SCHEIBBS KENNENLERNEN
Scheibbs: Stadtgeschichte an der Erlauf
Scheibbs ist eine Stadtgemeinde im gleichnamigen Bezirk in Niederösterreich. Mit Stichtag 1. Jänner 2026 zählt die Statistik Austria 4.197 Einwohnerinnen und Einwohner; die Fläche beträgt 45,88 Quadratkilometer. Der Stadtkern liegt an der Großen Erlauf, während sich das Gemeindegebiet in die umliegenden Anhöhen erstreckt.
Verwaltungszentrum der Kartause
Die Stadtchronik setzt den Beginn Scheibbs’ als Verwaltungszentrum auf 1120: Konrad I. von Peilstein soll den Ort dafür gegründet haben. 1160 erscheint „Otto de Scibes“ als Zeuge in einer Urkunde. 1338 übertrug Herzog Albrecht II. den Markt an die Kartause Gaming; Scheibbs wurde deren weltliches Verwaltungszentrum und Sitz mehrerer Richterämter. Die Verbindungen zur Kartause hielten bis zu ihrer Aufhebung 1782 an. An diese Funktionen erinnert das Schloss am Rathausplatz, das aus der früheren Burg hervorging.
Burg, Schloss und Stadtmauer
Mit der Stadterhebung 1352 begann der Ausbau der Befestigung. Die Stadtchronik datiert einen vierkantigen Turm im Verlauf der Stadtmauer an der heutigen St. Georgner Straße auf 1380; später wurde er Pulverturm genannt. Anfang des 17. Jahrhunderts ließ die Kartause die Burg zu einem vierflügeligen Schloss umgestalten. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb Andreas Töpper die Anlage in den 1860er Jahren und ergänzte einen repräsentativen Zubau zum Rathausplatz. Das Schloss beherbergt Bezirkshauptmannschaft und Bezirksgericht; das Land Niederösterreich kaufte die Schlossliegenschaft in den 1950er Jahren.
Eisen und Versorgung
1448 verlieh Kaiser Friedrich III. eine Gäuhandelsfreiheit, durch die das Alpenvorland Innerberg mit Lebensmitteln versorgen sollte. 1538 wurde Scheibbs gemeinsam mit Gresten und Purgstall zum Innerbergischen Hauptmarkt erhoben. 1544 begann der Ausbau der Dreimärkte-Eisenstraße über den Mendlingpass, Göstling und Lunz; 1561 war sie fertiggestellt. Fuhrwerke transportierten auf dieser Verbindung Eisen und Lebensmittel. 1886 führte Scheibbs eine elektrische Straßenbeleuchtung ein und gehörte damit zu den frühen Städten der Monarchie mit dieser Technik.
Die Urlingerwarte am Blassenstein
Über der Stadt steht auf dem 844 Meter hohen Blassenstein die Urlingerwarte. Die Scheibbser Sektion des Österreichischen Touristenklubs beschloss 1888 den Bau einer hölzernen Warte; sie wurde am 26. August desselben Jahres eingeweiht und nach dem damaligen Pfarrer Paul Urlinger benannt. Weil das Holzbauwerk bald baufällig war, entstand eine sechzehn Meter hohe steinerne Nachfolgerin, die am 9. August 1903 eröffnet wurde. 1936 erhielt die Warte einen Zementverputz, weil Regenwasser in das Gestein eingedrungen war. Eine Generalrenovierung folgte von 1963 bis 1966.
Stadt am Fluss
Die Altstadtrunde führt vom Sandsteg zum Rathausplatz mit Kirche, Schloss und Rathaus. Danach verläuft sie entlang des früheren Stadtmauerzugs am Flecknertor und Pulverturm vorbei zur Hauptstraße und zurück zur Erlauf. Am Fluss liegen Erlaufhafen und Stadtmole, eine Sitztribüne am Wasser. An der Strecke liegen außerdem das Schützenscheibenmuseum, der Töpperpark mit dem Mausoleum der Familie Töpper sowie Kapuzinerkloster und Kirche. Ein Begleitheft der Stadt erläutert die Stationen; es ist an Informationstafeln beim Bahnhof, Sandsteg und Rathausplatz erhältlich. Die Nordrunde ist 1,15 Kilometer lang und mit einer Dauer von eineinhalb Stunden angegeben.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
