FRANKENAU-UNTERPULLENDORF KENNENLERNEN
Vier Dörfer und die Mitte des Burgenlands
Frankenau-Unterpullendorf liegt im Mittelburgenland am Stooberbach. Die Gemeinde zählt 1.083 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 29,95 Quadratkilometer. Zu ihr gehören die vier Ortschaften Frankenau, Großmutschen, Kleinmutschen und Unterpullendorf. Die burgenlandkroatische Sprache und Kultur sind in den vier Ortsteilen sichtbar. Im Ortsgebiet von Unterpullendorf markiert ein Basaltstein vom Pauliberg den geografischen Mittelpunkt des Burgenlands.
Eine Gemeinde aus vier Dörfern
Die vier Ortschaften haben eigene kroatische Namen: Frankenau heißt Frakanava, Großmutschen Mučindrof, Kleinmutschen Pervane und Unterpullendorf Dolnja Pulja. Frankenau wurde 1156 oder 1157 erstmals urkundlich erwähnt; 1262 erscheint die Namensform „Francaun“. Die späteren Formen reichten über Franchnauve und Franklou bis Franko; während der Magyarisierung wurde 1908 „Repcesarud“ eingeführt. Seit 1921 gilt der Name Frankenau, kroatisch Frakanava. Die Ortsteile wurden 1971 zur Großgemeinde Frankenau-Unterpullendorf zusammengeschlossen.
Archäologie im Zerrwald
In der Ried Zerrwald bei Unterpullendorf untersuchten das Landesmuseum Burgenland und das Vienna Institute for Archaeological Science 2000 und 2001 ein Bergbaugebiet aus der Latènezeit. Eine der Pingen wurde bis in 6,5 Meter Tiefe untersucht, um den Abbauort zu erreichen. An der Gemeindegrenze verlief die Bernsteinstraße; römische Grabfunde in Frankenau und Münzen, die beim Bahnbau 1913 gefunden wurden, belegen weitere Nutzungen des Gebiets. Großmutschen ist 1225 als „Michsa“ bezeugt; eine Verfügung König Béla IV. von 1230 nennt den Ort „Muhtsa“. Eine Nennung von 1225, die Kleinmutschen zugeschrieben wurde, könnte jedoch eine andere Siedlung meinen. Nach der Zerstörung von Güns 1529 und 1532 erhielt Nikola Jurišić Frankenau und zwölf weitere Dörfer von Ferdinand I. Um 1543 dürften die ersten kroatischen Siedler eingetroffen sein; das Günser Urbar von 1569 verzeichnete 39 Fronhöfe.
Kirchen und Erinnerungskultur
Frankenau besitzt eine Pfarrkirche zu Allerheiligen, Unterpullendorf eine katholische Pfarrkirche. In Großmutschen steht eine Filialkirche; die Kirche in Kleinmutschen ist dem heiligen Nikolaus geweiht. In Frankenau erinnert der Miloradić-Park an Mate Meršić Miloradić, einen kroatischen Priesterdichter, der 1850 im Ort geboren wurde. Eine Büste des Bildhauers Ivan Meštrović hält sein Wirken im öffentlichen Raum präsent. Die Kirchen und das Denkmal verbinden religiöses Leben mit der Geschichte einer kroatischsprachigen Kulturregion.
Landwirtschaft und Arbeitswege
Landwirtschaftliche Betriebe wurden zwischen 1999 und 2010 weniger: Ihre Zahl halbierte sich. Die Haupterwerbsbetriebe nahmen von 14 auf 16 leicht zu, während die Nebenerwerbsbetriebe um etwa zwei Drittel zurückgingen. Im Jahr 2011 lebten 512 Erwerbstätige in der Gemeinde; 78 arbeiteten am Wohnort, 434 pendelten aus. 59 Personen kamen aus anderen Gemeinden zur Arbeit herein. In Frankenau liegt außerdem eine Thermenwetterstation; nach Voranmeldung kann die Einrichtung vor Ort erläutert werden. Die Daten zeigen, wie sich landwirtschaftliche Arbeit und regionale Beschäftigung heute ergänzen.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
