BAD TATZMANNSDORF KENNENLERNEN
Bad Tatzmannsdorf: Quellen, Kurgeschichte und Dorfleben
Bad Tatzmannsdorf liegt im Bezirk Oberwart und zählt 1.658 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Die Gemeinde liegt auf einer Fläche von 11,62 Quadratkilometern. Zu ihrem Gebiet gehören Bad Tatzmannsdorf, Jormannsdorf und Sulzriegel; gemeinsam bilden sie einen Ort, dessen Geschichte sich an Quellen, Kirchen und bäuerlichen Bauten ablesen lässt.
Vom Sauerbrunnen zum Heilbad
Die Ortschronik setzt die Geschichte Tatzmannsdorfs um 1350 an: Damals war es eine Grenzwächtersiedlung der Oberen Wart und im Besitz einer Familie, die sich nach dem Ort „de Tarcsa“ nannte. Eine vielzitierte Regensburger Chronik von 1620 enthält Johannes Mühlbergers Predigt über den Sauerbrunnen; Mühlberger hielt sie während eines Kuraufenthalts im Schloss Jormannsdorf. Das Dokument belegt die frühe Bekanntheit der Quelle, während der organisierte Badebetrieb erst später folgte. 1650 entstand das erste Badhaus direkt im Quellgebiet, und für die Betreuung der Badenden wurde ein Arzt angestellt. Damit verlagerte sich der Kurbetrieb aus Jormannsdorf nach Tatzmannsdorf.
Drei Orte, eigene Zeitspuren
Jormannsdorf wird 1388 in einer Urkunde zur Übernahme der Herrschaft Bernstein durch die Kanizsai erstmals genannt. Sulzriegel erscheint 1641 unter dem Namen Waldegg. Die Rodungssiedlung an der südlichen Ecke der Herrschaft Bernstein wurde laut Ortschronik von Knappen aus dem nahen Neustifter Bergwerk bewohnt. Die drei Gemeinden wurden 1971 zusammengelegt. Auch ihre sakralen Gebäude erzählen unterschiedliche Geschichten: In Sulzriegel ersetzte 1912/13 ein Glockenhaus den hölzernen Glockenturm aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; das neue Gebäude beherbergte zugleich eine Gemeindestube. In Jormannsdorf steht eine Filialkirche, die der heiligen Anna geweiht ist.
Kurleben zwischen Adel und Bahnanschluss
1796 ließ Graf Anton Batthyány nach Plänen Rudolf Witschs den „Tempel der Genesung“ als Brunnengebäude über der Hauptquelle errichten. Die Badeanlagen wurden später unter Franz Batthyány erweitert und nach seiner Frau Karoline sowie den Kindern benannt. 1889 erschloss man Moorvorkommen bei Unterschützen für Moorbäder. Der Anschluss an die Lokalbahn Oberwart–Oberschützen folgte 1903; die Station machte den Kurort mit der Eisenbahn erreichbar. Im Ersten Weltkrieg diente das Heilbad als Lazarett. 1919 verkaufte Graf Gábor Batthyány die Anlagen an eine jüdische Finanzgruppe, die eine Aktiengesellschaft zum Betrieb gründete. Heute dokumentiert das Kurmuseum die Orts- und Kurentwicklung anhand von Bildern und Gegenständen; ein eigener Raum ist der Dorfgeschichte gewidmet.
Baukultur vom Dorfhaus bis zur Kirche
Das Freilichtmuseum bewahrt 21 Gebäude, die zwischen dem späten 18. Jahrhundert und dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Sie wurden aus südburgenländischen Orten hierher versetzt, als veränderte Wirtschaftsweisen und neue Bautechnik ihre ursprüngliche Nutzung verdrängten. Strohgedeckte Holzbauten und ihre Ausstattung mit Hausrat und Arbeitsgeräten zeigen Wohn- und Arbeitsformen früherer Generationen. Auch die Kirchenbauten markieren jüngere Bauphasen: Die katholische Pfarrkirche des heiligen Johannes des Täufers entstand 1967/68 neben dem Standort der älteren Kirche von 1896. Die evangelische Friedenskirche wurde 1968 nach Plänen von Charlotte und Karl Pfeiler errichtet. Der Bahntrassen-Radweg nutzt seit 2022 die Trasse der Pinkatalbahn und führt auf 42 Kilometern zwischen Oberschützen und Rechnitz durch die Gemeinde.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
