FALKENSTEIN KENNENLERNEN
Falkenstein: Burgfelsen, Weinrecht und Jakobskirche
Falkenstein liegt im nördlichen Weinviertel zwischen Weingärten, Wäldern und Kalkklippen. Die Marktgemeinde zählt 548 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 19,17 Quadratkilometer. Burg und Pfarrkirche stehen auf den Hängen über dem Markt.
Marktrecht und Gerichtsbarkeit
Die Burg entstand Mitte des 11. Jahrhunderts als Grenzfestung an der damaligen Grenze nach Norden. Ihre ersten Herren waren Lehensnehmer der Babenberger; 1180 ist Falkenstein erstmals urkundlich genannt. Im Mittelalter war der Ort auch ein Zentrum des Weinbaus: Das Bergtaidingbuch von 1309 regelte Weinbauangelegenheiten, für die das Berggericht zwischen Wien und Brünn zuständig war. 1513 verlieh Kaiser Maximilian I. das Marktrecht. 1598 gelangte die Burg in Privatbesitz und Falkenstein wurde zur freien Grafschaft. Schwedische Truppen eroberten die Burg 1645, zerstörten sie aber nicht. Noch nach 1690 wird ihr Wehrzustand erwähnt; erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde sie als Steinbruch für Baumaterial abgebrochen.
Ruine, Höhle und Täufergedächtnis
Der Burgberg trägt Spuren einer älteren Besiedlung: Ausgrabungen unterhalb der Ruine brachten Reste einer bronzezeitlichen Höhensiedlung ans Licht. Zur Ruinenanlage gehören eine natürliche Höhle im Kalk und ein erhaltenes Gewölbe aus dem 13. Jahrhundert. Im sogenannten Täufergwölb dokumentiert ein kleines Museum Geschichte und Verfolgung der Täuferbewegung. Die auf der Burg inhaftierten Täufer wurden zu Galeerensträflingen verurteilt und von Falkenstein zu Fuß nach Triest gebracht. Eine maßstabsgetreue hölzerne Galeere im ersten Burghof erinnert an dieses Schicksal; sie wurde 2010/11 von der HTL für Holzbau in Mödling gebaut. Der Turnierhof wird im Sommer für Veranstaltungen genutzt.
Jakobskirche mit gotischem Turm
Die Falkensteiner Pfarre zählt zu den ältesten des Landes. Die Kirche ist dem heiligen Jakobus dem Älteren geweiht. Im Inneren steht eine gotische Sandsteinmadonna vom Typus der Schönen Madonnen; sie entstand um 1400. Der wuchtige Turm mit spätromanischen und gotischen Bauteilen sowie gotischen Spitzbogenfenstern ist älter als die heutige, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts frühbarock gestaltete Kirche. Über dem Hochaltar befindet sich ein um 1700 gemaltes Bild der Dreifaltigkeit, in dem Vater, Sohn und Heiliger Geist in gleicher menschlicher Gestalt dargestellt sind. Die Madonna wurde 1990 restauriert. Zum Hauptportal führt ein Stiegenaufgang. Die Jakobskirche ist eine Station des Weinviertler Jakobsweges.
Kellergasse und Kalklandschaft
Die Kellergasse Oagossn war rund 300 Jahre lang Lebensmittelpunkt der Winzer. Ihre Kellerkultur erreichte im 19. und 20. Jahrhundert einen Höhepunkt; heute werden Keller auch als Räume für Weinpräsentationen und Heurige genutzt. Der Falkensteiner Weinlehrpfad wurde 1973 von Winzern des Naturparks Leiser Berge angelegt, 1995 erneuert und 2013 aktualisiert. Seine Tafeln erläutern Weinbaugeschichte und Arbeitstechniken; Kunstwerke und Gedichte ergänzen den Rundgang. Ein Sortenweingarten zeigt verschiedene Rebsorten. Auf dem Kreuzberg stehen Sandsteinfiguren einer Kreuzweganlage von Ferdinand Pfaundler aus den Jahren 1670/80. Die Kalkfelsen und Trockenrasen bieten kalkliebenden Pflanzen Lebensraum. Nördlich der Burgruine steht die Landart-Skulptur „circ(ul)us vini“ aus gesammelten alten Fassreifen.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Falkenstein (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
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Stand der Angaben: 08.10.2026
