PURGSTALL AN DER ERLAUF KENNENLERNEN
Purgstall an der Erlauf: Marktgeschichte zwischen Fluss und Handel
Purgstall an der Erlauf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Scheibbs. Zum Stichtag 1. Jänner 2026 zählte sie 5.353 Einwohnerinnen und Einwohner; ihre amtliche Fläche umfasst 55,93 Quadratkilometer. Der Ortskern liegt an der Großen Erlauf, die sich tief in Konglomeratfelsen eingeschnitten hat. Die Gemeinde führt einen historischen Rundweg, der Stationen aus Ortsgeschichte und Naturraum miteinander verbindet. (Statistik Austria, Gemeindeverzeichnis 2026; Marktgemeinde Purgstall, Geschichte und Erlaufschlucht)
Vom befestigten Markt zum Handelsort
Der Markt entwickelte sich unter dem Schutz des Schlosses. 1360 erhielt er das Marktrecht; um 1380 wurde eine Ringmauer mit fünf Wehrtürmen und zwei Toren fertiggestellt. Das Dorf Wyden am rechten Erlaufufer wurde 1390 dem Markt einverleibt. Die Pfarrkirche entstand zwischen 1420 und 1430; am 3. Mai 1430 wurde sie geweiht, und dieses Datum wurde als Markttag festgesetzt. Ein Privileg aus 1448 erlaubte den Bürgern den Proviant- und Eisenhandel. Die Widmung erlosch 1773. 1850 wurden die Markttore abgetragen. Die südliche Ringmauer folgte 1909/10; zugleich wurde der Befestigungsgraben zugeschüttet. (Marktgemeinde Purgstall, „Geschichte“, wichtige historische Daten; Wikipedia, feste Artikelversion, Geschichte)
Die Erlauf hat sich in Konglomerat eingeschnitten
Das Wasser grub sich in eiszeitlich abgelagerte Schottermassen ein, die zu Konglomerat verfestigt wurden. Seit 1972 steht die Schlucht als Naturdenkmal unter Schutz. Auf dem rund zwei Kilometer langen Fischersteig verläuft ein Abschnitt nahe am Wasser zwischen Konglomeratfelsen. Wer einen Rundweg bevorzugt, kann den 3,8 Kilometer langen Praterweg über den Pratersteg nutzen. Zwei 2005 errichtete Aussichtsplattformen erleichtern den Zugang; zugleich wurde der Steg saniert und überdacht. (Marktgemeinde Purgstall, „Naturdenkmal Erlaufschlucht – Praterweg“; Fischersteig und Aussichtsplattformen)
Handwerk und Ortsgeschichte im Ledererhaus
Das mit Sgraffito an der Fassade geschmückte Gebäude am Erlaufufer weist vom frühen 17. Jahrhundert bis 1956 eine Nutzung als Gerberei auf. Heute zeigt das Museum im Ledererhaus die Arbeitsschritte der Lederherstellung und stellt sie anhand einer Purgstaller Schusterwerkstatt in den Zusammenhang des Handwerks. Weitere Exponate behandeln den Eisen- und Proviantverkehr, Kleidung und Tracht. Zu sehen sind unter anderem ein Richtschwert, ein Bantaidingbuch und eine Wappenurkunde. Ein 1997 entdecktes Gräberfeld aus der Karolingerzeit bildet einen weiteren Schwerpunkt: Die Ausstellung umfasst einen originalgetreuen Grabaufbau sowie Schmuck fränkischer, awarischer und slawischer Herkunft, Waffen und Keramik. Auch der Garten gehört zum Museum. Der frühere Trockenraum im Obergeschoß wird für Sonderausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Das Haus steht in der Mariazeller Straße 2. (Marktgemeinde Purgstall, „Museum im Ledererhaus“)
Erinnerung an das Lager Schauboden
Im Ersten Weltkrieg entstanden ab 1915 Lagerkomplexe im Raum Purgstall, Mühling und Wieselburg. Das Lager Purgstall umfasste 46 Hektar und war für 20.000 Gefangene geplant; im Lager Schauboden wurden während des Krieges mehr als 80.000 Kriegsgefangene verschiedener Nationen untergebracht. Am Lagerfriedhof an der B25 sind 930 Soldaten bestattet. Der vier Kilometer lange „Weg des Friedens“ auf dem ehemaligen Lagergelände informiert anhand von Tafeln über das Lagerleben. Sein Ausgangspunkt liegt bei der Bahnhaltestelle Schauboden. Vom historischen Rundweg im Markt führt ein Abzweig über die Bundesstraßenbrücke in Richtung Erlaufschlucht; am linken Ufer erreicht man das frühere Lagergelände. (Marktgemeinde Purgstall, Historischer Rundweg, Station „K.u.k. Lager Schauboden“)
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
