ENZENREITH KENNENLERNEN
Enzenreith: Kohle, Hartit und Schwarzatal
Enzenreith liegt im Bezirk Neunkirchen und zählt 1.939 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026). Die Gemeinde umfasst 9,20 Quadratkilometer. Die Siedlungen liegen im Schwarzatal; der Ortsteil Hart erinnert an den historischen Kohlebergbau, der die Region geprägt hat.
Das Grubenunglück von Hart
Am 26. Juni 1924 ereignete sich am Schacht „Gute Hoffnung“ in Hart ein schweres Unglück. 29 Bergleute starben; viele der Opfer wohnten in der Sommerfrische Enzenreith. Zeitgenössische Berichte schildern, dass zuvor aus einem abgedichteten Abbaubereich Gas austrat. Für den Rettungseinsatz waren nur drei beschädigte, nicht einsatzfähige Gasmasken vorhanden; eine ausgebildete Grubenwehr fehlte. Der Enzenreither Vizebürgermeister Josef Zwinz rettete zunächst sieben Menschen und kam selbst ums Leben. Die Toten wurden am 29. Juni in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Das Grabdenkmal von 1925 steht auf dem Bergfriedhof im Gemeindegebiet von Enzenreith. Zeitgenössische Zeitungen bezifferten die Trauergemeinde auf 30.000 bis 50.000 Menschen und berichteten von rund 2.000 Feuerwehrleuten. Zum 100. Jahrestag 2024 zeigte die Christkönigskirche eine Ausstellung; eine Gedenkveranstaltung verband historische Filmaufnahmen mit Lesungen aus damaligen Berichten. Die Gemeinde stellte zum Jubiläum auch eine Broschüre zur privaten Verwendung bereit.
Ein Mineral aus der Kohle
Der Name Hartit verweist auf die Kohlevorkommen bei Oberhart. Der Mineraloge Wilhelm Haidinger beschrieb 1841 ein aus dem Bergwerk stammendes Material zunächst als scheereritähnliches Mineral und schlug dann den Namen Hartit vor. Eine geowissenschaftliche Arbeit ordnet den Stoff als Phyllocladan ein, einen organischen Kohlenwasserstoff, der in Rissen fossilen Holzes auftreten kann. Die Studie führt die Lagerstätte auf miozäne Kohle zurück. Hartit bildet demnach flache, plättchenartige Kristalle. Der Stoff schmilzt bei 74 Grad Celsius und erreicht die Härte 1; die untersuchte Probe stammte aus dem ersten Betriebsjahr des Bergwerks.
Sechs Ortschaften im Schwarzatal
Zum Gemeindegebiet gehören Enzenreith, Hart, Hilzmannsdorf, Köttlach, Thürmannsdorf und Wörth. Die Landschaft liegt im bewaldeten Schwarzatal; die Landesinformation verweist auf die lange Kohleflöz-Zone bei Hart. Als Baudenkmale führt die Landesinformation den Bergfriedhof in Enzenreith von 1904, die Filialkirche St. Florian aus dem späten 19. Jahrhundert und die Liebfrauenkapelle von 1898. Das Bergbau- und Heimatmuseum wurde Mitte der 1980er-Jahre eingerichtet, ist derzeit aber geschlossen.
Beschäftigung und Pendelwege
Die Landesstatistik weist für Enzenreith 2021 insgesamt 133 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten aus, gegenüber 95 im Jahr 2011. Die Zahl der Beschäftigten am Arbeitsort stieg im selben Vergleich von 339 auf 406. 2021 entfielen 142 Arbeitsplätze auf den sekundären und 253 auf den tertiären Sektor; elf lagen im primären Bereich. Gleichzeitig zählte die Statistik 777 Auspendler und 254 Einpendler. Für die Land- und Forstwirtschaft wurden 2020 23 Betriebe erfasst, 2010 waren es 22. Die Landesstatistik beziffert den Waldanteil auf 44,71 Prozent; der Hauptort liegt auf 450 Metern Seehöhe.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Enzenreith – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Enzenreith – 100 Jahre Grubenunglück Hart
- Niederösterreich Tourismus – Gemeinde Enzenreith
- Beiträge zur Paläontologie – Hartit aus dem Kohlenrevier Oberhart
- Land Niederösterreich – Gemeindedaten Enzenreith
Stand der Angaben: 09.10.2026
