HAINFELD KENNENLERNEN
Hainfeld: Markt, Industrie und Einigungsparteitag
Hainfeld liegt im Gölsental im Bezirk Lilienfeld. Die Stadtgemeinde zählt 3.754 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 44,73 Quadratkilometer. Handel und Industrie prägten den Markt, der Ende des 19. Jahrhunderts zum Schauplatz eines wichtigen sozialdemokratischen Parteitags wurde.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Geschichte Hainfeld
Ein Markt im Gölsental
Eine Traditionsnotiz des Stifts St. Veit nennt Hainfeld erstmals 1122. 1180 erscheint der Ort als Markt. Der Gölsentaler Ort erlitt wiederholt Zerstörungen: 1250 plünderten ungarische Truppen Hainfeld und legten es in Brand; 1408 wurde es im Bruderkrieg dreier Habsburger gebrandschatzt. Osmanische Angriffe trafen den Markt 1529. 1679 starben laut Stadtchronik etwa tausend Menschen in Hainfeld und Umgebung an der Pest, woraufhin Bayern den Ort neu besiedelten. 1683 nahmen Truppen Hainfeld erneut ein, töteten 105 Menschen und verschleppten 376 in die Sklaverei.
Quellen: Geschichte Hainfeld
Sensen, Stahl und Märkte
Im 15. Jahrhundert wurde die Eisenverarbeitung zu einem wichtigen Erwerbszweig im Gölsental. Die Sensen im Hainfelder Wappen erinnern daran; Rudolf II. verlieh das Wappen 1583. 1729 entstand eine Gewehrfabrik, 1757 eine größere Brauerei. Johann Conrad Fischer gründete 1824 eine Gussstahlfabrik. Nach der Auflösung der Grundherrschaften nahmen 1850 ein Bürgermeister und ein gewählter Gemeindeausschuss ihre Arbeit auf. 1852 fanden die ersten Viehmärkte statt. Nach einer Unterbrechung wurden sie wieder aufgenommen und schließlich 1977 eingestellt. 1861 gründeten Hainfelder den Gesangsverein, den die Stadtchronik als ältesten nachweisbaren Verein nennt. 1877 wurden die Bahnstrecke St. Pölten–Leobersdorf und die Badeanstalt eröffnet. Das frühere Gerichtsgebäude des 1848 gegründeten Bezirks ist heute Heimat des Hainfeld Museums und des Museums Historischer Bierkrüge.
Quellen: Geschichte Hainfeld · Hainfeld Museum
Der Einigungsparteitag 1888/89
An der Jahreswende 1888/89 versammelten sich Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Hainfeld. Ein Versammlungsverbot in Wien machte einen anderen Tagungsort nötig; Victor Adler wirkte an der Einberufung mit. Die Tagung führte verschiedene Strömungen zusammen und gilt als entscheidender Schritt zur Gründung einer einheitlichen sozialdemokratischen Partei. Im Hainfeld Museum bildet das Protokoll den Mittelpunkt eines eigenen Ausstellungsraums. Die Ausstellung zeigt außerdem, wie schwierig die Suche nach einem Versammlungslokal war, und dokumentiert die Herkunft der Referenten. Ein eigener Bereich behandelt die Kämpfe von 1934 und die Verfolgung in der NS-Zeit.
Quellen: Hainfelder Einigungsparteitag · Hainfeld Museum
Pfarrkirche zum heiligen Andreas
Die Pfarrkirche zum heiligen Andreas wurde 1161 erstmals erwähnt und gehört bis heute zum Stift Göttweig. Unter den Jörgern wurde Hainfeld im 16. Jahrhundert protestantisch; 1616 setzte Göttweig wieder einen katholischen Priester ein. Die Ausstattung ist überwiegend neugotisch, einige Stücke stammen aus dem 16. Jahrhundert. 1869 wurde der Kirchturm erneuert. Renovierungen zwischen 1991 und 2004 legten unter dem Kreuzaltar einen bislang verborgenen Raum frei. Ein alter Taufbrunnen wurde für den neuen Hauptaltar wiederverwendet, der 1998 geweiht wurde. Im Fuß des Altars befindet sich ein Reliquiar des Kirchenpatrons Andreas sowie der Seligen Restituta Kafka, Jakob Kern und Anton Schwarz. Die frühere gotische Sakristei dient heute als Aussprachezimmer.
Quellen: Pfarrkirche zum hl. Andreas · Geschichte Hainfeld
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
