TEESDORF KENNENLERNEN
Teesdorf: Von der Spinnerei zum Marktrecht
Teesdorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Baden. Am 1. Jänner 2026 zählte sie 1.897 Einwohnerinnen und Einwohner; ihr Gemeindegebiet umfasst 7,31 Quadratkilometer. Wasser und Textilindustrie prägten viele Etappen der Ortsgeschichte.
Vom Lehen zur Spinnerei
Die erste urkundliche Erwähnung Teesdorfs datiert die Gemeinde auf 1365. Bis um 1800 lebte hier überwiegend eine bäuerliche Bevölkerung: Grund und Boden kamen als Lehen von der Herrschaft, dafür waren Robot und Zehent zu leisten. Mit der 1802 von den Brüdern Puthon gegründeten Baumwollspinnerei verschob sich das wirtschaftliche Gewicht. Die Anlage machte aus der bäuerlich geprägten Gemeinde schrittweise einen Industriewohnort. Der Ortsname „Tees“ soll der Überlieferung nach einen Platz bezeichnen, an dem Hirten Rinder züchteten. Die Triesting lieferte Wasserkraft; zwei Dampfmaschinen ergänzten den Antrieb. Ab 1842 liefen dort zusätzlich zwei Turbinen. Rund 60 Prozent der Fläche sind landwirtschaftliche Nutzflächen, weitere zehn Prozent sind Weingärten.
Arbeit, Schule und Selbsthilfe
Die Fabrik prägte auch den Alltag der Familien. 1813 richteten die Puthons eine Sonntagsschule ein, die zunächst den Kindern der Fabrikarbeiter vorbehalten war; diese arbeiteten bereits ab zwölf Jahren in der Spinnerei. Dorfkinder konnten ab 1821 eine einklassige Volksschule im benachbarten Günselsdorf besuchen. Ein weiteres Kapitel der Sozialgeschichte begann 1856: Spinnereiarbeiter gründeten einen Selbsthilfeverein, der unter dem Namen „Konsumverein der Arbeiter der Spinnfabrik“ eingetragen wurde. Aus dem Verein entwickelte sich im Lauf der Zeit der Konsumverein Österreich. 1906 streikten die Arbeiter für bessere Bedingungen. Nach ihrer Vertreibung aus den Werkswohnungen campierten sie sechs Wochen lang mit ihren Familien im Zigeunergraben.
Fabrikbau und Petruskirche
Das markante Spinnereigebäude entstand nach Plänen Bruno Bauers zwischen 1908 und 1912 als Stahlbetonskelettbau mit Wasserturm. Der Fabrikbetrieb endete 1993; 2015 wurde die Umwandlung des Gebäudes in Wohnungen abgeschlossen. Die ursprüngliche Fabrik führte die Produktion über fünf Stockwerke hinweg. Der markante Wasserturm des Gebäudes steht unter Denkmalschutz. Die katholische Kirche ist dem heiligen Petrus geweiht und wurde 1959/60 nach Plänen Karl Krämers errichtet. Ein freistehender Campanile steht neben dem Kirchenbau. Die 2024 erschienenen Pfarrnachrichten berichten von der damals abgeschlossenen Renovierung der Kirche und der Sanierung des Glockenturms; sie nennen außerdem die Unterstützung durch die Gemeinde.
Marktrecht und kommunale Entwicklung
Anlässlich des 600-jährigen Jubiläums erhielt Teesdorf 1965 das Marktrecht. 1972 wurden Teesdorf, Tattendorf, Günselsdorf und Blumau-Neurißhof zur Großgemeinde Steinfelden zusammengelegt; Teesdorf wurde Sitz der Schulgemeinde, in dieser Zeit entstand auch die Volks- und Sonderschule. Auf Wunsch der vier Ortsteile wurde der Zusammenschluss mit Wirkung vom 1. Jänner 1988 wieder aufgelöst. In den Folgejahren erschloss die Gemeinde neue Wohngebiete und baute die Kanalisation aus. Der heutige Gemeindestatus steht damit am Ende mehrerer kommunaler Veränderungen, die sich in nur wenigen Jahrzehnten vollzogen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
