RECHNITZ KENNENLERNEN
Weinberge am Fuß des Geschriebensteins
Rechnitz ist eine Marktgemeinde am Südhang des Günser Gebirges und am Fuß des 884 Meter hohen Geschriebensteins. Zum Jahresbeginn 2026 zählte die Gemeinde 3.014 Einwohner auf 43,77 Quadratkilometern.
Wald, Weingärten und Marillen
Am Südhang des Günser Gebirges wechseln sich Wälder, Weingärten, Obstgärten und die Felder des pannonischen Tieflands ab. Das Gebirge wird auch Rechnitzer Schiefergebirge oder Rechnitzer Fenster genannt. Die Gemeinde liegt unmittelbar an der ungarischen Grenze; seit 1991 besteht ein Grenzübergang nach Bozsok. Die Landwirtschaft nutzt das sonnige, milde Klima für Ackerbau, Forstwirtschaft, Wein und Obst. Besonders bekannt ist Rechnitz für Marillen. Die Naturparkbroschüre nennt Sorten wie „Ungarische Beste“, „Aurora“ und „Bergeron“ und beschreibt die Marillenblüte als Auftakt der Wandersaison. Rund um den Geschriebenstein verbindet der Naturpark Gebirgs- und Flachlandschaften, Eichen- und Hainbuchenwälder, Trockenrasen, Weingärten und Obstkulturen. Auf österreichischer Seite wurde er 1996 gegründet; später kam das ungarische Gebiet hinzu.
Spuren von der Jungsteinzeit bis zum Markt
Archäologische Funde belegen eine lange Besiedlungsgeschichte. Aus der Jungsteinzeit sind Hausbefunde der Linearbandkeramik und drei Kreisgrabenanlagen der Lengyel-Kultur bekannt. Die Ebene südlich des Geschriebensteins war bereits um 500 vor Christus besiedelt; später bezeugen Funde eine römische Präsenz, darunter ein Abschnitt einer Wasserleitung, die Savaria mit Quellwasser versorgte. Eine slawische Siedlung aus dem späten 6. Jahrhundert trug den Namen Orechovca, sinngemäß „Nusshain“. Die erste urkundliche Erwähnung Rechnitz’ stammt aus 1260, das Marktrecht wurde 1348 verliehen. Die Jahrhunderte danach waren durch das Schloss und die Herrschaft geprägt. Das Schloss wurde im März 1945 bei Kriegshandlungen zerstört; erhalten blieben Terrassenmauern und ein Brunnen. Die Pfarrkirchen und der Schüttkasten erinnern an weitere religiöse und wirtschaftliche Kapitel.
Wege, Warte und Trockenrasen
Der Naturpark ist über ein markiertes Netz von rund 500 Kilometern Wander- und Radwegen erschlossen. Auf dem Geschriebenstein verläuft die Staatsgrenze durch die Aussichtswarte. Im größeren Naturparkgebiet liegt außerhalb Rechnitz bei Lockenhaus außerdem die Margarethenwarte, eine 31 Meter hohe Holzkonstruktion mit weitem Blick über Wechsel, Bucklige Welt, Rax, Schneeberg und bis zum Neusiedler See. Am Galgenberg befindet sich der größte Trockenrasen des Südburgenlands. Dort wächst die geschützte Gemeine Kuhschelle. Lehrpfade zu Wein, Steinen und Jagd erweitern das Naturangebot; die Broschüre des Naturparks weist außerdem auf den barrierefreien Holzturm der Wald- und Vogelwelt in Althodis, einem Ortsteil von Markt Neuhodis, hin.
Kirchen, Grenzgedächtnis und Handwerk
Rechnitz besitzt eine katholische Pfarrkirche zur heiligen Katharina und eine evangelische Pfarrkirche. Der Kreuzstadl ist ein zentraler Erinnerungsort: Dort wurden ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter am 24. und 25. März 1945 ermordet. Ein Mahnmal hält die Erinnerung an das Massaker wach. Zum historischen Ortsbild gehören außerdem die Ruine des Öden Schlosses und der Schüttkasten. Ein kleines Museum im Gemeindeamt bewahrt Werkzeuge und Einrichtungen des Handwerks, darunter eine Stiefelmacherwerkstätte, Walkmaschinen und einen Marktstand. Rechnitz war so nicht nur Grenzort und Marktplatz, sondern auch ein Standort lokaler Gewerbe. Die vier Namensformen – Rechnitz, Rohonc, Rohunac und Rochonca – verweisen auf die mehrsprachige Geschichte der Wart. Sie gehören zu einer vielschichtigen Ortsgeschichte, die heute durch Naturpark, Pfarrkirchen und Gedenkorte sichtbar wird.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
