PROTTES KENNENLERNEN
Prottes: Zwischen Weingärten und Bohrtürmen
Prottes liegt im Bezirk Gänserndorf im nördlichen Marchfeld. Die Marktgemeinde zählt 1.421 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 13,74 Quadratkilometer. Alte Weinlagen und technische Zeugnisse der Erdölgewinnung erzählen hier von sehr unterschiedlichen Kapiteln des Ortes.
Ein Dorf an alten Wegen
Prottes liegt auf 160 bis 200 Metern Seehöhe. Das alte Prottes war ein Straßendorf an der Hollitzerstraße, die vom Matzner Wald nach Gänserndorf führte. Mit der Zeit kamen parallele Straßen und Quergassen hinzu. Groß-Prottes und Klein-Prottes lagen ursprünglich rund einen Kilometer auseinander. Die Marktgemeinde führt in ihrer Chronik zahlreiche frühe Namensformen an: Protlechendorf und Protlechin sind für 1115 belegt, 1236 erscheint Protleke, 1258 Protlehen.
Wein und Herrschaft
Eine Urkunde aus dem Jahr 1342 dokumentiert ein Bergrecht auf Weingärten und belegt damit Weinbau im mittelalterlichen Prottes. Im 14. Jahrhundert wurde das Gut mit der Herrschaft Matzen verbunden; die beiden Besitzungen blieben lange zusammen. 1551 verkaufte Leopold Hauser Matzen und den Marktflecken Prottes an Wilhelm von Herberstein. 1614 gingen die Güter an Hans Christoph von Fünfkirchen. Durch die Heirat Maria Theresia Althans mit Ferdinand Graf Kinsky gelangten sie 1700 an die Familie Kinsky. Die Gemeindechronik verzeichnet außerdem Schweden im Ort 1645 und einen Überfall während der zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683.
Pfarrkirche und Gemeinde
In der Gemeindechronik wird die Markterhebung in das 15. Jahrhundert datiert. 1849 wurde Matthias Haas erster konstitutioneller Bürgermeister. 1874 wurde die Straße durch den Ort ausgebaut, 1880 entstand die Freiwillige Feuerwehr. Ein eigenes Kapitel der Ortsgeschichte bildet die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt: Ihr romanisches Langhaus stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Chor ist gotisch. 1740 wurde der Bau barock umorientiert. Die verschiedenen Bauphasen machen die lange Nutzung des Sakralraums ablesbar.
Erdöl als Freilichtmuseum
Die Bohrungen nach Erdöl begannen 1948; bald darauf wurde im Raum Matzen und Prottes ein großes Erdölfeld entdeckt. 1979 richtete die Gemeinde den Erdöl-Erdgaslehrpfad als Freilichtmuseum ein; 1996 kam ein Museumsgebäude am Einstieg hinzu. Der 4,5 Kilometer lange Weg zeigt mehr als 150 Exponate. Zu sehen sind unter anderem ein Raupenschlepper „Stalinec“, der Bohrtürme zwischen Förderstellen zog, und ein 40 Tonnen schwerer Kolbenverdichter. Einige Exponate gehören zu einer weiterhin betriebenen Anlage. Das Freilichtmuseum ist laut Gemeinde ganzjährig kostenlos zugänglich; Gruppenführungen gibt es nach telefonischer Anmeldung.
Weinland und neue Energie
Mehr als drei Viertel des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt; Weingärten bedecken rund drei Prozent; neun Prozent des Gemeindegebiets sind bewaldet. Neben den Feldern und Kellervierteln steht der 2015 eröffnete Windpark Prottes/Ollersdorf. Seine zwölf Windräder verfügen zusammen über 36,6 Megawatt Leistung. Der Untergrund gehört zum Wiener Becken: Ablagerungen eines früheren Meeres und späteren Süßwassersees enthalten die Erdölvorkommen. In den Schottergruben werden Fossilien gefunden; während der Eiszeit lagerten Westwinde Löss über den älteren Schichten ab.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
