GEMEINDE · NIEDERÖSTERREICH

Gaaden

Lackfabrik, Pilgerkirche und Kalkbrennerei erzählen von Arbeit und Alltag im Tal am Anninger.

GEMEINDEKENNZIFFER31706
Blick auf Obergaaden mit Kirche in der Gemeinde Gaaden
Blick auf Obergaaden mit Kirche in der Gemeinde Gaaden · Foto: Wikimedia Commons/KarlGruber (CC BY-SA 3.0) · „Gaaden 2858“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
1 606
01.01.2026
Fläche
24,77 km²
Bevölkerungsdichte
64,8
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
2531
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

GAADEN KENNENLERNEN

Gaaden zwischen Kalköfen und Wienerwald

Gaaden liegt im Wienerwald am Anninger, im Bezirk Mödling in Niederösterreich. Am 1. Jänner 2026 hatte die Gemeinde laut Statistik Austria 1.606 Einwohner; ihr Gebiet umfasst 24,77 Quadratkilometer. Durch Gaaden fließt der Mödlingbach.

Jakobskirche an der Via Sacra

Die Pfarrkirche zum heiligen Jakobus geht in ihrer Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurück. Nach Umbauten in Gotik und Renaissance erhielt sie 1740 ihre heutige Gestalt. Gaaden liegt an der Via Sacra, dem Mariazeller Pilgerweg. Das benachbarte Pfarrhaus steht auf den Mauern eines mittelalterlichen Wohnturms; das mittelhochdeutsche Wort „gaadem“ bezeichnet diesen Bautyp. Zwischen 1993 und 1998 wurden Kirche und Pfarrhaus restauriert.

Kalkbrennen mit Holz und Erfahrung

Gemauerte Kalköfen sind in Gaaden seit 1431 belegt; in ihnen wurde bis 1970 Kalk gebrannt. Der Kalkbrenner Hubert Grandl erinnerte sich an den Bau eines Ofens: Auf einem Gewölbe schichteten die Arbeiter den Stein zylindrisch und tonnenförmig bis zu einer Höhe von etwa drei Metern auf. Für einen Brand brauchte es schätzungsweise 30 bis 40 Kubikmeter Föhrenholz. Das Feuer musste 48 Stunden lang ununterbrochen brennen. Frauen brachten den Kalkbrennern das Essen und trugen Holz auf dem Rücken in einer „Kraxn“ oder transportierten es im einachsigen „Gig“.

Verkehrsweg und Ortsumbau

Schon um das Jahr 1000 verlief eine Verbindung von Liechtenstein über Hinterbrühl und Gaaden nach Nöstach und Altenmarkt; eine Abzweigung in den Wienerwald wird 1210 erwähnt. Die Höhe nach Heiligenkreuz galt Pferdefuhrwerken im Winter als schwierig. In den 1960er-Jahren wurde die Bundesstraße verbessert: 1966 musste das Moserhaus der Verbreiterung weichen; im Herbst 1967 wurden am Kirchenplatz das Fürsthaus, ein früherer Friseurkiosk und der Eiskeller des Stiftsgasthauses abgetragen. Das Pechtoldhaus verlor Torbogen und Waschküche; hinter dem Raimundhaus wurde das in die Straße ragende Würbelhaus entfernt. Das Teilstück nach Heiligenkreuz war im Dezember 1969 fertig. Bei der Planung der A 21 wurde die Trasse nach einem Einspruch des Stifts Heiligenkreuz bei Heiligenkreuz nach Norden verlegt. 1975 begannen die Arbeiten am Talübergang Sittendorf. 1980 wurde das Teilstück Sparbach bis zur Südautobahn eröffnet; im selben Jahr begann der Ausbau Richtung Hinterbrühl mit einer neuen Mödlingbachbrücke und einem Autobahnzubringer. Im Frühjahr 1981 war die Straße fertig. Am 29. September 1982 war die Wiener Außenringautobahn durchgehend befahrbar. Danach sank der Durchzugsverkehr in Gaaden um 60 Prozent; besonders der Schwerverkehr nahm deutlich ab.

Fabrik, Wasserleitung und getrennte Ortsteile

Die Lackfabrik in Gaaden wurde 1873 von Ludwig Marx gegründet und war der größte Arbeitgeber am Ort. Nach Kriegsende wurde der Betrieb von der sowjetischen Verwaltung beschlagnahmt; 1955 erhielt Peter Marx ihn im Zuge der Restitution zurück. 1962 wurde die Fabrik an die Firma Wildschek verkauft, die Produktion in Gaaden endete 1992. Das Unternehmen vergab Kleinkredite an Familien, die Häuser errichteten. Eine 1957 gebaute Gemeindeleitung bündelte Anningerquellen; 1966 kam ein zweiter Wasserbehälter hinzu. Bis zur Kanalisation litten Häuser in Obergaaden unter Grundwasser, während Untergaaden nur wenige Brunnen hatte. Dort lebten überwiegend Kleinhäusler, im Oberort vor allem Bauern; Jakobuskirtag und Kraxnkirtag prägten die beiden Ortsteile.

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 09.10.2026

GEOGRAFIE

Gaaden auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung1 625
31.10.2021 · Registerzählung1 638
01.01.2026 · Bevölkerungsstand1 606

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
697
NUTS-3-Region
Wiener Umland/Südteil (AT127)

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