SPITZ KENNENLERNEN
Spitz an der Donau: Abtei, Markt und Donauschifffahrt
Die Marktgemeinde Spitz zählt 1.518 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 23,82 Quadratkilometer. Sie liegt am linken Donauufer, dort wo der Spitzer Bach aus dem Graben in den Strom mündet.
Wachau-Gut des Klosters Niederaltaich
Eine Urkunde aus dem Jahr 830 bestätigt eine Schenkung Karls des Großen an das bayerische Kloster Niederaltaich: Sie umfasste das Gebiet „Wahowa“ am linken Donauufer. 865 taucht der Name „ad Spizzun“ auf; Weingärten sind ab dem 9. Jahrhundert bezeugt. Das Kloster verwaltete seine Besitzungen nicht durchgehend selbst, sondern vergab Aufgaben an Adelsgeschlechter und bayerische Herzöge. 1504 fiel die Herrschaft Spitz an Maximilian I.; drei Jahre später verkaufte er sie an seinen Hofmeister Eitel Friedrich II. von Hohenzollern. Ein früherer Lesehof des Klosters, der Erlahof, blieb später ein wirtschaftlicher Mittelpunkt für den Weingartenbesitz.
Marktrecht und konfessionelle Kämpfe
Das Marktrecht ist 1347 erstmals urkundlich dokumentiert. Später prägten die protestantischen Familien Kirchberger und Kuefstein den Ort. Hans Lorenz II. von Kuefstein ließ 1613 eine evangelische Kirche und den Pastorenturm beim Friedhof errichten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Markt 1620 von kaiserlichen Truppen niedergebrannt. Um 1630 setzte die Gegenreformation ein; 1645 plünderten schwedische Söldner den Ort. Das Rote Tor, auch Schwedentor genannt, erinnert an die umkämpfte Befestigung; die Gemeinde hält die Erzählung vom blutrot gefärbten Tor ausdrücklich für eine Sage.
St. Mauritius und die Niederaltaicher Pfarre
Die Pfarrkirche St. Mauritius geht auf eine Kirche zurück, die Niederaltaich vermutlich um 1111 gründete. An der Westempore ist ein Christus-Apostel-Zyklus erhalten, der um 1420 entstand. Der Kirchturm mit seinem farbigen Ziegeldach wurde 1499 errichtet. Ein ausgemusterter Hochaltar aus Niederaltaich wurde 1718 in Spitz aufgestellt; Propst Augustinus Fischer leitete 1724 bis 1739 eine Barockisierung ein. Nach der Säkularisierung des Klosters 1803 endete die lange Verbindung der Pfarre mit dem bayerischen Stift.
Vom Schiffszug zum Schifffahrtsmuseum
Mit dem Dampfschiff „Maria Anna“, das 1837 erstmals zwischen Wien und Linz fuhr, begann der Rückzug der traditionellen Flöße und Pferdeschiffszüge. 1909 wurde die Donauuferbahn zwischen Krems und Grein eröffnet. Der frühere Gemeindesekretär Otto Meißinger begann, Geräte, Pläne und Bilder zu sammeln; 1959 traf er den Architekten Kurt Schaefer, der dem Museum maßstabgetreue Schiffsmodelle widmete. 1970 eröffnete das Schifffahrtsmuseum im ehemaligen Lesehof Erlahof. Es widmet sich der Holz- und Floßschifffahrt auf der oberen Donau. 2005/06 wurde das Haus neu gestaltet. Die Sammlung umfasst auch die Schifferorgel von 1697; ein Modell zeigt einen Zug mit 60 Pferden. Der Museumsverein verwaltet das Haus, das laut aktueller Gemeindeinformation von April bis Oktober täglich geöffnet ist. Die Rollfähre verbindet Spitz und Arnsdorf; der veröffentlichte Fahrplan 2026 unterscheidet Werktage und Wochenenden.
Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg
Ungarisch-jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden während des Zweiten Weltkriegs in Spitz zur Zwangsarbeit für die Baufirma Fritz Steiner gezwungen. Sie arbeiteten im Steinbruch und in einer Betongießerei; das Bundesdenkmalamt verzeichnet das Lager am Firmengelände.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Spitz (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Spitz im Herzen der Wachau - Home
- Geschichte der Marktgemeinde Spitz – Gemeindearchiv
- Schloss Erlahof – Schifffahrtsmuseum Spitz
- Das Rote Tor – Marktgemeinde Spitz
- St. Mauritius zu Spitz – Geschichte und Geschichten der Pfarrkirche
- Fähren Betriebszeiten 2026 – Marktgemeinde Spitz
- Katalog NS-Opferorte – Bundesdenkmalamt
- Ruine Hinterhaus – Marktgemeinde Spitz
Stand der Angaben: 08.10.2026
