RADENTHEIN KENNENLERNEN
Vom Bergbaudorf zur Granatstadt
Radenthein liegt im Gegendtal nordöstlich des Millstätter Sees am Fuß der Nockberge. Die Stadtgemeinde zählt 5.686 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 89,35 Quadratkilometer. Mittelalterlicher Bergbau und das Magnesitwerk des 20. Jahrhunderts prägten die Stadtentwicklung. Granatabbau gehört ebenfalls zur Ortsgeschichte.
Gegendtal und Ortsteile
Das Gemeindegebiet zieht sich von Radenthein bis zu den Siedlungen am Millstätter See und in die Nockberge. Die Stadt umfasst mehrere Ortschaften, darunter Döbriach und Kaning. Döbriach und Kaning gelten als ältere Siedlungen, deren Wurzeln rund tausend Jahre zurückreichen. Der Millstätter See liegt südwestlich, während die Millstätter Alpe mit ihren Hängen das Gelände im Norden prägt.
Von Millstatt zum Magnesitwerk
Radenthein wurde 1177 als „villam Ratehtim cum capella“, Dorf Radenthein mit Kapelle, erstmals urkundlich erwähnt. Das Gebiet gehörte zum Besitz des Klosters Millstatt, dessen Benediktinermönche bis ins 15. Jahrhundert an der Rodung mitwirkten. Im ausgehenden Mittelalter begann der Bergbau; am Standort des späteren Magnesitwerks entstand ein Hammerwerk zur Eisenverarbeitung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen Floßöfen hinzu. Schon 1860 wurde Magnesit von der Millstätter Alpe zum Ausmauern der Radentheiner Hochöfen verwendet. 1904 untersuchte man ein Vorkommen im Globatschbachtal; 1908 begann die industrielle Nutzung und die „Austro American Magnesit Company“ wurde gegründet. Zum Werk gehörten sechs Schachtöfen mit den nötigen Anlagen. Der Zuzug von Arbeitskräften verdoppelte die Einwohnerzahl zwischen 1900 und 1910. 1930 wurde Radenthein zur Marktgemeinde erhoben, 1995 zur Stadt.
Granat und Magnesit
An der Millstätter Alpe wurden Granate bis 1914 in einer Schlucht am Kaninger Bach im Lucknergraben abgebaut. Das Granatium vermittelt die Geschichte dieses Abbaus mit Museum und Schaustollen. Eine zweite Ausstellung, „Das Werk“, widmet sich dem Magnesitwerk und Steinbruch. Sie zeigt historische Arbeitsabläufe, die Entwicklung des regionalen Rohstoffbetriebs und den Einfluss des Werks als Arbeitgeber auf die Stadt. Magnesit diente als feuerfestes Material in Hochöfen; die Industrie prägte damit neben dem Granatbergbau die Arbeit in der Gegend.
Kirchen und Kaninger Mühlen
Die Pfarrkirche St. Nikolaus liegt oberhalb des Orts und wird bereits 1177 erwähnt; seit 1262 ist sie als Pfarrkirche belegt. Ihr heutiger Bau ist eine schlichte Saalkirche mit romanisch-gotischem Kern. In Kaning führt ein Mühlenwanderweg an historischen Mühlen am Bach vorbei, darunter die Neuwirtmühle, eine Stockmühle. Die Pfarrkirche St. Peter ob Radenthein wurde 1951 durch einen Brand weitgehend zerstört und in ihrer alten Form wieder aufgebaut; 1953 wurde sie erneut geweiht. Die evangelische Johanneskirche wurde 1953/54 errichtet und am 3. Oktober 1954 eingeweiht; 1997 wurde sie erweitert. Für St. Peter ob Radenthein ist eine Kirche seit 1212 belegt; 1481 wurde sie der Chronik zufolge gegen die Türken befestigt.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
