SCHÜTZEN AM GEBIRGE KENNENLERNEN
Schützen am Gebirge: Wulkatal, Schwefelbrunnen und ein neuer Ortsname
Schützen am Gebirge liegt an einer landschaftlichen Übergangsstelle: Das Gemeindegebiet berührt das Ruster Hügelland, das Leithagebirge und die Verbindung zwischen Eisenstädter Becken und Neusiedler See. Der Ort selbst ist eine Talsiedlung an der Wulka. Er gehört zum Bezirk Eisenstadt-Umgebung und umfasst als Gemeinde nur eine Ortschaft. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 1.453 Menschen; die Fläche beträgt rund 21,20 Quadratkilometer. Für das Verständnis des Ortes sind neben seiner Lage auch die früheren Namen, ein schwerer Brand und die Geschichte einer inzwischen versiegten Schwefelquelle aufschlussreich.
Warum aus Gschieß Schützen wurde
Die älteren Siedlungsverhältnisse waren komplexer als die heutige Ortsstruktur. Eine Nennung von 1211 bezieht sich auf eine später aufgegebene Siedlung im südlichen Gemeindegebiet. Im Mittelalter erscheinen außerdem ein oberes und ein unteres Schützen. Das spätere Dorf wurde als Gschieß bezeichnet; diesen Namen tragen auch historische Karten. Nach dem Anschluss des Burgenlands an Österreich blieb die Bezeichnung zunächst erhalten. Erst am 9. Juni 1924 wurde die Änderung in Schützen am Gebirge bewilligt. Die Gemeinde hatte sie beantragt, weil der alte Name wiederholt Anlass zu Spott gegeben hatte.
Ein Einschnitt in die gebaute Ortsgeschichte
Am 31. Juli 1911 zerstörte ein großer Brand einen erheblichen Teil von Gschieß. Von 227 Wohnhäusern blieben nach den überlieferten Zahlen nur 67 verschont. Feuerwehren aus zehn Gemeinden kamen zu Hilfe, konnten die Ausbreitung aber nicht ausreichend eindämmen. Sammlungen in den Nachbarorten unterstützten anschließend den Wiederaufbau. Das Ereignis erklärt, weshalb die Geschichte der Siedlung nicht allein an sehr alten Gebäuden abzulesen ist: Wiedererrichtungen und bauliche Veränderungen gehören ebenfalls dazu. Auch die Kampfhandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs beschädigten Häuser und den Kirchturm.
Barockkirche und Jagdschloss
Die katholische Pfarrkirche ist der heiligen Maria Magdalena geweiht. Sie besitzt einen barocken Baukörper; an der Kirchhofmauer sind Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Nordöstlich des Ortes liegt das 1794 errichtete Jagdschloss Esterházy. Es gehört zum Umfeld des Fürstlich Esterházy’schen Tiergartens, eines privaten Jagdgebiets mit einer langen Umfassungsmauer. Ein Schloss in der Landschaft ist deshalb nicht automatisch ein öffentlich zugängliches Ausflugsziel. Im Gemeindegebiet stehen zudem mehrere Bildstöcke. Diese kleineren religiösen Denkmäler ergänzen die größeren Bauten als Zeugnisse der örtlichen Kulturgeschichte.
Eine versiegte Quelle und die Wege durch das Tal
Im Westen des Ortes gab es früher eine kalte Schwefelquelle. Bei Kanalisierungsarbeiten wurde 1971 ihre unterirdische Wasserführung beschädigt; anschließend versiegte sie. Der renovierte Schwefelbrunnen erinnert weiterhin an diese frühere Besonderheit, auch wenn dort keine aktive Heilquelle mehr besteht. Eine andere Spur in der Landschaft ist ein wiederhergestellter Abschnitt des Panzergrabens aus dem Zweiten Weltkrieg, der seit 2014 als Erinnerungsort besichtigt werden kann. Für den heutigen Verkehr sind die Ortsumfahrung der B 50 und der Anschluss an die Pannoniabahn wichtig. Beide folgen der regionalen Verbindung zwischen Eisenstadt und dem Seegebiet.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
