MÖDLING KENNENLERNEN
Mödling: Stadtgeschichte am Wienerwaldrand
Mödling liegt am Übergang vom Wienerwald ins Wiener Becken. Die Stadt zählt 20.662 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 10,05 km². Archäologische Funde, mittelalterliche Sakralbauten und technische Anlagen erzählen von einer Siedlung, die früh an Bach und Verkehrswegen lag.
Von frühen Funden zur Urkunde
Eine jungsteinzeitliche Doppelbestattung aus der Flur „In den Leinerinnen“ belegt Besiedlung im vierten vorchristlichen Jahrtausend. Bronzezeitliche und hallstattzeitliche Funde verweisen auf die Hügel von Jennyberg und Kalenderberg. Sieben Langobardengräber nahe der Weißes-Kreuz-Gasse enthielten Waffen und Schmuck. Vom awarenzeitlichen Friedhof „An der Goldenen Stiege“ wurden zwischen 1968 und 1975 rund 500 Körpergräber geborgen. Die erste schriftliche Nennung datiert vom 8. September 903: „Medilihha“ erscheint in einer Passauer Urkunde über einen Gütertausch.
Babenberger, Markt und Kirchen
Mödling wurde 1113 als Pfarre des Stifts Melk genannt. Im 12. Jahrhundert saß hier eine Nebenlinie der Babenberger; Heinrich von Mödling erhielt 1177 die Herrschaft. Der romanische Karner neben St. Othmar reicht wahrscheinlich in die Zeit nach 1182 zurück. 1343 erhielt der Ort Gewerbe- und Marktrechte; eine Schranne als Markthaus ist mit der Marktgeschichte verbunden. Die heutige gotische St.-Othmar-Kirche entstand ab 1454 auf dem Platz mehrerer Vorgängerbauten.
Wasser für die wachsende Stadt
Eine hölzerne Leitung vom Rörprun zum Markt ist 1610 erstmals aufgezeichnet. Die Osmanen zerstörten sie 1683; 1695 wurde sie wiederhergestellt. 1864 ersetzte eine gusseiserne Kronprinz-Rudolf-Leitung das ältere System und speiste acht Auslaufbrunnen. Als Quellen am Anninger und im Stadtgebiet nicht ausreichten, suchte die Gemeinde weiter südöstlich. 1903 beschloss der Gemeinderat eine Brunnenanlage in Moosbrunn und eine 17,5 Kilometer lange Leitung nach Mödling. Die Druckrohre führten in zwei Hochbehälter am Beginn des Prießnitztals.
Beethoven und die Sommergäste
Ein gesicherter Aufenthalt Beethovens im Hafnerhaus an der Hauptstraße ist für 1819 belegt. Weitere Sommer verbrachte er in Mödling; in dieser Zeit arbeitete er an der Hammerklaviersonate, den Diabelli-Variationen und der Missa solemnis. Beethoven schätzte die romantische, abwechslungsreiche Landschaft rund um Mödling. Das Hafnerhaus ist heute eine Gedenkstätte, die nach Voranmeldung besucht werden kann. Mödling entwickelte sich im 19. Jahrhundert außerdem zum Kurort: Die Südbahnverbindung wurde 1841 eröffnet. 1883 fuhr die elektrische Lokalbahn zunächst bis Klausen; 1885 erreichte sie die Hinterbrühl und blieb bis 1932 in Betrieb.
Stadtbad und Stadtwerdung
Josef Schöffel war von 1873 bis 1882 Bürgermeister und setzte sich für den Schutz des Wienerwalds ein. Unter seiner Amtszeit wurde Mödling 1875 zur Stadt erhoben; Straßenpflasterung, Gasbeleuchtung, Krankenhaus und Postamt gehörten zu den Ausbauvorhaben. 1927 beschloss die Gemeinde den Bau eines Stadtbads, nachdem ältere Badeeinrichtungen geschlossen worden waren. Trotz Bauproblemen öffnete das Sommerbad am 30. Juni 1928, das Hallenbad folgte im Oktober. Architekt Hermann Tamussino entwarf die Anlage; 1999 wurde sie durch Adolf Straitz revitalisiert.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Mödling – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Abriss zur Geschichte der Stadt Mödling
- Die Geschichte des Wasserwerks
- Geschichte des Bauhaus-Juwels Stadtbad
- Beethoven-Gedenkstätte
- St. Othmarkirche in Mödling
- Römerzeit – Stadtgemeinde Mödling
- Mittelalter – Museum Mödling
- Hinterbrühler Geschichte
Stand der Angaben: 09.10.2026
