EBERNDORF KENNENLERNEN
Eberndorf: Stift, Moor und Jauntaler Bahn
Eberndorf liegt im Jauntal südlich der Drau. Die Marktgemeinde zählt 5.983 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 67,68 Quadratkilometer. Das Gemeindegebiet reicht vom Marktkern bis zu mehreren Dörfern und zum Sablatnigmoor.
Das Chorherrenstift und sein Erbe
Die Geschichte des Stifts Eberndorf begann mit der Stiftung des friulanischen Grafen Chazelin, der vor 1106 starb. Der Patriarch von Aquileia gründete hier im 12. Jahrhundert ein Augustiner-Chorherrenstift. Die Gemeinschaft prägte über Jahrhunderte das Jauntal wirtschaftlich und kulturell. 1604 wurde das Stift im Zuge der Gegenreformation aufgelöst und durch eine Jesuitenresidenz ersetzt, die bis 1773 bestand. 1809 gelangten Stift und Grundbesitz an das Benediktinerstift St. Paul, das bis heute Eigentümer ist. Die Marktgemeinde pachtet die Anlage seit 1988. Die spätgotische Stiftskirche und die barocke Anlage prägen den Marktkern. Im historischen Komplex gibt es zudem eine Krypta aus dem 14. Jahrhundert.
Schmalspurbahn nach Kühnsdorf
Von 1902 bis 1971 verband die Vellachtalbahn Kühnsdorf über Eberndorf mit Eisenkappel. Die schmalspurige Strecke erschloss die Orte im Jauntal; der Anschluss an das überregionale Schienennetz lag in Kühnsdorf. Nach der Stilllegung wurde die Trasse abgetragen, einzelne bauliche Spuren blieben erhalten. Davon zu unterscheiden ist die neue Eisenbahnerschließung im Norden der Gemeinde: Auf diesem Abschnitt ersetzte die Koralmbahn die ältere Drautalbahntrasse. Der Bahnhof Kühnsdorf-Klopeiner See liegt bei Kühnsdorf; der Nahverkehrshalt Mittlern befindet sich ebenfalls an der Strecke. Beide Stationen liegen in der Marktgemeinde Eberndorf, aber nicht im Ortskern Eberndorf. Am früheren Bahnhof Kühnsdorf blieb das Heizhaus als bauliche Spur der Schmalspurbahn erhalten. Die Seeberg Straße stellt im Norden die Verbindung nach Völkermarkt und zur Süd Autobahn A2 her.
Drei Pfarren und zweisprachige Kultur
Die Marktgemeinde umfasst acht Katastralgemeinden und 24 Ortschaften. Zu den drei Pfarren Eberndorf, Edling und Kühnsdorf gehören jeweils eigene Pfarrorte. Ihre Kirchen tragen die Patrozinien Mariä Himmelfahrt, des heiligen Veit und des heiligen Ägidius. Eberndorf liegt außerdem im slowenischen Jauntaler Dialektgebiet; der Ort ist Sitz des Jauntaler Dekanats. Das slowenische Kulturhaus und der Verein Srce gehören zum örtlichen Kulturleben. Der Bildungsverein, aus dem Srce hervorging, wurde 1906 gegründet; nach einem Verbot slowenischer Vereine während der NS-Zeit wurde er 1946 wiedergegründet. Vereinsarbeit und Chorgesang waren wichtige Formen der Sprachpflege.
Sablatnigmoor als Feuchtgebiet
Das Sablatnigmoor liegt in einer Senke der Marktgemeinde und ist gemeinsam mit dem benachbarten Turnersee ein Rest eines größeren nacheiszeitlichen Sees. Das Schutzgebiet umfasst rund 100 Hektar und schließt den Sablatnigteich ein, der durch Aufstau vor etwa hundert Jahren entstand. Das Gebiet steht seit 1979 unter Naturschutz, wurde 1992 als Ramsar-Gebiet anerkannt und ist seit 2008 Teil des Europaschutzgebietsnetzes. Eine Beobachtungsstation, das Besucherzentrum Tomar-Keusche und ein Vogelturm sind durch einen Wanderweg verbunden. Seit die Fischzucht eingestellt wurde, wird nicht mehr gewerblich gefischt; Forschungsfänge finden nur noch in mehrjährigen Abständen statt. Die Wasserflächen und Röhrichtzonen bieten Rast- und Brutplätze für zahlreiche Wasservögel.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Eberndorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Kulturstandort Eberndorf – Kulturdreieck Südkärnten
- Eberndorf – Gemeinde und Kulturgeschichte
- Sablatnigmoor – Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft
- Stift Eberndorf – Marktgemeinde Eberndorf
- Sablatnigmoor – Tourismusverband Eberndorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
