OTTENTHAL KENNENLERNEN
Ottenthal: Kirchen, Wallfahrt und Steppenflora
Ottenthal liegt am nördlichen Rand des Weinviertels im Bezirk Mistelbach. Die Gemeinde zählt 525 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 15,40 Quadratkilometer. Ihre Geschichte verbindet eine Wallfahrtstradition, die barocke Martinskirche und das Schutzgebiet Zeiserlberg mit dem Ortsteil Guttenbrunn.
Zwischen Falkenstein und Poysbrunn
Die erste nachweisbare Nennung Ottenthals stammt aus einer Schenkungsurkunde um 1140. Der Sage nach gründeten Truppen Kaiser Ottos II. den Ort; bis 1590 gehörte er zur Herrschaft Falkenstein, danach unterstand er Poysbrunn. Schwedische Truppen verwüsteten Ottenthal 1645, die Pest von 1679/80 traf den Ort ebenfalls schwer. Zum Dank für das Ende der Seuche führt eine jährliche Fußwallfahrt am 20. Jänner nach Altruppersdorf. Die Cholera von 1832 führte zur raschen Anlage des heutigen Ortsfriedhofs. Das 1921 errichtete Kriegerdenkmal erinnert heute an die Opfer beider Weltkriege. 1972 wurden Ottenthal und Guttenbrunn in die Marktgemeinde Falkenstein eingegliedert; seit 1989 bilden die beiden Orte wieder eine eigene Gemeinde.
Die dritte Kirche am selben Platz
Die heutige Pfarrkirche ist bereits die dritte an dieser Stelle: 1697 wurde der Grundstein für den barocken Bau gelegt, am 8. Mai 1701 weihte Kardinal Kollonitsch die Martinskirche ein. Rund um das Gotteshaus lag der erste Friedhof des Ortes. Die Pfarre wurde vermutlich um 1580 selbstständig.
Guttenbrunn am Falkensteiner Bergland
Guttenbrunn liegt auf 254 Metern Seehöhe am Nordrand des Falkensteiner Berglandes. Funde im Gemeindegebiet weisen auf eine Besiedlung um 4000 vor Christus; der Ort selbst wird 1265 erstmals genannt. Über Jahrhunderte lag die Dorfobrigkeit bei der Herrschaft Kirchstetten. Nach Schwedenkrieg und Pest waren Ende des 17. Jahrhunderts nur zwei der 25 Häuser bewohnt. Bis 1783 gehörte Guttenbrunn schulisch und kirchlich zu Falkenstein; danach war es der Pfarre Ottenthal zugeordnet. Die Franziskuskapelle wurde 1802 an ihrem heutigen Standort errichtet. Franz Josel aus Wien stiftete 1843 einen neuen Altar, der 1844 geweiht wurde. Wegen Geldmangels erhielt die Kapelle ihren Turm erst 1846. Ein örtlicher Friedhof besteht seit 1958, eine Marienweihestätte seit 1986.
Zeiserlberg, Wege und Schule
Zwischen Ottenthal und Pottenhofen liegt der Zeiserlberg, dessen Trockenrasen seit 1978 als Naturschutzgebiet geschützt ist. Die Gemeinde beschreibt den Tatarischen Meerkohl als seltene Steppenpflanze, die dort im Frühling blüht. Die offene Lössfläche braucht regelmäßige Pflege: Bei einem Einsatz 2018 entfernten Freiwillige Gehölze, damit die lichtbedürftige Pflanze geeignete Flächen behält. Der sieben Kilometer lange Tatarenweg führt durch und um den Ort bis zum Schutzgebiet. In Guttenbrunn entstand im Waldstück Höllwiese ein Fitnessparcours mit zehn Stationen. Drei Schülerinnen und Schüler der HAK Laa legten ihn als Maturaprojekt an; eröffnet wurde er am 23. September 2007. Die Volksschule führt zwei jahrgangsgemischte Klassen: Die erste und zweite Schulstufe wird in Falkenstein unterrichtet, die dritte und vierte in Ottenthal. Eine Nachmittagsbetreuung ergänzt das Angebot.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Ottenthal – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte der Gemeinde Ottenthal
- Sehenswertes in Ottenthal
- Einsatz für den Zeiserlberg
- Managementplan Europaschutzgebiet Weinviertler Klippenzone
- Unsere Schule – Volksschule Ottenthal
- Die Pfarrkirche St. Martin zu Ottenthal – Erzdiözese Wien
Stand der Angaben: 09.10.2026
