LITZELSDORF KENNENLERNEN
Litzelsdorf: Marktort an der Strem
Litzelsdorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart mit 1.137 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026). Die Gemeinde liegt auf einer Fläche von 13,88 Quadratkilometern. Der Ort liegt im oberen Stremtal an der Grenze zum Bezirk Güssing; die Strem durchfließt das Gemeindegebiet von Norden nach Süden.
Von Steinwerkzeugen bis zum Römergrab
Steinwerkzeuge und Tonscherben belegen eine Besiedlung der Gegend in der Jungsteinzeit; die Gemeindechronik datiert sie auf 5000 bis 2800 vor Christus. Aus römischer Zeit stammen erhaltene Grabhügel. Ein römischer Grabstein ist im Eingangsbereich des Rathauses ausgestellt. Im Ried Winkel-Burgstall liegt eine Ringwallanlage, die als Fluchtburg gedeutet wird. Bei Ausgrabungen im Jahr 2015 kamen dort römische Artefakte, darunter Fibeln, ans Licht.
Ludus wird Marktgemeinde
Eine Urkunde des Eisenburger Kapitels nennt Litzelsdorf 1333 erstmals als „Ludus“. Damals war es laut Gemeindechronik eine kleine bäuerliche Grenzwächtersiedlung in der Herrschaft Rotenturm. Seit 1676 besitzt der Ort Marktrecht. Der Ortsname Lődös wurde während der Magyarisierung ab 1898 amtlich verwendet. In der Ortsumgebung liegen weitere historische Flurnamen wie Stadtgraben, Burgstallanger, Gerichtsriegel und Marktbach. Im 15. Jahrhundert stritt man über Landesgrenzen zwischen der Steiermark und dem Gebiet an der Strem. In den Jahren 1905 und 1906 sowie nach dem Ersten Weltkrieg wanderten viele Bewohner nach Amerika aus. Im Zweiten Weltkrieg verzeichnete die Gemeinde 180 Gefallene und Vermisste.
Pfarrkirche auf der Anhöhe
Die katholische Pfarrkirche ist dem heiligen Leonhard geweiht und liegt weithin sichtbar auf einer Anhöhe. Die spätbarocke Kirche stammt aus dem Jahr 1823. Ihr Hochaltar trägt ein Ölbild des heiligen Leonhard aus dem späten 18. Jahrhundert; die Bilder der 14 Kreuzwegstationen stammen ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert. Die Patriziuskapelle wurde 1757 erstmals erwähnt und später als öffentliche Kapelle genannt. Sie wurde 1994 generalsaniert und trockengelegt. Eine Dreifaltigkeitssäule, die auch Pestsäule genannt wird, ist ebenfalls für 1757 belegt; vermutlich entstand sie früher als die Kapelle. 2018 wurden beide nach Vorgaben des Landesdenkmalamts renoviert. Das 1983 verliehene Gemeindewappen zeigt ein goldenes Strahlendreieck für die Heilige Dreifaltigkeit, einen halben Zahnradkranz und drei Ähren. Die Gemeinde deutet Zahnrad und Getreide als Symbole für Gewerbe und Landwirtschaft.
Grenzwächter-Rundwanderweg
Der Grenzwächter-Rundwanderweg entstand zum Jubiläum „100 Jahre Burgenland“ in Zusammenarbeit der Naturfreunde Litzelsdorf mit Kemeten und Wolfau, dem Bundesdenkmalamt und dem Landesmuseum Burgenland. Die B57 ist eine wichtige überörtliche Straßenverbindung. Im Gewerbe- und Dienstleistungsbereich arbeiten rund 130 Menschen aus Litzelsdorf und Umgebung. Der Rundweg verbindet das Strem- und Lafnitztal auf einer Strecke von rund 35 Kilometern. Seine Stationen behandeln Natur, Archäologie und die Grenzgeschichte der drei Gemeinden. Im Kulturstadl treffen sich örtliche Vereine; das erhaltene Gebäude und sein überdachtes Freigelände werden für Feste und Veranstaltungen genutzt. Der Einstieg liegt am Ortsrand von Litzelsdorf. Der Rundweg ist mit 17 Hotspots markiert; QR-Codes an den Tafeln erschließen die Stationen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
