MARKGRAFNEUSIEDL KENNENLERNEN
Markgrafneusiedl: Wehrkirche, Wagram und Archäologie
Markgrafneusiedl ist eine Gemeinde im Bezirk Gänserndorf. Auf 19,82 Quadratkilometern lebten am 1. Jänner 2026 insgesamt 933 Menschen. Das Marchfelddorf liegt am Kleinen Wagram; der Rußbach bildet einen Teil seiner südöstlichen Gemeindegrenze.
Am Rand des Marchfelds
Die Geländestufe des Wagrams hebt sich vom flachen Marchfeld ab und prägt die Lage der Ortschaft. Das Gemeindegebiet umfasst nur eine Katastralgemeinde. Mehr als die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, rund acht Prozent sind bewaldet. In einer Klosterneuburger Aufzeichnung aus den Jahren 1120 bis 1129 erscheint der Ort als „novellum sartum marchionis“. Der lateinische Name bezeichnet eine neue Rodung des Markgrafen. 1820 erhielt Markgrafneusiedl das Marktrecht durch Kaiser Franz I.
St. Martin: Wehrbau, Mühle und Ruine
Die Ruine auf dem Kleinen Wagram entstand laut Gemeinde zwischen 1220 und 1240 als Wehrturm beziehungsweise kirchlicher Wehrbau. Die dem heiligen Martin geweihte Kirche wurde 1574 als Wallfahrtsort bezeichnet; 1683 war sie bereits als Ruine belegt. Sie gehörte zum Verteidigungsring der Ostmark. 1817 wurde der Rest des Bauwerks zur Windmühle umgebaut; dafür erhielt der verbliebene Ostturm einen runden Aufbau. Ein Brand in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 1862 zerstörte die Mühle, die Hauptmauern blieben stehen. Bei der Schlacht bei Wagram 1809 spielte die Wehrkirche eine militärische Rolle: Erzherzog Karl nutzte sie als Kommandoposten, ehe französische Truppen den österreichischen Flügel umgingen. Seit 2021 gehört die Ruine der Gemeinde.
Pfarrkirche und alte Hofanlagen
Neben der Ruine steht die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Die Pfarre besteht nach Angaben der Erzdiözese seit dem 12. Jahrhundert; das Patrozinium wird am 15. August gefeiert. Ihr Sprengel reicht über die Gemeinde hinaus: Zu ihm gehören auch die Filialkirche in Glinzendorf und eine Kapelle in Großhofen. Mitten im Ort liegt der Dominikanerhof, dessen Hofanlage 1345 von Klarissinnen erworben wurde. An der Pfarrkirche wurden 2025 die Gesimse gefestigt und teilweise erneuert, Risse geschlossen und der Fassadenanstrich erneuert. Auch das Dach des gotischen Spitzturms wurde ausgebessert; es war zuletzt 1930 erneuert worden.
Archäologie zum Anfassen
Das Historisch-Archäologische Erlebnismuseum wurde 1995 nach Ausgrabungen in Markgrafneusiedl eröffnet. Das HISTA-Projekt des Österreichischen Archäologie-Bundes behandelt Funde von der Urgeschichte bis zu den Kelten sowie Römerzeit, mittelalterliches Leben und Münzgeschichte. Das HISTA wurde später in ein mobiles Museumsprojekt umgewandelt, das Archäologie-Koffer zu Schulen und Ausstellungsorten bringt. Auch die Ruine selbst liefert Forschungsfragen: Ein kleines rundes Fenster bündelt zur Wintersonnenwende das Sonnenlicht auf eine gegenüberliegende Innenwand. Die Gemeindezeitung hält fest, dass eine Deutung als Anzeige für Abgaben oder als religiöses Bild möglich, aber nicht gesichert ist. Bei einem Vortrag am 28. Mai 2026 wurden 3D-Scans und Bodenradaraufnahmen gezeigt: Sie weisen breite Fundamentzüge rund um den heutigen Baukörper nach. Ob sie zu einer früheren Bauphase oder späteren Erweiterungen gehören, ist noch offen.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Markgrafneusiedl – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Ruine in unserem Besitz – Gemeinde Markgrafneusiedl
- Pfarre Markgrafneusiedl – Erzdiözese Wien
- Museum – Österreichischer Archäologie-Bund
- Markgrafneusiedl – Region Marchfeld
- Sehenswertes – Gemeinde Markgrafneusiedl
- Gemeindenachrichten Markgrafneusiedl 4/2025
- Entdeckungstour durch Markgrafneusiedl – Museumsmanagement NÖ
- Gemeindenachrichten Markgrafneusiedl 3/2025 – Außenrenovierung der Pfarrkirche
- Neue Erkenntnisse zur Ruine Markgrafneusiedl – Museum der Stadt Deutsch-Wagram
Stand der Angaben: 08.10.2026
