner Werke wurden an der Wiener Hofoper uraufgeführt. Heute beherbergt das Schloss Musikschule, Ateliers und Kulturvereine.
Münichsthal und Riedenthal
Münichsthal liegt drei Kilometer westlich von Wolkersdorf in einem markanten Taleinschnitt. Am Ende der ökologisch bedeutsamen Gemeindeschlucht entspringt der Münichsthalerbach. Riedenthal liegt zwischen Weinviertler Hügeln drei Kilometer nordwestlich der Stadt; am Scheibenberg verweisen Funde auf frühe Besiedlung. Am Wartberg wurden mehr als 140 Pflanzen-, 50 Vogel- und 31 Tagfalterarten erfasst. Die Halbtrockenrasen beherbergen unter anderem Kreuz-Enzian, Frühlings-Adonis und Helm-Knabenkraut. Regelmäßige Mahd und Entbuschung halten die Flächen offen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
