WIENER NEUDORF KENNENLERNEN
Wiener Neudorf: Altes Rathaus, Klosterpark und Ziegelbrunnen
Wiener Neudorf liegt im Wiener Becken südöstlich von Mödling. Die Marktgemeinde hatte am 1. Jänner 2026 9.647 Einwohner und erstreckt sich über 6,06 Quadratkilometer. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Industriezentrum NÖ-Süd und Mitterfeld-Siedlung.
Vom Gotteshaus zum Alten Rathaus
An der Stelle des Alten Rathauses ist bereits 1441 eine Kapelle belegt; 1493 erscheint sie als „Sand Wolffang Capellen“. Der Turm trägt ein mutmaßlich gleichaltriges Fresko und eine Sonnenuhr. Bei den Einfällen von 1529 und 1683 wurde die Kirche beschädigt. Nach der Wiederherstellung kam 1703 eine weitere Sonnenuhr hinzu. 1750 erhielt der gotische Turm sechs zusätzliche Meter und erreichte 45 Meter Höhe. Weil das Gotteshaus zu klein geworden war, ließ Kardinal Migazzi 1777 bis 1780 die heutige Pfarrkirche errichten. Die alte St.-Wolfgang-Kirche wurde danach Schule, ab 1875 Wohnhaus und 1901 durch einen Großbrand zerstört. 1902 wurde der Neubau eingeweiht.
Das Areal der Schwestern vom Guten Hirten
Auf eine Anregung der Gräfin Ida Hahn-Hahn geht die Idee zurück, weibliche Strafgefangene unter die Aufsicht von Ordensfrauen zu stellen. 1853 übernahmen die Schwestern vom Guten Hirten dafür das frühere fürsterzbischöfliche Sommerschloss in Wiener Neudorf. 1856 begann der Bau der neuen Frauenstrafanstalt. Nach dem „Anschluss“ wurde das Gefängnis aufgehoben; 1940 zog eine Polizeischule ein, ab 1942 diente die Anlage als Wehrmachtsspital. Ein Bombenangriff beschädigte sie im Februar 1945 schwer. Als die sowjetischen Besatzungssoldaten 1949 abzogen, begannen die Schwestern einen Neubeginn; ein Kindergarten öffnete. Danach folgten ein Heim für 100 Sozialwaisen und eine Sonderschule; 1951 wurde eine Lehranstalt für schwer erziehbare Mädchen eingerichtet. Das frühere Freibad für Zöglinge wurde 2003 zu einem Biotop umgestaltet. Eine weitere Revitalisierung begann 2019 und war im Sommer 2020 abgeschlossen.
Die Klosterkirche und ihre Fresken
Die turmlose Klosterkirche im Areal der Schwestern vom Guten Hirten entstand 1854 und 1855 an der Hauptstraße; rund zwanzig Jahre später wurde sie erweitert. Schwester Maria Kastner, deren Familie aus der Malerei kam, schuf im späten 19. Jahrhundert Wandbilder im Stil der Nazarener. Der akademische Maler Ernst Fuchs erläuterte 2004 dem Landeshauptmann und dem Bürgermeister seine Sanierungsideen. Der Gemeindebeitrag von 2021 hielt fest, dass die inzwischen entweihte Kirche wegen baulicher Schäden versperrt war.
Ziegel und Brückenkonstruktion
Der Ziegelbrunnen am Boulevard Herzfelderhof erinnert an die Brauereigeschichte des Ortes: Seine Form greift die Fassade des früheren Brauereigebäudes auf. Für die Gestaltung wurden Ziegel im altösterreichischen Format verwendet, darunter geborgene Stücke mit den Initialen „R H“ des Brauereibesitzers Robert Herzfelder. Auch die Carl-Prenninger-Brücke erzählt von technischer Veränderung. Die Firma Anton Biro baute 1900 eine Eisenbrücke; 1980 ersetzte sie eine Fertigteilkonstruktion aus Stahlbeton. Salzstreuung und andere äußere Einflüsse schädigten im Lauf der Jahrzehnte Fahrbahn- und Gehsteigträger. 2022 sanierte die Gemeinde das Tragwerk, um die Nutzungsdauer der Brücke zu verlängern. Der neu gestaltete Boulevard erhielt zudem einen Geh- und Radweg mit zwei Brunnen und Sitzgelegenheiten.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Wiener Neudorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Wiener Neudorf: Wiener Neudorf informiert 08/2023, Altes Rathaus
- Marktgemeinde Wiener Neudorf: Wiener Neudorf informiert 08/2020, Klosterareal
- Marktgemeinde Wiener Neudorf: Wiener Neudorf informiert 10/2021, Klosterkirche
- Marktgemeinde Wiener Neudorf: Jahresrückblick 2022
Stand der Angaben: 09.10.2026
