MARIA ENZERSDORF KENNENLERNEN
Maria Enzersdorf: Vom Weinort zur Gartenstadt
Maria Enzersdorf liegt am Fuß des Wienerwalds und zählt 8.910 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 5,27 km². Aus einem Weinbauort mit mittelalterlichem Ortskern wurden im Lauf der Jahrhunderte ein Wallfahrtsziel, ein Standort geistlicher Einrichtungen und mit der Südstadt eine moderne Gartenstadt.
Engelschalkesdorf am Weinweg
Die Gemeindechronik setzt die ältesten Funde auf das Gebiet des Hirschkogels und den südlichen Kalenderberg: Sie reichen bis in die Bronzezeit. Um 1130 erscheint der Ort als „Engelschalkesdorf“ in einem Traditionsbuch des Stifts Klosterneuburg. Der älteste Dorfkern wird in der Mariazellergasse vermutet, wo auch der Brunnen lag. Um 1165 entstand an der Burg Liechtenstein die romanische Pankratiuskapelle; im 13. Jahrhundert erhielt die Anlage weitere Befestigungen. 1395 setzte sich aus dem langen Ortsnamen die Form Enzersdorf durch.
Kloster und Wallfahrt
Johannes von Capistran gründete 1454 das Franziskanerkloster. Osmanische Truppen verwüsteten Dorf, Weingärten und Burg 1529. Nach der Wiederherstellung mussten die Franziskaner den Konvent 1533 infolge der Reformation aufgeben; 1632 kehrten sie zurück. Eine 1730 in der Klosterkirche aufgestellte Gnadenstatue „Maria Heil der Kranken“ zog Wallfahrer an, nachdem Enzersdorf zuvor Station auf der Via Sacra nach Mariazell gewesen war. 1784 wurde der Ort zur Pfarre erhoben und erhielt einen Friedhof, der mit den Gräbern von Clemens Maria Hofbauer und Zacharias Werner als Romantikerfriedhof bekannt wurde.
Burg und Landschaftsbauten
Fürst Johann I. erwarb 1807 Burg und Herrschaft Liechtenstein. Auf den damals kahlen Hängen ließ er Föhren pflanzen und romantische Bauten wie Amphitheater, Schwarzen Turm und Rauchkogel errichten. Josef Kornhäusl entwarf das klassizistische Schloss Liechtenstein, das 1821 vollendet wurde. Ab 1873 ließ Fürst Johann II. die mittelalterliche Burg historistisch wiederherstellen. 1900 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Restaurierung orientierte sich an historischen Formen, ohne die mittelalterliche Anlage exakt zu rekonstruieren.
Bahn, Missionshaus und Reblaus
1842 fuhr der erste Zug der Wien-Raaber Bahn durch den Ort. 1885 wurde die Dampftramway bis Mödling verlängert. Ein zweites geistliches Zentrum entstand 1889 mit dem Missionshaus St. Gabriel der Steyler Missionare; im selben Jahr erhielt Maria Enzersdorf ein Postamt. Die Reblaus vernichtete 1890 einen großen Teil der Weinkulturen. Viele Weingärten wurden danach zu Bauland, und der Zuzug aus Wien nahm zu. 1921 gründete Pater Maruszyk in St. Gabriel den Chor der Sängerknaben vom Wienerwald; im selben Jahr wurde die Tramway elektrifiziert.
Eigenständigkeit und Südstadt
1938 verlor Maria Enzersdorf seine kommunale Selbstständigkeit und wurde Teil des 24. Wiener Gemeindebezirks. 1954 erhielt der Ort sie zurück; 1955 wurde er zur Marktgemeinde erhoben. Ab 1961 entstand die als Gartenstadt geplante Südstadt, und die Energieversorger Niogas und Newag verlegten ihre Hauptverwaltungen dorthin. Die Südstadtkirche wurde 1969/70 nach Plänen von B. Lintl und A. Pointner errichtet und 1993 Pfarrkirche der neuen Pfarre Maria Enzersdorf-Südstadt. Mit der Zusammenlegung der Pfarren am 1. September 2014 wurde sie Pfarrkirche der Pfarre Maria Enzersdorf zum Heiligen Geist.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Maria Enzersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Ortsgeschichte 2200 v. Chr. bis 1395
- Ortsgeschichte 1454 bis 1784
- Ortsgeschichte 1807 bis 1945
- Ortsgeschichte 1954 bis 1999
- Burg Liechtenstein
- Pfarre Maria Enzersdorf zum Heiligen Geist
Stand der Angaben: 09.10.2026
