GÄNSERNDORF KENNENLERNEN
Gänserndorf: Nordbahn, Gänse und Stadtsäulen
Gänserndorf ist eine Stadtgemeinde und Bezirkshauptstadt im Marchfeld. Am 1. Jänner 2026 hatte sie 12.348 Einwohnerinnen und Einwohner; das Gemeindegebiet umfasst 30,56 Quadratkilometer. Die Stadt liegt im nördlichen Marchfeld und umfasst eine gleichnamige Katastralgemeinde.
Vom Gänsetreiberdorf zur Stadt
Am 10. Februar 1115 erscheint „Genstribindorf“ in einer Urkunde zur Weihe der Pfarrkirche von Weikendorf. Darin wurden auch die Grenzen des Pfarr- und Zehentbezirks festgelegt. Der Name wird meist als Gänsetreiberdorf gedeutet; die sumpfige Niederung am Weidenbach bot offenbar günstige Bedingungen für die Haltung größerer Gänsebestände. Die Schreibweise wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte: 1258 stand „Genstribendorf“, 1335 „Gensendorf“, 1455 „Gensterndorf auf dem Marchfeld“. Unter Maria Theresia hieß der Ort 1741 „Großgänserndorf“, später Unter-Gänserndorf im Marchfeld. 1904 wurde der heutige Name kundgemacht. Am 19. Dezember 1958 erhob der niederösterreichische Landtag Gänserndorf zur Stadt; die Stadterhebungsfeier fand im Juni 1959 statt.
Die Nordbahn als Wachstumsschub
Bis in die 1830er Jahre war Gänserndorf ein kleines Straßendorf. Mit dem Bau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn änderte sich die Lage: Am 16. April 1838 fuhr der erste Dampfzug von Floridsdorf nach Gänserndorf; anfangs verkehrten täglich zwei Züge. Die Station lag nahe am Dorf, und entlang der Zufahrt siedelten sich Gewerbetreibende und Eisenbahnbedienstete an. Die spätere Bahnstraße verbindet diese alte Dorfstruktur mit dem Bahnhof. 1848 kam eine Flügelbahn nach Marchegg hinzu, die Gänserndorf zum Eisenbahnknoten machte. Der Körner-Wochenmarkt, seit August 1853, stärkte den Handel und machte den Ort zum zentralen Markt für die Umgebung. 1901 wurde die Bezirkshauptmannschaft hier eingerichtet; das Bezirksgericht übersiedelte ebenfalls aus Matzen.
Jüdisches Leben und Erinnerung
Die ehemalige Synagoge in der Bahnstraße 60 wurde 1889 nach Plänen des Architekten Jakob Modern errichtet und bis 1938 als Gotteshaus genutzt. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde sie enteignet; jüdische Symbole wurden entfernt. Danach nutzten verschiedene Einrichtungen das Gebäude, darunter Berufsschule, Musikschule und Jugendzentrum. Die Fassade wurde in den 1960er Jahren verändert; 2018 erhielt der Bau Denkmalschutz. Der jüdische Friedhof besteht seit 1884 und umfasst rund 130 Grabstellen. Er steht ebenfalls unter Denkmalschutz und wird auf Grundlage des Washingtoner Abkommens instand gehalten. Synagoge und Friedhof erinnern an eine jüdische Gemeinde, die durch Vertreibung und Verfolgung ausgelöscht wurde; sie sind zwei räumlich getrennte Zeugnisse dieser Geschichte.
Kunst im öffentlichen Raum
Die Bezeichnung „Stadt der Säulen“ entstand 2000 bei einer Ausstellung des Künstlers Manfred Hermann Bauch. Die Objekte markieren Eingänge und Plätze, greifen aber auch lokale Geschichte auf. Das Protteser Tor wurde 1997 als erstes von fünf Stadttoren fertiggestellt. Seine Keramikoberflächen bilden geologische Schichten im Maßstab 1:1000 ab und verweisen auf die Erdölbohrungen im Schönkirchner Feld. 1999 entstanden die Säulen am Schönkirchner Tor aus geborgenen Ziegeln des 1989 gesprengten Schlots der ehemaligen Ziegelfabrik. Andere Werke stehen vor dem WIFI, an Schulen und am Friedhof; dort stammen die Lichtwächter ebenfalls aus 1999. Die verschiedenen Materialien – Keramik, Ziegel, Faserzement und Beton – machen das Kunstprojekt im Alltag der Stadt sichtbar.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Gänserndorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Historisches – Stadtgemeinde Gänserndorf
- Chronik – Stadtgemeinde Gänserndorf
- Gänserndorfer Säulen – Stadtgemeinde Gänserndorf
- Friedhofsverwaltung – Stadtgemeinde Gänserndorf
- Gedenktafel ehemalige Synagoge Gänserndorf – DERLA, Universität Graz
Stand der Angaben: 08.10.2026
