WIESELBURG KENNENLERNEN
Wieselburg: Am Zwiesel zweier Erlauf-Flüsse
Wieselburg ist eine Stadtgemeinde im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich. Für den 1. Jänner 2026 nennt die Statistik Austria 4.950 Einwohnerinnen und Einwohner; das Stadtgebiet umfasst 5,42 Quadratkilometer. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Großer und Kleiner Erlauf. Stadtgemeinde und angrenzende Dorfgemeinde Wieselburg-Land sind eigenständige Gemeinden.
Das ottonische Oktogon
Im Jahr 976 erhielt Bischof Wolfgang von Regensburg die mündliche Zusage Kaiser Ottos II. für Land am Erlaufzusammenfluss. Hier sollte eine Fluchtburg zum Schutz der Bevölkerung von Steinakirchen entstehen. Das ottonische Oktogon geht auf das späte 10. Jahrhundert zurück. Heute ist das Oktogon in die Wieselburger Pfarrkirche eingebunden. Seine Grundform verbindet einen quadratischen Kern mit Seitenarmen und acht Trompen, von denen fünf erhalten sind. Die Fresken im Kuppelbereich zeigen Christus als Weltenherrscher sowie Engel, Evangelistensymbole, Apostel und Propheten. Erst bei der Renovierung nach einem Brand 1952 wurde erkannt, dass der vermeintliche Karner der älteste Teil der Kirche ist.
Das Marktschloss im Stadtzentrum
Das Marktschloss entstand im 13. Jahrhundert am linken Erlaufufer und unabhängig von der älteren Befestigung am Kirchenberg. Kaiser Franz I. kaufte es 1823 und gab ihm durch einen Umbau seine spätbarocke Erscheinung im josephinischen Plattenstil. Die Stadtgemeinde kaufte das Gebäude 1976; nach einer Generalsanierung wurden 1994 der umgestaltete Schlosspark und das Museum für Ur- und Frühgeschichte eröffnet. Im Schloss befinden sich neben dem Museum Wohnungen, die Kapelle der evangelischen Gemeinde, ein Café mit Bäckerei und ein Bioladen. Eine 2020 nachgebildete Sonnenuhr am Seitentrakt zeigt den heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen.
Fundstücke aus vielen Jahrhunderten
Das Museum für Ur- und Frühgeschichte bewahrt Funde von der frühen Jungsteinzeit bis zum Ende des Frühmittelalters. Zu den ältesten Gegenständen zählen Steinbeile und Pfeilspitzen; seltene Kupferbeile verweisen auf Veränderungen in der Bronzezeit. Ein römisches Keramikgefäß trägt die Aufschrift „Mercator“, also „Händler“. 1966 wurden ein rund 2.500 Jahre altes Keltenschwert und eine mit zwei Drachen verzierte Schwertscheide entdeckt.
Eine Messe mit Wurzeln im Jahr 1928
1928 fand in Wieselburg erstmals ein regionales Volksfest mit einer Ausstellung von Produkten aus Gewerbe und Landwirtschaft statt. Daraus entwickelte sich die Wieselburger Messe. Wie eng der Veranstaltungsort mit den Flüssen verbunden ist, zeigte sich beim Jubiläum 2018: Am Eröffnungstag bedrohten steigende Pegel das Messegelände am Zusammenfluss. Feuerwehr und Bundesheer sicherten kritische Stellen mit Sandsäcken. Das Wasser ging rasch zurück, sodass die Messe weiterlaufen konnte; für durchnässte Wiesenparkplätze wurden Ersatzflächen eingerichtet.
Vom Markt zur Stadtgemeinde
Wieselburg wurde 1848 eine politische Gemeinde. 1913 vereinigten sich der Markt Wieselburg, Teile der Gemeinde Mitterwasser und die Gemeinde Rottenhaus. Die Stadterhebung erfolgte 1976. Auch der Name verweist auf die Lage: Das althochdeutsche „zwisila“ und das mittelhochdeutsche „zwisel“ bezeichnen einen Zusammenfluss. Die Stadtgemeinde umfasst die gleichnamige Katastralgemeinde. Schacha und Rottenhaus liegen als Stadtteile im Süden.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Wieselburg – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Die Kirche und das Oktogon
- Wieselburg – Gedächtnis des Landes
- Das Wieselburger Marktschloss
- Wieselburger Messe 2018 – Presseinformation
- Wieselburg – Niederösterreich Tourismus
- Museum für Ur- und Frühgeschichte – Museumsmanagement Niederösterreich
Stand der Angaben: 09.10.2026
