WIENERWALD KENNENLERNEN
Wienerwald: Dörfer, Pfarren und Burg Wildegg
Die Gemeinde Wienerwald entstand 1972 durch den Zusammenschluss von Dornbach, Grub, Sittendorf und Sulz. Ihre fünf Katastralgemeinden heißen Dornbach, Grub, Sittendorf, Stangau und Sulz im Wienerwald. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 2.883 Menschen auf 48,17 Quadratkilometern.
Der Wienerwald als umkämpfter Besitz
Die Gemeindeseite schildert, wie der Wald im 19. Jahrhundert mehrfach den Besitzer wechselte. 1863 wurden Teile der Staatsdomänen Waidhofen an der Ybbs und Gaming an einen Holzhändler verkauft; der Einschlag wurde für weitere Verkäufe genutzt. Nach dem preußischen Sieg 1866 plante der Staat einen Verkauf des Wienerwaldes an den Wiener Holzhändler Moritz Hirschl. Dagegen kämpfte Josef Schöffel, später Bürgermeister von Mödling und Abgeordneter. Nach drei Jahren wurde der Kaufvertrag aufgehoben. In Sulz erinnert die nach Schöffel benannte Straße an den Konflikt um den Wald. Die Gemeindeseite hält auch eine bildhafte Karikatur fest: Sie zeigt Schöffel als Eiche, die die „Verderber des Wienerwaldes“ zermalmt.
Romanische Pfarrkirche Sittendorf
Sittendorf ist 1114 in einem Klosterneuburger Codex erstmals genannt. Die Pfarrvorstellung der Erzdiözese datiert den Grundbau der Kirche in das 11. Jahrhundert und damit vor die Gründung des Stifts Heiligenkreuz 1133. Im Eingangsbereich sind Teile der romanischen Apsis sichtbar; darüber erhebt sich ein achteckiger Turm. Nach 1683 wurde das Gotteshaus erweitert und nach Westen ausgerichtet. Zur Pfarre gehört auch die Anna-Kapelle in Dornbach. Als Pfarrpatron gilt Johannes der Täufer. Das kirchliche Jahr umfasst unter anderem Fronleichnamsumzug, Osternachtsprozession und Wallfahrt zur Cholerakapelle; die Pfarrgemeinde veranstaltet außerdem ein Fest zum Patrozinium.
Burg Wildegg und der Streit um die Kirche
Im 16. Jahrhundert waren Burg Wildegg und Pfarrkirche Sittendorf eng mit derselben Herrschaft verbunden. Als Hans Holuber beide an Achaz von Neideck verkaufte, entbrannte ein langwieriger Streit um die Kirchenrechte. 1579 sang Clara von Neideck mit ihrem lutherischen Prediger deutsche Psalmen in der Kirche; der katholische Pfarrer Jacob Stindl drang daraufhin ein und verlangte den Schlüssel. Seine Auseinandersetzung mit der Familie endete zunächst mit einer Geldstrafe für den Pfarrer. Fast fünf Jahrzehnte später wurde der Schlüssel nach mehreren kaiserlichen Kommissionen an Heiligenkreuz übergeben. 1651 erhielt das Stift sämtliche Rechte an der Kirche. Nach den Türkenkriegen erwarb Heiligenkreuz auch die beschädigte Burg; unter geistlicher Verwaltung wurde sie wiederhergestellt und ihre Arkaden erhielten die heutige Gestalt.
Die Gemeinderunde verbindet Ortslagen
Der als Rundwanderweg 8 beschriebene Weg startet und endet in Sulz. Die Tour ist 20,88 Kilometer lang, überwindet 479 Höhenmeter im Aufstieg und wird mit mittlerer Schwierigkeit angegeben. Von der Pfarrkirche Maria Namen führt sie über die Ochsenweide und die Gruberau nach Buchelbach. Danach quert die Route den östlichen Rand von Grub und erreicht über die Ausläufer des Hochecks das Dornbachtal. Am Weinberg und beim Modellflugplatz geht es zum Großen Buchkogel; der Lärbaumweg führt hinunter nach Sittendorf. Von dort steigt der Weg zur Burg Wildegg und kehrt über einen letzten Anstieg und die Sulzer Höhe nach Sulz zurück.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Wienerwald (Gemeinde) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Wienerwald: Geschichte des Wienerwaldes und Josef Schöffel
- Erzdiözese Wien: Pfarrvorstellung Sittendorf
- Katholische Jungschar ED Wien: Burg Wildegg, Geschichte
- Wienerwald Tourismus: Gemeinderunde Wienerwald
Stand der Angaben: 09.10.2026
