KEMETEN KENNENLERNEN
Kemeten: Grenzwächterwege und Dorfkern
Kemeten ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart. Am 1. Jänner 2026 zählte sie 1.559 Einwohner; die Gemeinde liegt auf einer Fläche von 20,67 Quadratkilometern. Die Marktgemeinde besteht aus dem gleichnamigen Ort und liegt am Beginn des Stremtales.
Ein Ort im Grenzraum
Kemeten wurde 1475 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits wenige Jahre später entstand Streit um den Verlauf des Hotters zu Oberwart und Unterwart. 1482 ließ Georg Baumkirchner nach einer Verdrängung der Kemeter Bevölkerung etwa zehn Joch Land in Richtung Oberwart roden und wieder bewirtschaften. Der Konflikt über die Grenze wurde 1496 in Eisenburg verhandelt; Richter Peter Vingarti bestätigte die Oberwarter Grenzziehung. Der Streit führte zu gegenseitigen Übergriffen: 32 Kemeter Weingärten wurden ausgehauen, Vieh von Weiden vertrieben und andernorts Tiere und Getreide geplündert.
Kontraktdorf und Landwirtschaft
Im 16. und 17. Jahrhundert wechselte das Gebiet mehrfach den Besitzer. Im 18. Jahrhundert gehörte Kemeten zu den sogenannten Kontraktdörfern. Die Bewohner erfüllten ihre Verpflichtungen gegenüber der Herrschaft auf Grundlage von Verträgen; als landwirtschaftlich geprägter Ort leistete Kemeten Abgaben in Form von Erzeugnissen. Zwischen 1999 und 2010 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 68 auf 43. Im Jahr 2010 waren vier davon Haupterwerbsbetriebe. Der Name wird mit dem ungarischen „komjat“ erklärt, das ein herrschaftliches Haus mit Rauchfang bezeichnet.
Dorfkern zwischen zwei Kirchen
Der Ortskern gruppiert sich um einen großen, rund angelegten Garten mit Biotop und Kinderspielplatz. Dorfbrunnen und Friedensdenkmal liegen darin; katholische und evangelische Kirche sowie Gemeindezentrum fassen den Bereich ein. Die katholische Pfarrkirche ist dem heiligen Nikolaus geweiht, das evangelische Gotteshaus wird als Bethaus bezeichnet. Das Friedenskreuz steht als eigenes Denkmal im Gemeindegebiet. Am Nordrand entstand zwischen 2001 und 2005 ein Betriebsgebiet. Die Zahl der Produktionsbetriebe stieg von neun im Jahr 2001 auf 17 im Jahr 2011; die dort Beschäftigten nahmen von 36 auf 87 zu. 1962 wurde die neue Volksschule im Rohbau fertig. Eine 18 Kilometer lange Hauptleitung sollte die langjährige Wassernot beheben; Ortsstraßen wurden staubfrei ausgebaut. Das Gemeindezentrum wurde 1983/84 errichtet.
Rundwege und Erinnerungsorte
Der Grenzwächter-Rundwanderweg wurde zum Jubiläum „100 Jahre Burgenland“ gemeinschaftlich von Kemeten, Wolfau und Litzelsdorf sowie Naturfreunden, Bundesdenkmalamt und Landesmuseum Burgenland entwickelt. Im Gemeindegebiet zählen außerdem die Hubertuskapelle der Jägerschaft, die Saubergkapelle und eine Wanderhütte der Naturfreunde zu den genannten Orten. Die „Weidl“ bietet einen Blick über Kemeten und in das Burggrabental. Ein Mariazellerkreuz liegt an der Route der Fußwallfahrer. Im Zweiten Weltkrieg lebten rund 213 Roma in Kemeten. Sie wurden deportiert; 1945 kehrten fünf zurück. Eine Opferstatistik von 1952 verzeichnet 208 Menschen, die nicht zurückkehrten. Im Juli 2025 feierte die Gemeinde das 550-jährige Jubiläum ihrer ersten urkundlichen Erwähnung und startete eine neue Ortschronik. Der Rundweg ist rund 35 Kilometer lang und führt zu 17 Hotspots; einer davon ist die 300-jährige Eiche bei Kemeten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
