OBERWART KENNENLERNEN
An der Pinka: Stadt der Sprachen und Geschichten
Oberwart ist Bezirkshauptstadt und größte Stadt des Südburgenlands. Die Stadtgemeinde umfasst Oberwart und St. Martin in der Wart. Laut Gemeindeverzeichnis lebten am 1. Jänner 2026 8.130 Menschen auf 36,47 Quadratkilometern.
Aus der Grenzwächtersiedlung wird Bezirkshauptstadt
Oberwart wurde 1327 in einer Urkunde Karls I. als „Fels-Eör“ erstmals erwähnt. Der Name verweist auf eine Grenzwächtersiedlung des ungarischen Gyepűsystems. Die Wehrbauern bewachten die Grenze in Richtung der heutigen Steiermark. 1841 wurde Oberwart zur Marktgemeinde erhoben und entwickelte sich zum Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. 1864 folgte die Erhebung zum Bezirksvorort. Mit der Lokalbahn Pinkafeld–Oberwart–Steinamanger, die 1888 in Betrieb ging, erhielt die Stadt einen weiteren Impuls. Oberwarts heutige Rolle als Einkaufs-, Schul- und Messestadt ist somit auf einer langen Entwicklung vom Grenzort zum regionalen Zentrum aufgebaut.
Mehrsprachigkeit und religiöse Vielfalt
Die Stadtgeschichte ist von mehreren Volksgruppen und Konfessionen geprägt. Neben den ungarischen Wartbewohnern lebten deutsche Hienzen in der Region; im 16. Jahrhundert wurden Kroaten angesiedelt. Ein Schutzbrief des Grafen Christof Batthyány aus dem Jahr 1674, der in der reformierten Pfarre aufbewahrt wird, belegt die Anwesenheit von Roma in der Region spätestens im 17. Jahrhundert. Jüdische Familien, die zuvor in Rechnitz und Schlaining gelebt hatten, ließen sich im 19. Jahrhundert in Oberwart nieder. Diese Vielfalt zeigt sich auch im religiösen Stadtbild: katholische, evangelische und reformierte Pfarrkirchen stehen neben der Friedhofskirche.
Markt, Bahn und kommunaler Ausbau
Oberwart erhielt am 30. Juni 1972 ein Stadtwappen. Das Wappen zeigt den Grenzwächter; die Felsen mit Wachtürmen stehen für die Burgen Güssing und Bernstein als Bezugspunkte der bewachten Grenzzone. Die Stadtwerdung war schon 1939 erfolgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Rathaus und Bezirkshauptmannschaft wiederaufgebaut, die Pinka reguliert und Schulgebäude erweitert. Der Wochenmarkt kehrte 1950 zurück, nachdem er 1938 abgeschafft worden war. Er wird am Hauptplatz abgehalten und prägt bis heute den städtischen Handel. Die Gemeinde bezeichnet Oberwart als Messe- und Einkaufsstadt sowie als Schul- und Sportstadt. Die Sammlung „Momentothek“ bewahrt mehr als 5.000 Fotos, Urkunden und Zeitungsausschnitte. Damit stehen neben den historischen Erzählungen auch lokale Dokumente zur Verfügung, an denen sich Veränderungen im Stadtbild und im Alltag nachvollziehen lassen.
Erinnerungsorte und jüngere Geschichte
Die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte das jüdische Leben Oberwarts und traf die Roma besonders schwer. Laut städtischer Geschichtsdarstellung wurden jüdische Bewohnerinnen und Bewohner sowie Roma in Zwangsarbeits- oder Konzentrationslager deportiert; nur wenige der rund 300 Oberwarter Roma überlebten. Im Februar 1995 wurden die Roma Peter Sárközi, Josef Simon, Ervin und Karl Horvath durch eine Rohrbombe ermordet. Ein Mahnmal erinnert an das rassistische Attentat. Auch die Stadtgeschichte des Kriegsendes ist geprägt von Verlusten: 150 Oberwarter starben im Ersten Weltkrieg; im April 1945 erreichte die Rote Armee die Stadt. Heute erinnern Momentothek, Kirchen und Mahnmal an die Vergangenheit. Oberwart verbindet diese Erinnerungsorte mit seiner gegenwärtigen Funktion als Wirtschafts-, Bildungs- und Veranstaltungszentrum.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
