ST. ANTON AN DER JESSNITZ KENNENLERNEN
St. Anton an der Jeßnitz: Spuren von Industrie und Wallfahrt
St. Anton an der Jeßnitz ist eine Gemeinde im Bezirk Scheibbs. Zum Stichtag 1. Jänner 2026 waren 1.119 Einwohnerinnen und Einwohner gemeldet; die amtliche Fläche beträgt 69,69 Quadratkilometer. Das Gemeindegebiet umfasst das Einzugsgebiet der Jeßnitz, die im Nordwesten in die Erlauf mündet. Im Süden erreicht der Turmkogel 1.130 Meter. Der Name St. Anton geht auf das Antonius-Bründl zurück, das schon vor der Entstehung des Ortes von Wallfahrern aufgesucht wurde. (Statistik Austria, Gemeindeverzeichnis 2026; Wikipedia, feste Artikelversion, Geografie und Geschichte)
Eine Kirche für das Jeßnitztal
Der Prior der Kartause Gaming, Anton Oberecker, ordnete 1644 an, im Jeßnitztal eine Kirche zu errichten. Die Pfarrkirche wurde 1691 dem heiligen Antonius von Padua geweiht. Sie ist eine dreischiffige Hallenkirche mit Stuckdekor. Nachdem der Turm 1760 eingestürzt war, erhielt die Kirche einen hölzernen Dachreiter mit Zwiebelturm; dieser wurde 1980 erneuert. Vom Gotteshaus führt ein Kreuzweg zum Antoniusbründl und weiter auf den Kalvarienberg. Die zwölfte Station ist eine Rundkapelle aus dem Jahr 1737. (Gemeinde St. Anton, „Sehenswertes“, Pfarrkirche/Kreuzweg)
Sozialgeschichte in der Bruderlade
1868 kaufte der Hammerherr Andreas Töpper die ehemalige Gewehrfabrik und richtete darin Räume für alte, bedürftige oder verunglückte Mitarbeiter ein. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute eine Ausstellung zur Sozialgeschichte. Sie zeigt Lebensverhältnisse von Bauern, Handwerkern und Fabriksarbeitern und erläutert den Wandel der Arbeit mit der Industrialisierung. Auch Alltagsthemen wie Wohnen, Kleidung, Essen, Religion und Feste kommen vor. Die Ausstellung verweist darauf, dass die Arbeiter für die Realisierung der Bruderlade mitzahlen mussten. Als Vorbild dienten die traditionellen Bruderladen, Hilfsorganisationen von Arbeitern und Bergknappen. (Gemeinde St. Anton, „Geschichte zur Bruderlade“)
Ein Erdrutsch staut den Bach
Nach starken Regenfällen kam es 1910 im Reifgraben zu einem Bergrutsch. Der Bereich war durch den früheren Kohleabbau unterhöhlt; der abgerutschte Hang staute den Bach und ließ den Antonisee entstehen. Der See liegt an der Zufahrtsstraße zum Hochbärneck. An der Jeßnitz erinnern weitere bauliche Spuren an die lokale Industriegeschichte: Das Geländer der Jeßnitzbrücke bei der Bruderlade besteht aus ungebohrten Gewehrläufen und verweist auf die frühere Gewehrfabrik von Josef Heiser. (Wikipedia, feste Artikelversion, Geschichte; Gemeinde St. Anton, „Sehenswertes“, Antonisee und Bruderlade)
Mühle und Dörrhaus im Reifgraben
Beim Hof Weherberg im Reifgraben befindet sich ein Freilichtmuseum mit historischem Getreidespeicher, Mühle und Dörrhaus mit Haarstube. Diese erhaltenen Gebäude gehören zu den bäuerlichen Arbeitsstätten im Tal. (Gemeinde St. Anton, „Sehenswertes“, Freilichtmuseum)
Die Gemeindealm Hochbärneck
Das Almgebiet Hochbärneck liegt auf knapp 1.000 Metern Seehöhe. Ein Aussichtsturm bietet Blick zum Ötscher; zum Gelände gehört auch ein Alpengarten mit mehr als 60 Pflanzenarten. Die Gemeinde erwarb Hochbärneck am 16. August 1898, nachdem ein Feuer im Jänner die Wohn- und Wirtschaftsgebäude zerstört hatte. Aus erhaltenen Bauteilen ließ sie ein kleines Haus als Halterhütte errichten. Nach dem Ankauf wurden die Grundstücke als Weide genutzt; Bauern aus der Gemeinde konnten eine bestimmte Zahl von Jung- und nicht milchgebenden Rindern zur sommerlichen Weidehaltung auftreiben. (Gemeinde St. Anton, „Sehenswertes“ und „Geschichte zur Alm Hochbärneck“)
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
