OBER-GRAFENDORF KENNENLERNEN
Ober-Grafendorf: Markt, Schloss und Bahn
Ober-Grafendorf liegt im Pielachtal im Bezirk St. Pölten-Land. Die Marktgemeinde zählt 4.972 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 24,59 Quadratkilometer. Das Gemeindegebiet besteht aus 17 Katastralgemeinden. Der Ort entwickelte sich an alten Verkehrswegen und wurde im 17. Jahrhundert zum Markt erhoben. Schloss Fridau, die Pfarrkirche und die Mariazellerbahn markieren unterschiedliche Kapitel seiner Geschichte. Die Bahn brachte Ober-Grafendorf Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Rolle als Umsteigepunkt im Pielachtal.
Vom Dorf zum Markt
Die Gemeinde nennt 1043 als frühen Bezugspunkt: Kaiser Heinrich III. schenkte Markgraf Adalbert das Gut Bribesendorf im Pielachgau. 1122 erscheint „Gravendorf“ in einem Codex des Klosters Garsten. Das Gebiet lag an Wegen, die das Pielachtal mit der Donau und St. Pölten mit Mank verbanden. Die Herrschaft Fridau bestimmte den Ort zwischen 1652 und 1848. 1656 wurde Ober-Grafendorf zum Markt. 1848 wählten die Bürger Josef Sighart zum ersten Bürgermeister. Die Gemeinde erhielt 1959 ein Marktwappen; seit 1972 wird der Name mit Bindestrich als Ober-Grafendorf geführt. Die 17 Katastralgemeinden spiegeln wider, dass zur heutigen Marktgemeinde mehrere Dörfer und Siedlungen gehören.
Schloss Fridau und seine Funktionen
Schloss Fridau ist erstmals 1299 urkundlich erwähnt. Der Komplex umfasst Alt- und Neuschloss, Kanzleigebäude und Gartenpavillon. 1753 wurde das Neuschloss unter Maria Theresia im Rokokostil errichtet; im Prunksaal befindet sich ein Deckengemälde von Daniel Gran. Während der Belagerung Wiens 1683 suchten Bewohner des Marktes im Schloss Schutz. Um 1750 wurde in Schloss und Nebengebäuden eine Stoffmanufaktur eingerichtet. Später diente die Anlage im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und nach Kriegsende als Kommandantur der sowjetischen Besatzung. Das Land Niederösterreich erwarb das Gebäude 1975; inzwischen befindet es sich in Privatbesitz. Schloss Fridau liegt in der gleichnamigen Katastralgemeinde und ist daher vom Ortskern Ober-Grafendorf zu unterscheiden.
Pfarrkirche und Prangerfigur
Die Pfarrkirche hat einen gotischen Ursprung; die Gemeinde datiert ihren Bau auf etwa 1225. Der Turm wurde 1545 fertiggestellt und 1756 erhöht. An der Südseite ist ein römischer Stein eingemauert, der an einen im Krieg gegen die Parther gefallenen Soldaten erinnert. In der Ortsmitte steht die Figur des sogenannten Pranger-Hansl, die einst den Pranger zierte. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und verweist auf die frühere Gerichtsbarkeit. Die Pfarrkirche blieb beim Brand und der Plünderung von 1683 stehen, obwohl sie zeitweilig als Pferdestall genutzt wurde.
Die Bahn im Pielachtal
1898 wurde die Pielachtalbahn eröffnet; damals begann in Ober-Grafendorf auch die Strecke nach Mank, die als „Krumpe“ bekannt war. Dadurch wurde der Ort zum kleinen Bahnknoten. Heute liegt hier ein Bahnhof der Mariazellerbahn, die das Pielachtal mit St. Pölten verbindet. Die Bahn ist neben dem Schloss ein prägendes historisches Element der Gemeinde. Ober-Grafendorf ist außerdem an die Pielachtal Straße B 39 angebunden; im Ort zweigt die Manker Straße B 29 ab.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
