OBERPULLENDORF KENNENLERNEN
Bezirkszentrum am Stooberbach
Oberpullendorf ist eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Verwaltung, Bildung und Gewerbe treffen in der Stadt auf eine keltische Eisenvergangenheit und markante Zeugnisse ihrer Ortsgeschichte.
Zentrum zwischen Fluss und Vulkan
Oberpullendorf liegt im Zentrum des gleichnamigen Bezirks. Der Stooberbach durchfließt das Stadtgebiet von Nordwesten nach Südosten. Westlich des Ortskerns erhebt sich die Kuppe Fenyös, Teil des Vulkans von Oberpullendorf. Seine zwei übereinanderliegenden Lavaströme entstanden vor rund zwölf Millionen Jahren. Zur Stadtgemeinde gehört neben Oberpullendorf auch Mitterpullendorf. Die Katasterfläche umfasst rund 1.265 Hektar, davon etwa 850 Hektar Landwirtschafts- und 320 Hektar Waldfläche. Flussraum, Siedlung und vulkanischer Untergrund bilden so eine abwechslungsreiche Landschaft im sonst sanftwelligen Mittelburgenland. Im Stadtgebiet verlaufen zudem mehrere wichtige Straßen des Mittelburgenlands.
Marktgeschichte und Sprachinsel
Der Bezirk Oberpullendorf war seit der Jungsteinzeit besiedelt. Die urgeschichtlichen Fundplätze kartierte unter anderem der Oberpullendorfer Heimatforscher Josef Polatschek. Die Anfänge der heutigen Stadt liegen in einer ungarischen Grenzwächtersiedlung, die Ende des 10. Jahrhunderts entstand. Eine Urkunde von 1225 nennt eine Siedlung im Raum Ober- und Mitterpullendorf. Später prägten die Grafen Cseszneky und die Freiherren Rohonczy die Grundherrschaft. Bis 1920/21 gehörte die Stadt zu Ungarn; danach wurde Oberpullendorf zum Verwaltungszentrum des neuen Bezirks. Eine Besonderheit ist die ungarische Sprachinsel, zu der sich kroatischsprachige Einwohner gesellten.
Kirchen, Eisenfunde und Stadtzeichen
Die Pfarrkirche Oberpullendorf ist dem heiligen Klemens Maria Hofbauer geweiht; in Mitterpullendorf steht die Kirche der Heiligen Simon und Judas. Das ehemalige Schloss Rohonczy, einst Kastell der Familie Rohonczy, dient heute als Bildungs- und Tagungszentrum der Diözese Eisenstadt. Auf der Hauptstraße erinnert der Krebslerbrunnen an den Necknamen der Oberpullendorfer, den ihnen die Bewohner umliegender Orte gaben. Bei Bauarbeiten für Rathaus und Bankgebäude kamen 1972 Eisenschmelzanlagen zutage. Ein freigelegter Rennofen blieb im Originalzustand in der Wand des Rathauskellers erhalten und bildet den Kern des Schauraums zur Eisenindustrie. Die Franziskuskapelle gehört zu den ältesten Bauten der Stadt: Sie wurde 1707 zu Ehren der Muttergottes errichtet, 1736 erhielt sie einen Altar mit Franziskusbild. 1785 kamen der Turm mit Zwiebelhelm und drei Glocken hinzu; eine Restaurierung erfolgte 2007. In Mitterpullendorf ist eine Kirche bereits 1482 mit einem Priester erwähnt. Der heutige Kirchenbau entstand 1666 und wurde 1833 erweitert.
Stadtleben und regionale Aufgaben
Oberpullendorf ist Verwaltungs-, Schul- und Wirtschaftszentrum des Mittelburgenlands. Neben Bezirksbehörden gibt es Schulen vom Volksschulbereich bis zu Gymnasium, Handelsakademie und Musikschule. Ein Krankenhaus und zahlreiche Facharztangebote versorgen die Region. Die Stadt zählt mehr als 200 Gewerbebetriebe. Hauptplatz, Kulturveranstaltungen und Sportanlagen schaffen öffentliche Treffpunkte; zu den jährlichen Angeboten zählen unter anderem die Pullenale und die textile Kunstschau Kunst.Kontakt.Textil. Der frühere Bahnhof wird heute nicht mehr im Personenverkehr genutzt; die Bahntrasse dient der Draisinentour. Straßenverbindungen und Busse binden Oberpullendorf an Eisenstadt, Wien und die Nachbarorte an.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
