LILIENFELD KENNENLERNEN
Lilienfeld zwischen Stift und Muckenkogel
Lilienfeld liegt im oberen Traisental und ist Bezirkshauptstadt. Am 1. Jänner 2026 zählte die Stadtgemeinde 2.604 Einwohnerinnen und Einwohner; ihr Gebiet umfasst 53,96 Quadratkilometer. Stift, Markt und alpine Skigeschichte haben unterschiedliche Spuren hinterlassen.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
Stift und Markt am Traisenknie
Schon um 1180 nennt ein Schutzbrief Papst Alexanders III. sieben Güter in Schrambach. Herzog Leopold VI. gründete 1202 das Zisterzienserstift, dessen erste Mönche aus Heiligenkreuz kamen. Der Bau machte aus dem kleinen Ort einen Anziehungspunkt für Handwerker und Gewerbetreibende. Die Stiftskirche ist 83 Meter lang, 21 Meter breit und 24,5 Meter hoch; ihr Grundriss folgt dem bernhardinischen Plan der Zisterzienser. Eine Urkunde von 1230 trägt im Siegel erstmals den österreichischen Bindenschild. Um 1390 bestand neben dem Kloster bereits ein kleiner Markt. Die Anlage gilt als größter Zisterzienserkomplex Mitteleuropas. Im Stift können Besucherinnen und Besucher heute Kreuzgang, Kapitelsaal, Brunnenhaus und Basilika im Rahmen von Führungen kennenlernen.
Quellen: Geschichte des Stiftes Lilienfeld · Ort des Staunens – Stift Lilienfeld · Lilienfeld und seine Geschichte
Vom Abteigericht zur Bezirkshauptstadt
Bis 1848 setzten die Äbte des Stiftes die Ortsrichter ein. Nach dem Ende der Grundherrschaft wählten die Bürger 1850 erstmals einen Bürgermeister; 1854 erhielt Lilienfeld das Marktrecht. Mit dem Ausbau der Bahnverbindung wurde Schrambach zwischen 1878 und 1893 zum Endpunkt der Strecke aus Richtung Leobersdorf. Die Verkehrsanbindung begünstigte Gewerbe und Industrie: In Marktl entstanden Fabriksanlagen, in Stangental eine Zementfabrik, in Schrambach wurde Kohle gewonnen. Das Gemeindehaus wurde 1888 errichtet, das Amtsgebäude der Bezirkshauptmannschaft 1897; 1903 nahm das Krankenhaus seinen Betrieb auf. Seit 1974 trägt Lilienfeld das Stadtrecht und beherbergt weiterhin die Bezirkshauptmannschaft.
Quellen: Lilienfeld und seine Geschichte
Zdarsky und der alpine Skilauf
Der Lehrer, Maler und Erfinder Mathias Zdarsky entwickelte in Lilienfeld eine Skitechnik für steile Hänge und eine dazu passende Bindung. Am 19. März 1905 veranstaltete er am Muckenkogel einen Torlauf, der als erster alpiner Skilauf dieser Art gilt. Ein kurzer Erfinderweg bei der Klosteralm zeigt vergrößerte Modelle seiner Konstruktionen; ein längerer, rund 15 Kilometer langer Weg führt über Muckenkogel, Hinteralm und Marktl. Für den Muckenkogel nahm 1964 ein Sessellift den Betrieb auf. Das Bezirksmuseum widmet Zdarsky einen Schwerpunkt und zeigt im gotischen Torturm außerdem Exponate zu Bergbau, Industrie und Flachsverarbeitung. Die Stadt weist derzeit auf eine vorübergehende Schließung der Museumsräume hin; Vermittlungsangebote außerhalb des Hauses sind auf Anfrage möglich.
Quellen: Zdarsky-Rundwanderweg und Museum · Bezirksmuseum Lilienfeld
Kalvarienberg, Aufhebung und Wiederaufbau
1677 wurde der Kalvarienberg in Stangental eingeweiht; seine Anlage nimmt die Scala Santa in Rom als Vorbild. Kaiser Joseph II. hob das Kloster 1789 auf; unter Leopold II. wurde es 1790 wiederhergestellt. 1796 verwüstete ein Hochwasser die Stadt. Während der französischen Besetzungen 1805 und 1809 erlitt Lilienfeld weitere Schäden; 1810 zerstörte ein Brand große Teile des Stiftes. 1945 dauerten die Kämpfe im Ort vier Wochen. Nach 1945 entstanden unter anderem Schwimmbad, Sportanlagen und Gemeindewohnhäuser. Das Hochwasser vom 7. und 8. Juli 1997 beschädigte zahlreiche Häuser, Betriebe und öffentliche Einrichtungen; Stadt und Hilfsorganisationen halfen beim Wiederaufbau.
Quellen: Lilienfeld und seine Geschichte · Geschichte des Stiftes Lilienfeld · Lilienfeld – Gedächtnis des Landes
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Lilienfeld – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte des Stiftes Lilienfeld
- Ort des Staunens – Stift Lilienfeld
- Lilienfeld und seine Geschichte
- Bezirksmuseum Lilienfeld
- Zdarsky-Rundwanderweg und Museum
- Lilienfeld – Gedächtnis des Landes
Stand der Angaben: 08.10.2026
