PINKAFELD KENNENLERNEN
Eine Stadt mit langer Markttradition
Pinkafeld liegt an der Pinka am nordwestlichen Rand des Südburgenlands. Die Stadtgemeinde umfasst Pinkafeld und Hochart; am 1. Jänner 2026 zählte sie 5.881 Einwohner auf 27,43 Quadratkilometern.
Von „ad Peinicahu“ zur Marktstadt
Die erste namentliche Nennung Pinkafelds steht in einer Urkunde vom 20. November 860. König Ludwig der Deutsche übergab darin das Gut „ad Peinicahu“ dem Erzbischof von Salzburg. Siedlungsspuren reichen von der Jungsteinzeit über Bronze- und Hallstattzeit bis in die Römerzeit. Auf dem Lamplfeld südlich der Stadt untersuchte das Burgenländische Landesmuseum 2002 und 2003 eine keltische Eisenverhüttungsanlage, die später auch von Römern genutzt wurde. Zu den Funden zählen Reste von Schmelzöfen und Schlacke sowie das Fundament einer jungsteinzeitlichen Hütte. Ein Tonlöffel wird auf rund 6.000 Jahre datiert. Die frühe Erwähnung von 860 ist somit ein Beleg in einer schriftlichen Quelle; archäologische Funde erzählen von noch älteren menschlichen Aktivitäten im Raum.
Gerichtsbarkeit und städtische Rechte
Pinkafeld erhielt 1397 von Nikolaus von Kanizsay Marktrecht, Mautrecht und hohe wie niedere Gerichtsbarkeit. Mit den Privilegien waren freie Richterwahl und Befreiungen von Abgaben und Robot verbunden. Urkunden, Siegel und Gegenstände der Rechtspflege dokumentieren diesen Status im Stadtmuseum. Dazu gehören ein Schwurkreuz sowie Hand- und Fußfesseln. Ein besonders spektakuläres Kapitel bildet der Räuberhauptmann Holzknechtseppl, bürgerlich Nikolaus Schmiedhofer. Seine Bande soll zwischen 1822 und 1827 im Grenzgebiet operiert haben; Schmiedhofer wurde 1828 in Pinkafeld hingerichtet. Nach seiner Rolle als Verwaltungsmittelpunkt der Herrschaft Bernstein und den Marktprivilegien ist die Stadt über Jahrhunderte gewachsen. Der Museumsschwerpunkt beschränkt sich daher nicht auf archäologische Funde, sondern zeigt auch den Wandel von Gerichtsbarkeit, Handel und kommunaler Selbstverwaltung.
Ein Haus, fünf Sammlungen
Das Pinkafelder Heimathaus wurde 1924 von Josef Karl Homma begründet und bildet den ältesten Teil des heutigen Stadtmuseums. Unter einem Dach versammelt der Museumsverein Stadtmuseum, Feuerwehrmuseum, Tuchmachermuseum, Garnisonsraum und Kirchenraum. Die Feuerwehrsammlung schildert die Entwicklung der 1871 gegründeten ältesten Feuerwehr des Burgenlands. Das Tuchmachermuseum zeichnet den Übergang vom Handwerk zur Genossenschaft und weiter zur Textilindustrie nach. Im Stadtmuseum sind Fossilien aus der Region und Fundstücke von der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit zu sehen. Auch eine Bronzelampe in Form eines umgedrehten Schafskopfes und ein römischer Grabstein gehören zum Bestand. Die Mischung aus Archäologie, Gewerbe- und Vereinsgeschichte macht das Museum zu einer kompakten Einführung in unterschiedliche Seiten der Stadt, statt nur einzelne historische Epochen nebeneinanderzustellen.
Zwei Ortsteile und viele Wege
Pinkafeld und Hochart sind die beiden Ortschaften und Katastralgemeinden der Stadtgemeinde. Die Pinka gab der Stadt ihren Namen; sie fließt über das Pinkatal nach Süden. Der Wald bedeckt mehr als die Hälfte der Gemeindefläche, landwirtschaftlich genutzt werden rund 31 Prozent. Der historische Verkehrsraum hat sich mehrfach verändert: Die Bahnlinie Pinkafeld–Friedberg wurde 1925 eröffnet, später aber für den Personenverkehr eingestellt. Die Stadt liegt außerdem an der Südautobahn A2 und an der Steinamangerer Straße B63. Überregional bekannt ist Pinkafeld heute auch durch Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Das Stadtbild verbindet daher eine alte Markt- und Gerichtstradition mit Verkehrsachsen und einem modernen Hochschulstandort. Bei einem Rundgang lässt sich die lange Zeitschichtung gut ablesen: vom ältesten Haus der Stadt über die Kirchen bis zu den jüngeren Bildungsbauten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
