VÖSENDORF KENNENLERNEN
Vösendorf: Schloss, Ziegel und neue Wege
Vösendorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Mödling direkt an der Wiener Stadtgrenze. Sie zählte 7.663 Einwohner am 1. Jänner 2026 und ist 10,48 Quadratkilometer groß. Der Petersbach verläuft offen durch das Ortszentrum.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Vösendorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Von der Siedlung zur Marktgemeinde
Die Gemeindechronik führt die erste urkundliche Nennung auf 1175 zurück: Wichard von Vestenburg überließ dem Stift Admont vier Höfe und einen Weingarten, damit seine Töchter dort aufgenommen würden. Das Schloss entstand nach der Gemeindedarstellung um 1200. 1529 zerstörte die erste Wiener Türkenbelagerung große Teile des Ortes; von knapp 800 Einwohnern sollen nur etwa 20 überlebt haben. 1584 waren Schloss und Dorf wieder so weit hergestellt, dass wirtschaftliches Leben möglich war. Auch 1683 wurde Vösendorf verwüstet. 1954 kam es zurück zu Niederösterreich, 1966 erhielt es das Marktrecht. Das Wappen verbindet Schloss, Verkehrswege, Ziegelindustrie und Landwirtschaft in vier Zeichen.
Schloss und Alleen im 18. Jahrhundert
Im Februar 1707 heiratete Gräfin Maria Josepha den Halbbruder ihres verstorbenen Mannes, Gundaker Thomas von Starhemberg. Unter ihrer Herrschaft erhielt das Schloss hochbarocke Elemente; zugleich wurde der Schlossgarten erweitert. Die Starhembergs ließen Höfe im Ort wiederaufbauen und überließen einen Teil davon Zugewanderten. 1716 ließ Kaiser Karl VI. die Laxenburger Allee durch Vösendorf anlegen. Maria Gabrielas Hochzeit mit Rudolf Josef Graf Colloredo folgte 1727; um 1740 kam die Schönbrunner Allee hinzu. Die beiden Kastanienalleen verbanden die Lustschlösser Favorita, Schönbrunn und Laxenburg und erleichterten die Fahrt zum Jagdrevier. Ab 1746 besaßen Maria Gabriela und ihr Mann die Herrschaft gemeinsam. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führten häufige Hochwasser zu Ertragseinbußen in der Landwirtschaft. Ab 1806 leitete Agrarpionier Peter Jordan das kaiserliche Gut als landwirtschaftliches Mustergut.
Ziegelproduktion und Landwirtschaft
Das historische Museum im Schloss widmet einen Ausstellungsteil der Ziegelindustrie, die Wiener Prachtbauten mit Baumaterial versorgte. Arbeiter böhmischer und mährischer Herkunft, die im regionalen Sprachgebrauch „Ziegelbehm“ genannt wurden, produzierten die Ziegel unter harten Bedingungen. Ein weiterer Teil erinnert an Peter Jordan: Unter seiner Leitung wurden in Vösendorf Agrarmaschinen gebaut und erprobt; die Gemeinde beschreibt seine Arbeit als Erneuerung von Viehhaltung und Feldwirtschaft. Die Gemeinde ordnet den Ausstellungsbogen mit rund acht Millionen Jahren ein.
Das Schloss als Gemeindezentrum
Massive Steinmauern und Pfeilscharten im Untergeschoss erinnern an das frühere Wasserschloss. Das heutige Erscheinungsbild geht auf das 17. Jahrhundert zurück. 1794 erwarb Kaiser Franz die Anlage und ließ das Jagdgebiet bis Laxenburg erweitern; auf dem Gut sollte Landwirtschaft betrieben werden. Nach dem Ende der Monarchie ging das Schloss an den Invalidenfonds, 1940 an die Gemeinde Wien. Vösendorf kaufte es 1991 zurück und eröffnete es nach der Revitalisierung am 20. November 1999 als Gemeindeamt. Heute sind im Gebäude unter anderem eine öffentliche Bibliothek, eine Kapelle zum Gedenken an Peter Jordan, das Schlossmuseum und ein Fahrradmuseum untergebracht. Ein Freskenraum aus dem 17. Jahrhundert und der überdachte Innenhof werden für Veranstaltungen genutzt.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Vösendorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Vösendorf: Unsere Ortsgeschichte
- Marktgemeinde Vösendorf: Anno Domini 1707
- Marktgemeinde Vösendorf: Historisches Museum
- Marktgemeinde Vösendorf: Schloss Vösendorf
Stand der Angaben: 09.10.2026
