GEMEINDE · NIEDERÖSTERREICH

Mitterbach am Erlaufsee

Holzknechtsiedlung, Toleranzbethaus und Mariazellerbahn

GEMEINDEKENNZIFFER31408
Blick von der Gemeindealpe auf Mitterbach am Erlaufsee
Blick von der Gemeindealpe auf Mitterbach am Erlaufsee · Foto: Haeferl · „Mitterbach am Erlaufsee - Ortsansicht von der Gemeindealpe“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
457
01.01.2026
Fläche
67,32 km²
Bevölkerungsdichte
6,8
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
3224
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

MITTERBACH AM ERLAUFSEE KENNENLERNEN

Mitterbach am Erlaufsee

Mitterbach am Erlaufsee liegt am südöstlichen Fuß des Ötschers an der Grenze zur Steiermark. Die Gemeinde im Bezirk Lilienfeld hat 457 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 67,32 Quadratkilometer. Ihre Entstehung ist eng mit der Holzwirtschaft, evangelischen Zuwanderern und der Erschließung durch die Mariazellerbahn verbunden.

Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026

Waldarbeit und Gemeindegebiet

Im 18. Jahrhundert stieg der Brennholzbedarf Wiens. Kaiserin Maria Theresia drängte Waldbesitzer, ihre Wälder für den Einschlag zu öffnen; 1747 schloss auch das Stift Lilienfeld einen Abstockungsvertrag. Vorgesehen war jährliche Lieferung von 20.000 Klaftern (68.000 Kubikmetern) Holz nach Wien. Das Stift holte Holzknechte aus dem Salzkammergut in das Ötschergebiet. Familien durften sogenannte Luftkeuschen errichten, kleine Holzhäuser auf fremdem Grund, und Vieh zur Selbstversorgung halten. Daraus entstanden Weilersiedlungen; um 1775 lebten hier rund 300 Arbeiter. Die Josephinische Landaufnahme von 1775 verzeichnete ein Wirtshaus, eine Glashütte, eine Hammerschmiede, eine Mühle und eine Säge. Viele der Zugewanderten waren evangelisch, wodurch sich eine protestantische Gemeinde bildete. Die Gemeinde wurde 1904 selbstständig, als die Katastralgemeinden Josefsrotte und Mitterbach-Seerotte aus der Ortsgemeinde Annaberg ausgeschieden wurden. Als amtliche Ortschaften führt die Gemeinde ebenfalls Josefsrotte und Mitterbach-Seerotte.

Quellen: Gedächtnis des Landes – Ortsgeschichte Mitterbach · STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026

Ein Bethaus für die Protestanten

Das Mitterbacher Toleranzbethaus wurde 1785 errichtet und ist heute die Evangelische Pfarrkirche. 1849 erhielt das Bethaus einen Turm. Die Orgel von 1854 ist das einzige vollständig erhaltene Instrument ihres Wiener Erbauers Theodor Koblitz. Die Pfarrkirche Josefsberg ist katholisch und dem heiligen Josef geweiht. Eine katholische Kapelle bestand in Mitterbach bereits 1875. Die Kirche wurde ab 1914 nach Plänen des Wiener Architekten Hubert Gangl errichtet und am 8. August 1915 geweiht; ihr Turm wurde erst 1968 vollendet. Ihr Patron Clemens Maria Hofbauer war auf Wallfahrten nach Mariazell wiederholt durch den Ort gekommen.

Quellen: Evangelische Pfarrgemeinde Mitterbach · Evangelisches Museum Österreich – Mitterbach · Pfarre Mitterbach – Seelsorgeraum Mariazell

Stauseen und Bahn

Die Erschließung des Gebiets brachte neben Holztransport auch Stromgewinnung. Für die Mariazellerbahn waren Kraftwerke bei Erlaufklause und Wienerbruck vorgesehen; die Stauseen auf Mitterbacher und Annaberger Gebiet waren vor 1914 fertiggestellt. Die Strecke bis Mariazell wurde 1907 eröffnet; 1911 folgte die Elektrifizierung der Mariazellerbahn. Der Bahnhof Mitterbach liegt im Gemeindegebiet der Stadt Mariazell in der Steiermark. Das Kraftwerk Erlaufboden entstand später, zwischen 1922 und 1925. Der Erlaufstausee liegt im Gemeindegebiet; der Erlaufsee liegt an der Landesgrenze zwischen Mitterbach und Mariazell.

Quellen: Gedächtnis des Landes – Ortsgeschichte Mitterbach · Geschichte der Mariazellerbahn · Bahnhof Mitterbach – Mostviertel Tourismus · Erlaufsee – Mariazell Online · Neue Verkehrssituation am Erlaufsee – Stadtgemeinde Mariazell

Wandern am Ötscher und auf der Gemeindealpe

Die Ötschergräben führen durch eine tief eingeschnittene Schluchtlandschaft im Gemeindegebiet. Der Tourismusverband beschreibt eine mehrtägige Wanderverbindung von der Gemeindealpe über die Alm „Auf der Brach“ und das Schutzhaus Vorderötscher bis nach Wienerbruck; für die Rückfahrt dient die Mariazellerbahn. Mitterbach wurde 2018 als zertifiziertes Wanderdorf ausgezeichnet. Zwei Sesselbahnen führen auf die 1.626 Meter hohe Gemeindealpe. Im Sommer fahren dort Mountaincarts ins Tal; im Winter gibt es einen Snowpark, eine Speedstrecke mit Zeitmessung und markierte Skitourenrouten. Beim Terzerhaus beginnt ein 800 Meter langer Panoramarundweg. Die Talstation der Gemeindealpe liegt rund 500 Meter vom Bahnhof Mitterbach entfernt.

Quellen: Wanderdorf Mitterbach · Stationen der Mariazellerbahn

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 08.10.2026

GEOGRAFIE

Mitterbach am Erlaufsee auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung548
31.10.2021 · Registerzählung474
01.01.2026 · Bevölkerungsstand457

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
344
NUTS-3-Region
Niederösterreich-Süd (AT122)

VOR ORT ENTDECKEN

Besonderheiten & Ausflugsziele

ÜBER DIE GEMEINDEGRENZE HINAUS

Nachbargemeinden von Mitterbach am Erlaufsee

Nachbarschaft aus gemeinsamen Grenzabschnitten der amtlichen Geometrien abgeleitet. Reine Berührungspunkte und ausländische Gemeinden sind nicht enthalten.