WINDEN AM SEE KENNENLERNEN
Naturpark, Steinmetzkunst und moderne Skulptur
Winden am See liegt im Bezirk Neusiedl am See im Nordburgenland. Die Gemeinde zählt 1.373 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 13,51 Quadratkilometer. Das gesamte Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Neusiedlersee–Leithagebirge. Winden ist die einzige Ortschaft der Gemeinde; Weinlandschaft, Siedlungsraum und Hänge des Leithagebirges liegen hier eng beieinander. Diese Lage macht den Naturraum zum prägenden Rahmen des Orts, von den Trockenrasenflächen bis zu den bewaldeten Erhebungen.
Ein Ort im Naturpark
Die Umgebung ist durch pannonische Lebensräume geprägt. Nördlich des Orts liegt der Zeilerberg, dessen Trockenrasen vielen Schmetterlingen und weiteren seltenen Insektenarten Lebensraum bieten. Östlich des Ortskerns trägt auch der Windener Kirchberg Trockenrasen; dort kommt die seltene Sand-Lotwurz vor. Am Fuß des Zeilerbergs befinden sich die Eingänge zur Bärenhöhle. In der Höhle wurden Überreste von Höhlenbären und anderen ausgestorbenen Säugetieren gefunden; zugleich dient sie dem Großen Mausohr als Unterschlupf. Das Schutzgebiet verbindet damit geologische, historische und ökologische Besonderheiten auf engem Raum.
Eine frühe urkundliche Spur
Winden ist in einer Urkunde von 1217 erwähnt. König Andreas II. bestätigte darin eine Schenkung an das Stift Heiligenkreuz und befreite auch dessen Besitzungen in Königshof, Winden und Podersdorf von Abgaben an die königliche Kammer. Der Ort bestand demnach bereits als eigenständige Siedlung. Bis 1920/21 gehörte das Gebiet zu Ungarn; seit 1898 war im Zuge der Magyarisierung der Name Sásony vorgeschrieben. Nach den Verträgen von St. Germain und Trianon wurde Deutsch-Westungarn Österreich zugesprochen. Seit 1921 gehört Winden zum Burgenland. Die römische Bernsteinstraße von Carnuntum nach Scarabantia verlief über Windener Gemeindegebiet. Bei einem römischen Gutshof wurde eine frühe Weinpresse gefunden, heute im Burgenländischen Landesmuseum. Spätere Einschnitte sind ebenfalls konkret dokumentiert: 1644 starben während einer Pestepidemie innerhalb von vier Monaten 300 Menschen; eine 1646 errichtete Pestsäule erinnert daran. 1834 brannte die Hälfte des Dorfes ab, worauf 1835 ein neues Schulhaus gebaut wurde. In den 1960er-Jahren errichtete Winden als erste Gemeinde des Bezirks eine eigene Kanalisation und Kläranlage.
Hügel und die Pfarrkirche
Der Hofsteinmetz und Kirchenbaumeister Elias Hügel wirkte im Leithagebirge und leitete nach den Türkenkriegen den Neubau katholischer Kirchen. In Winden steht die von ihm errichtete barocke Pfarrkirche, die 1725 nach der Zerstörung des älteren Gotteshauses im Jahr 1683 erbaut wurde. 1997/98 erhielten Volksaltar und Ambo eine zeitgenössische Neugestaltung durch Wander Bertoni. Die Kirche zeigt damit, wie sich ältere Baukunst und spätere künstlerische Eingriffe in einem Gebäude begegnen.
Kunst im Landschaftsraum
Wander Bertoni, der seit 1965 in Winden lebte, ist auch außerhalb der Kirche präsent. Sein Freilichtmuseum wurde in die alte Gritsch-Mühle eingebunden; ein Ausstellungspavillon des Architekten Johannes Spalt ergänzt das Ensemble. Am Kirchberg steht Bertonis „Sonnenanbeter“, eine 1963 geschaffene Plastik und die größte Skulptur der Gemeinde. Der Ort ist über die Burgenland Straße B50, die L311 Richtung Kaisersteinbruch und die Pannoniabahn an das Verkehrsnetz angeschlossen. Naturparkflächen, historische Bauwerke und moderne Kunst liegen so in erreichbarer Nähe zueinander.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
