ACHAU KENNENLERNEN
Achau zwischen Wasserwegen und Schlossgut
Achau liegt 17 Kilometer südlich des Wiener Stadtzentrums im Bezirk Mödling. Die Gemeinde zählt am 1. Jänner 2026 laut Statistik Austria 1.736 Einwohner und umfasst 11,88 Quadratkilometer. Der Name geht auf das mittelhochdeutsche „aichowe“, Eich-Aue, zurück; das Wasser prägt auch die Ortsgeschichte.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Gemeinde Achau – Zahlen und Fakten
Flüsse, Schleusen und Mühlen
Der Mödlingbach mündet in Achau in die Schwechat. Im Ortsbereich kommt der Krottenbach hinzu; weiter östlich vereinigt sich die Triesting mit dem Schwechat-Hauptgerinne. Diese Wasserläufe waren Verkehrs- und Arbeitsraum: 1924 entstand die Schleusenanlage Kaiserablässe. Eine weitere Schleuse regelte den Zufluss zu Betrieben, die heute verschwunden sind. Die Erste Wiener Filzfabrik war ursprünglich eine Mühle; auch die Kanzelhof-Mühle wandelte sich im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts zu einer Trikotagefabrik. Bei den Kaiserablässen führt heute Wasser des Wiener Neustädter Kanals durch das mehrteilige Gewässernetz.
Quellen: Marktgemeinde Achau – Leitbild zur Dorferneuerung · Gemeinde Achau – Radrouteneröffnung „Weg der Ziegelbarone“
Schloss und Pfarrgeschichte
Achau ist knapp vor 1177 in einer babenbergischen Schenkungsurkunde belegt. Die Pfarrseite verortet die ältesten Teile der dem heiligen Laurentius geweihten Kirche ungefähr in dieser Zeit. 1442 wird Achau als Pfarre erwähnt. Nach der Zerstörung des Pfarrhofs während der ersten Wiener Türkenbelagerung 1529 wurde die Pfarre zeitweise von mehreren Nachbarpfarren betreut; 1783 entstand sie unter Joseph II. erneut selbständig. Das Wasserschloss im Ortskern erinnert an die Grundherrschaft, deren Besitzerfamilien wechselten. 1732 gelangte das Gut durch Kauf an die Familie Moser aus Ebenfurth. Die TU-Wien-Bauaufnahme dokumentiert einen großen Umbau von 1840 und eine Fassadenrestaurierung von 1930.
Quellen: Erzdiözese Wien – Pfarrkirche zum Hl. Laurentius Achau · Gemeinde Achau – Zahlen und Fakten · TU Wien reposiTUm – Schlossruine Achau: Bestandsaufnahme und Revitalisierung
Vom Dorf zu den Fabriken
Ein Verzeichnis von 1592 nennt 56 Feuerstätten; bis 1890 war die Zahl der Häuser auf 107 gestiegen. Achau war zunächst bäuerlich geprägt und wurde von gewählten Ortsrichtern verwaltet. Der Wandel setzte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mit Fabriken und zuziehenden Arbeitskräften ein. Adolf Duschnitz gründete 1879 die Erste Österreichische Filzfabrik; ab 1941 hieß sie Erste Wiener Filzfabrik. Sie erzeugte technische Filze und auch Hausschuhe. Die Dachpappen- und Teerfabrik Weber-Falckenberg, später Baudny, arbeitete von 1907 bis 1983. Das Gemeindeleitbild datiert die Gründung der Perlmoser Zementfabrik durch Adolf Baron Pittel auf 1898; ihre Produktion wurde 1914 kriegsbedingt stillgelegt.
Quellen: NÖ.Regional – Leitbild zur Dorferneuerung Achau 2015
Kriegszeit und Rückkehr
1938 wurde Achau Teil des Wiener Gemeindebezirks 24. Die Errichtung einer Flak-Großbatterie führte laut kommunalem Dorferneuerungsleitbild zu wiederholten Bombenangriffen; schwere Kämpfe zerstörten 1945 rund 80 Prozent des Orts. In den letzten Kriegstagen traf eine Bombe auch das Wasserschloss im Ortskern. Es brannte aus; seitdem ist die Anlage teilweise Ruine. Der vierflügelige, dreigeschoßige Bau umschließt einen rechteckigen Innenhof; an seiner Südostecke steht ein wiederhergestellter fünfgeschoßiger Turm, den die Bauaufnahme 2019 als Archivnutzung dokumentiert. 1954 wurde Achau wieder eine selbständige niederösterreichische Gemeinde. Die Bauaufnahme und historische Untersuchung des Schlosses dienten einer TU-Wien-Diplomarbeit 2019 als Grundlage für ein denkmalpflegerisches Sanierungs- und Nutzungskonzept.
Quellen: NÖ.Regional – Leitbild zur Dorferneuerung Achau 2015 · TU Wien reposiTUm – Schlossruine Achau: Bestandsaufnahme und Revitalisierung
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Achau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Achau – Zahlen und Fakten
- Marktgemeinde Achau – Leitbild zur Dorferneuerung
- Gemeinde Achau – Radrouteneröffnung „Weg der Ziegelbarone“
- Erzdiözese Wien – Pfarrkirche zum Hl. Laurentius Achau
- NÖ.Regional – Leitbild zur Dorferneuerung Achau 2015
- TU Wien reposiTUm – Schlossruine Achau: Bestandsaufnahme und Revitalisierung
Stand der Angaben: 09.10.2026
