OGGAU AM NEUSIEDLER SEE KENNENLERNEN
Kalkstein, Weinbau und Geschichte am Westufer
Oggau am Neusiedler See ist eine Marktgemeinde im Bezirk Eisenstadt-Umgebung. Der Ort liegt zwischen dem Ruster Hügelland und dem Westufer des Sees. Die amtliche Gemeindefläche von rund 52,19 Quadratkilometern darf dabei nicht mit der Größe des bebauten Ortes verwechselt werden: Ein erheblicher Anteil des Gebiets entfällt auf den Neusiedler See. Zum Stichtag 1. Jänner 2026 nennt STATISTIK AUSTRIA 1.703 Einwohner. Für das örtliche Profil sind die Weinlandschaft, historische Sakralbauten und der Hölzlstein wichtige Bezugspunkte. Die Verbindung von Wasser, Hügelland und Weinbau prägt die geografische Einordnung der Gemeinde.
Ein großer Kalkstein außerhalb des Ortes
Der Hölzlstein ist eine der besonderen Landschaftsformen bei Oggau. Der ungefähr zehn mal zwanzig Meter große Kalkstein liegt etwas außerhalb der Ortschaft und erinnert an die geologische Vergangenheit der Gegend als Meeresraum. Neben dieser naturgeschichtlichen Erklärung gibt es eine Sage, nach der Hexen den Stein bewohnt hätten. Geologie und örtliche Erzähltradition beziehen sich hier also auf dasselbe Landschaftselement. Eine weitere Orientierung im Gelände bietet der Seeberg: Mit 211 Metern Seehöhe ist er die höchste Erhebung der Gemeinde. Die Höhenunterschiede zwischen Hügelland und See werden dadurch auch in Zahlen greifbar.
Weißwein, Rotwein und archäologische Spuren
Oggau ist mit dem Weinbau eng verbunden. Auf den örtlichen Rebflächen werden sowohl weiße als auch rote Sorten angebaut. Zu den beschriebenen Weißweinsorten zählen Grüner Veltliner, Welschriesling, Weißburgunder, Müller-Thurgau und Neuburger; bei den roten Sorten spielt Blaufränkisch eine wichtige Rolle. Die Verbindung zum Wein reicht in der Überlieferung weit zurück: Bei Ausgrabungen wurden römische Trinkschalen mit Rotweinresten gefunden. Diese Funde verweisen auf Weinkonsum in der antiken Siedlungslandschaft. Ein Weinlehrpfad gehört ebenfalls zu den örtlichen Bezugspunkten und stellt den Weinbau als eigenes Thema der Gemeinde heraus.
Barocke Kirche und ältere Pestsäulen
Die Pfarrkirche entstand zwischen 1727 und 1731. Zu ihrer Ausstattung gehört ein Schrein aus dem Rokoko. Der Pfarrhof kam 1795 hinzu und bildet damit eine jüngere Schicht des kirchlichen Gebäudeensembles. Zwei Pestsäulen im Ort sind dagegen älter: Sie wurden 1695 und 1713 errichtet. Die Bau- und Entstehungsdaten dieser Denkmäler liegen zwar vergleichsweise nahe beieinander, erzählen aber von unterschiedlichen Anlässen und Funktionen. Kirche, Pfarrhof und Pestsäulen ermöglichen deshalb einen Blick auf die religiös geprägte Baukultur Oggaues vom späten 17. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert.
Vom Namen Zaka zur Marktgemeinde
Die erste belegte Ortsnennung lautet 1344 „villa Zaka“. Die Namensform wird auf den altungarischen Personennamen Sac zurückgeführt. Aus späteren sprachlichen Veränderungen entwickelte sich die Bezeichnung Oggau; eine ungarische Form Oka ist seit 1393 dokumentiert. Seit 1921 gehört der Ort zum Burgenland, den heutigen Status einer Marktgemeinde erhielt er 1994. Auch die nationalsozialistische Verfolgung ist Teil der lokalen Geschichte: Zwischen Oktober 1944 und April 1945 wurden ungarische Juden im Steinbruch als Zwangsarbeiter eingesetzt. Dieses Kapitel gehört neben Siedlungs-, Bau- und Weinbaugeschichte zu einer vollständigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Ortes.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
