SIEGENDORF KENNENLERNEN
Siegendorf: Zuckerindustrie, kroatische Kultur und alte Siedlungsspuren
Die ehemalige Zuckerfabrik gehört zu den auffälligen Zeugnissen von Siegendorfs industrieller Vergangenheit. Daneben finden sich im Gemeindegebiet wesentlich ältere Spuren der Besiedlung und eine bis heute wichtige burgenlandkroatische Tradition. Siegendorf liegt nahe Eisenstadt an der Grenze zu Ungarn, im Bezirk Eisenstadt-Umgebung. Laut amtlichem Gemeindeverzeichnis lebten am 1. Jänner 2026 insgesamt 3.199 Menschen in der Marktgemeinde. Ihre Fläche beträgt rund 23,06 Quadratkilometer. Historische Bauten, Weinbau und Gewerbestandorte lassen erkennen, wie unterschiedlich die wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen des Ortes im Lauf seiner Entwicklung waren.
Mehr als ein Jahrhundert Zuckererzeugung
Conrad Patzenhofer gründete 1853 die Zuckerfabrik Siegendorf. Bis 1988 wurde hier produziert, sodass der Betrieb die Ortsgeschichte über mehrere Generationen begleitete. Das Fabrikareal ist ein wichtiger Bezugspunkt, wenn man die Industrialisierung des nördlichen Burgenlands nachvollziehen möchte. Mit dem Ende der Zuckererzeugung verschwand die Bedeutung gewerblicher Arbeit für Siegendorf nicht: In der Gewerbezone Ost befinden sich Handels- und Industriebetriebe. Zum wirtschaftlichen Profil zählt außerdem der Weinbau. Buschenschanken und Landgasthöfe bilden Verbindungen zwischen den örtlichen Weinen und der Gastronomie. Die ehemalige Fabrik repräsentiert somit einen eigenen Teil einer vielfältigeren Wirtschaftsgeschichte.
Hügelgräber im Schuschenwald
Rund zweieinhalb Kilometer außerhalb der Ortschaft liegen im Schuschenwald vier Hügelgräber aus der späten Bronzezeit. Sie belegen, dass die Umgebung lange vor den ersten schriftlichen Ortsnennungen genutzt wurde. Urkundlich erscheint Siegendorf 1254 unter der Bezeichnung Peresnje und 1343 als Siendorf. Der ungarische Name Cinfalva gehört ebenfalls zur Überlieferung des Ortes. Die verschiedenen Namen sollten nicht mit unterschiedlichen heutigen Gemeinden verwechselt werden. Archäologische Funde und schriftliche Quellen erschließen hier verschiedene Zeiträume: Die Grabhügel betreffen die frühe Besiedlung, die Urkunden die mittelalterliche Entwicklung des Dorfes.
Kirche auf erhöhter Lage und ein Kastell
Die katholische Pfarrkirche Allerheiligen wurde 1659 in erhöhter Lage errichtet. Zu ihrer Ausstattung zählt die sogenannte Glockenmadonna. Eine weitere historische Anlage ist das auch als Burg bezeichnete Kastell, dessen erhaltene Bausubstanz auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Hinzu kommt eine Dreifaltigkeitssäule aus dem frühen 18. Jahrhundert. Diese Denkmäler zeigen andere Seiten Siegendorfs als die spätere Industriearchitektur. Die burgenlandkroatische Volksgruppe ist ein wesentlicher Teil des örtlichen Kulturraums. Für die Geschichte der Gemeinde sind daher sowohl ihre Bauten als auch Sprache und kulturelle Überlieferung von Bedeutung.
Zwangsarbeit und Widerstand als Teil der Ortsgeschichte
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die stillgelegte Zuckerfabrik als Lager für ungarische jüdische Zwangsarbeiter genutzt. Sie mussten an den Befestigungsanlagen des sogenannten Südostwalls arbeiten. Die Lagergeschichte und die Verfolgung örtlicher Widerstandskämpfer gehören zu den belastenden Kapiteln Siegendorfs. Eine Darstellung des Fabrikstandorts muss deshalb über technische und wirtschaftliche Aspekte hinausgehen. Die Gemeinde besitzt zugleich vielfältige regionale Verbindungen: Die Ödenburger Straße B 16 führt durch das Gebiet, und mit Nordalpenweg, Zentralalpenweg sowie Ostösterreichischem Grenzlandweg berühren mehrere österreichische Weitwanderwege den Ort. Industriegeschichte, Erinnerung und Landschaft treffen hier auf engem Raum zusammen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
