STATUTARSTADT · NIEDERÖSTERREICH

Waidhofen an der Ybbs

Mittelalterliche Plätze, Schmiedetradition und ein Schloss über dem Ybbstal

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Blick vom Rothschildschloss auf Waidhofen an der Ybbs
Blick vom Rothschildschloss auf Waidhofen an der Ybbs · Foto: Isiwal · „Waidhofen an der Ybbs vom Burgfried Rothschildschloss-9491“ · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Für regionalinfo.at verkleinert und als AVIF komprimiert; kein zusätzlicher Zuschnitt. Weitergabe unter derselben Bildlizenz.
Einwohner
11 053
01.01.2026
Fläche
131,57 km²
Bevölkerungsdichte
84,0
Einwohner je km²
PLZ des Gemeindeamtes
3340
Keine vollständige PLZ-Liste

Datenquelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026 · aufbereitet für regionalinfo.at.

WAIDHOFEN AN DER YBBS KENNENLERNEN

Waidhofen an der Ybbs: Eisenstadt zwischen Fluss und Bergen

Waidhofen an der Ybbs liegt im Mostviertel an der Grenze zu Oberösterreich. Die Statutarstadt zählt am 1. Jänner 2026 11.053 Einwohner und umfasst 131,57 Quadratkilometer. Ihr historischer Kern entstand an der Ybbs, deren Tal die Stadt bis heute prägt.

Zwei Plätze und ein mittelalterlicher Mauerring

Eine Urkunde von 1186 nennt Waidhofen erstmals; 1215 erscheint der Ort als Markt, 1273 als Stadt. Die charakteristische Innenstadt mit zwei parallel verlaufenden Plätzen auf verschiedenen Höhenstufen entstand im Mittelalter. Um 1400 ließ Bischof Berthold von Wehingen die Befestigung mit Graben und Türmen erneuern; zwischen 1390 und 1410 wurden entlang der Mauern 13 Türme errichtet. Der geschlossene Baubestand der Altstadt bewahrt viele Häuser mit spätmittelalterlichem Kern und gotischen Innenhöfen. Fassaden aus dem 19. Jahrhundert zeigen dagegen häufig Biedermeier, Neorenaissance oder Neobarock. Abgewinkelte Straßen an den alten Stadteinfahrten markieren bis heute den Verlauf einstiger Verteidigungslinien.

Schwerter, Messer und Sensen

Die Lage an Handelswegen aus dem Ybbstal und dem Ennstal begünstigte Schmiedewerkstätten, die das am steirischen Erzberg gewonnene Eisen verarbeiteten. 1236 rühmte der Minnesänger Neidhart von Reuenthal ein Waidhofner Schwert. Im 14. und 15. Jahrhundert arbeiteten der Stadtgeschichte zufolge rund 200 Schmiede unterschiedlicher Sparten in Waidhofen. Ihre Waren wurden im Habsburgerreich verkauft und über Venedig bis in den Vorderen Orient gehandelt. Die spätere Eisenwurzen war ein weit verzweigter Wirtschaftsraum, dessen Produktion an verschiedenen Orten stattfand. In Waidhofen erinnern die spätgotische Stadtpfarrkirche und eine für die Messererzunft gefertigte Monstranz an den damaligen Wohlstand. Im 18. Jahrhundert spezialisierten sich die Werkstätten unter anderem auf Sensen und Sicheln.

Kirchenbau und Stadttürme

Die Stadtpfarrkirche der heiligen Maria Magdalena und Lambert entstand zwischen 1470 und 1510 als dreischiffige spätgotische Hallenkirche. Ihr spätgotischer Flügelaltar kam 1935 aus der Bürgerspitalkirche hierher; die barocke Marienkapelle wurde 1715 angebaut. Das schwere Kirchentor samt Beschlägen stammt aus der Bauzeit. Der Stadtturm wurde im 13. Jahrhundert errichtet und 1535 nach der Abwehr osmanischer Reitertruppen erhöht. Heute zeigt seine Ausstellung auf sieben Etagen den Alltag einfacher Leute vor rund hundert Jahren. Der Schlossturm stammt aus dem späten 14. Jahrhundert; bei seinem Umbau 2007 erhielt er einen gläsernen Aufbau. Auch Reste der Stadtmauer, das ehemalige Zeughaus und mehrere als Wohnhäuser umgenutzte Türme erzählen von der einstigen Befestigung.

Ybbstal, Schloss und Stadtgeschichte

Die Ybbs durchschneidet das Stadtgebiet in einem engen Tal; südlich erheben sich Buchenberg und Schnabelberg. Das Gemeindegebiet reicht außerdem in ländlich geprägte Höhenlagen, darunter die Ortschaften Windhag, Konradsheim und St. Leonhard am Walde. Seit der Gemeindereform von 1972 gehören frühere Umlandgemeinden zur Großgemeinde. Schloss Rothschild geht auf eine Burg des 12. Jahrhunderts zurück und war ab 1875 Sitz der Gutsverwaltung der Rothschild’schen Ländereien. Die Stadt erwarb das Gebäude 2002; der Umbau zur Landesausstellung 2007 stammt vom Architekten Hans Hollein. Im Schloss ist das 5-Elemente-Museum angesiedelt, das Stadtgeschichte anhand von Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall vermittelt. Das Stadtarchiv macht historische Fotografien, Dokumente und Zeitungsjahrgänge über digitale Angebote zugänglich.

Die kleinste Statutarstadt Niederösterreichs

Mit 11.053 Einwohnern ist Waidhofen an der Ybbs die kleinste der vier Statutarstädte Niederösterreichs. Ihr Gebiet ist mit 131,6 Quadratkilometern aber größer als das jeder anderen, deshalb leben im Schnitt nur 84 Menschen auf einem Quadratkilometer. In Krems an der Donau sind es fast sechsmal so viele.

Seit 2005 fast jedes Jahr weniger

Bei der ersten Volkszählung 1869 hatte Waidhofen 7.957 Einwohner, die meisten wurden 1961 gezählt, nämlich 11.894. Im Jahr 2005 waren es noch 11.803, seither ist die Zahl fast jedes Jahr gesunken, nur 2016, 2017 und 2023 gab es kleine Zuwächse. Seit der Registerzählung 2011 verlor Waidhofen 3,5 Prozent seiner Bevölkerung, im Jahr 2025 waren es neun Personen. Für 2040 sind 11.000 Einwohner prognostiziert, also kaum weniger als heute.

Mehr Einpendler als Auspendler

2024 hatten 5.898 Erwerbstätige ihren Arbeitsort in Waidhofen, 5.339 wohnten hier. Das ergibt einen Pendlerindex von 110. 3.077 Menschen pendelten in die Stadt, 2.468 davon aus anderen Bezirken Niederösterreichs und 609 aus anderen Bundesländern. 2.518 verließen sie zum Arbeiten, 1.809 in Richtung eines anderen niederösterreichischen Bezirks und 696 in ein anderes Bundesland. 2.237 Erwerbstätige pendelten innerhalb des Stadtgebiets.

Weniger Zuwanderung als in den anderen Städten

9,5 Prozent der Einwohner haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. In den drei anderen Statutarstädten sind es jeweils mehr als 22 Prozent, im Landesschnitt 12,6 Prozent. Gut jede zehnte Person in Waidhofen wurde im Ausland geboren, unter den Erwerbstätigen mit Wohnsitz in der Stadt haben neun Prozent eine andere Staatsangehörigkeit. Auch beim Bildungsstand unterscheidet sich Waidhofen: Nur 9,8 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 25 und 64 Jahren haben höchstens einen Pflichtschulabschluss, in Krems, St. Pölten und Wiener Neustadt sind es 18 bis 21 Prozent. Ein Drittel hat eine Lehre abgeschlossen, jeweils knapp ein Fünftel eine berufsbildende mittlere Schule oder ein Studium.

Wenig Arbeitslosigkeit, viele Gründungen

Im Jänner 2025 lag die Arbeitslosenquote im AMS-Bezirk Waidhofen an der Ybbs bei 4,9 Prozent, niedriger als in jedem anderen AMS-Bezirk Niederösterreichs, im Juli bei 3,8 Prozent. Ende Jänner 2026 waren in der Stadt 232 Menschen arbeitslos vorgemerkt, knapp ein Drittel davon mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Ende Juli waren es 188, um 7,8 Prozent weniger als ein Jahr davor, der stärkste Rückgang im Land. Im Jahr 2025 wurden 75 Unternehmen gegründet, 6,8 je 1.000 Einwohner. Nur im Bezirk Bruck an der Leitha war dieser Wert höher.

Weniger Nächtigungen

2025 zählte Waidhofen 29.598 Nächtigungen, um 8,1 Prozent weniger als 2024 und auch weniger als 2019, als 31.265 gezählt wurden. Keine andere Stadt und kein Bezirk Niederösterreichs verlor so stark. Der stärkste Monat war der August mit 4.188 Übernachtungen, der schwächste der Februar mit 1.094. Auf jeden Einwohner kamen 2,7 Nächtigungen.

Quellen und Belege

Stand der Angaben: 19.10.2026

GEOGRAFIE

Waidhofen an der Ybbs auf der Karte

Gemeindegebiet · Stand 01.01.2026

Rot: aus amtlichen Gemeindegrenzen abgeleitet und für die Anzeige vereinfacht. Kartenhintergrund: basemap.at. Quellen und Methodik

GEMEINDE IN ZAHLEN

Einwohner im Zeitvergleich

StichtagEinwohner
31.10.2011 · Registerzählung11 455
31.10.2021 · Registerzählung11 118
01.01.2026 · Bevölkerungsstand11 053

Die Abstände zwischen den Stichtagen sind unterschiedlich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Gemeindeverzeichnis 2026.

Gebäude · 31.10.2021
3 266
NUTS-3-Region
Mostviertel-Eisenwurzen (AT121)

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