PERCHTOLDSDORF KENNENLERNEN
Perchtoldsdorf: Wehrturm, Burg und Weinberge
Die Marktgemeinde Perchtoldsdorf liegt am südlichen Stadtrand Wiens im Bezirk Mödling. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 14.904 Menschen; die Fläche beträgt 12,60 Quadratkilometer. Die Marktgemeinde besteht aus einer einzigen Katastralgemeinde.
Markt am alten Weg
Der Siedlungskern lag nach der Gemeindegeschichte bei Burg und Heldenplatz, an einem Weg am Gebirgsrand, den wohl bereits Menschen der Vor- und Frühgeschichte nutzten. Die Route führte von der Wienflussfurt über Hietzing, Lainz, Mauer und Rodaun nach Süden; auch die Römer benutzten sie. Im Zuge der ottonischen und salischen Expansion entstand dort eine Befestigungskette gegen Einfälle aus dem Osten. Perchtoldsdorf wird in einer Schenkungsnachricht im Klosterneuburger Traditionsbuch um 1140 erstmals schriftlich genannt. Der Zeuge Heinrich von Perchtoldsdorf gehörte als Ministeriale zum Umfeld der Babenberger. 1217 erwirkte Otto I. von Perchtoldsdorf die Gründung der Pfarre.
Der Wehrturm wächst über Jahrzehnte
Der freistehende Wehrturm ist knapp 60 Meter hoch und vereinte Wehr-, Glocken- und Uhrenfunktionen. Eine testamentarische Stiftung von 1451 gilt als Beleg für den Baubeginn; nach Unterbrechungen durch Kriege nahm der Rat 1518 einen Steueranschlag zur Finanzierung an. Die Jahreszahl 1521 an der Südseite markiert den Abschluss der rund siebzigjährigen Bauzeit. Das Feuer von 1683 zerstörte Hauptdach und Glockenstuhl; beim Wiederaufbau erhielten die Eckerker barocke Zwiebelhelme. Seit dem Abbruch der Festungsmauern 1791 steht der Turm frei. Die frühere Türmerstube wurde 1973 zum Ortsgeschichte-Museum, 1995 kam die archäologische Abteilung hinzu. Die Galerie liegt 33,54 Meter über dem Gehsteig; das Dach ist 17,48 Meter hoch.
Burg und Marktprivilegien
Die Burg bildete ein Glied der Befestigungsreihe am Wienerwaldrand. Um die steinerne Turmburg mit Wall, Graben und Palisade gruppierten sich zunächst hölzerne Wohnbauten. 1180 entstand der Bergfried, heute der Südturm; zwischen 1250 und 1270 folgten ein dreigeschossiger Palas, Wohntrakt und Torturm mit Zugbrücke. Herzog Albrecht II. ließ die Anlage 1340 ausbauen. Beatrix von Zollern, Witwe Albrechts III., lebte dort als Herzoginwitwe; ihr Sohn Albrecht IV. verlieh dem Markt 1400 und 1404 Jahrmarktprivilegien sowie das Recht, Richter und Rat zu wählen. Die Burg hielt der Belagerung 1529 stand, wurde 1683 jedoch zerstört und erst in den 1960er Jahren zur Kulturstätte revitalisiert.
Weinbau und Riedennamen
Schriftlich belegt ist Weinbau in Perchtoldsdorf seit 1248. Im 16. Jahrhundert war fast das gesamte kultivierbare Land mit Reben bepflanzt; Lieferungen nach Bayern, Oberösterreich und Salzburg brachten Gewinne. Zölle gegen Ende des Jahrhunderts bremsten den Fernhandel. Nach 1683 fehlten vielen Zuwanderern Kenntnisse im Weinbau, und feuchtere Ostlagen wurden wieder zu Äckern und Wiesen. Die Reblauskrise ab 1887 beschleunigte den Rückgang: Zwischen 1880 und 1912 schrumpfte die Rebfläche von 248 auf 154 Hektar. Die Gemeindeseite nennt gegenwärtig einen Anteil von rund 14 Prozent der Gemeindefläche als Weingärten. Tafeln in einzelnen Rieden nennen deren historische Namen und die dort gepflanzten Sorten; ein Lehrpfad bei Haschpl und eine Aussichtsplattform erschließen die Kulturlandschaft.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Perchtoldsdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Perchtoldsdorf: Geschichte
- Marktgemeinde Perchtoldsdorf: Der Wehrturm
- Burg Perchtoldsdorf: Geschichte
- Marktgemeinde Perchtoldsdorf: Geschichte des Weinbaus
Stand der Angaben: 09.10.2026
