JOIS KENNENLERNEN
Jois zwischen Weinbergen und Seeufer
Jois ist eine Marktgemeinde am Nordufer des Neusiedler Sees. Auf 25,91 Quadratkilometern leben 1.693 Menschen (Stand 1. Jänner 2026). Der Ort liegt am Fuß des Leithagebirges auf rund 130 Metern Seehöhe; nach Süden öffnet sich die Landschaft zum See, während sich nach Norden die Weingärten an den Hängen ausbreiten. Teile des Gemeindegebiets liegen im Naturpark Neusiedler See–Leithagebirge. Die Erhebungen Hackelsberg und Jungenberg fallen durch trockene, warme Standorte auf, die seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Diese Lage prägt den Charakter von Jois stärker als eine einzelne Sehenswürdigkeit: Weinbauflächen, Ufer und Hanglagen liegen dicht beieinander und wechseln auf kurzen Wegen.
Frühe Siedlung und Weinbau
Die Gemeinde kann auf eine lange Siedlungsgeschichte verweisen. Funde aus verschiedenen Epochen der Ur- und Frühgeschichte belegen, dass das Gebiet schon vor der schriftlichen Überlieferung genutzt wurde. 1209 erscheint Jois erstmals als „Nulos“ in einer Urkunde; später finden sich unterschiedliche ungarische und deutsche Namensformen. Das Marktrecht bestand bereits im Mittelalter, und eine Pfarre gab es ebenfalls früh. Die romanische Vorgängerkirche entstand im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts. Bis 1848 gehörte Jois zur Herrschaft Ungarisch-Altenburg. Mit dem Ende der Grundherrschaft wurden die Lehenbauern zu freien Eigentümern ihrer Häuser und Grundstücke. 1921 kam der Ort mit dem übrigen Burgenland zu Österreich. Der Weinbau blieb über die Jahrhunderte ein beständiger Teil des örtlichen Lebens und der Landschaft.
Barocke Pfarrkirche und Ortsmuseum
Die heutige barocke Pfarrkirche wurde 1757 nach Plänen Johann Georg Wimpassingers begonnen. Zu ihrer Ausstattung gehören Arbeiten, die dem Bildhauer Martin Vögerl zugeschrieben werden; der Hochaltar kam 1865 aus der Michaelskirche in Sopron nach Jois. Neben diesem Sakralbau gibt es eine jüngere Pfarrkirche sowie kleinere historische Zeichen im Ortsraum, darunter eine Lichtsäule aus dem 15. Jahrhundert, das Russenkreuz von 1747 und eine Mariensäule von 1877. Im Ortsmuseum wird die Entwicklung des Dorfes unter dem Leitgedanken „von der Steinzeit zur Weinzeit“ dokumentiert. Die Sammlung umfasst etwa 1.500 Exponate und verbindet archäologische Funde mit Gegenständen aus dem Alltagsleben. Ein Modell des Schulgleiters SG 38 erinnert daran, dass in den frühen 1940er Jahren am seeseitigen Hang des Hackelsbergs Flugausbildung stattfand.
Martiniloben und neuer Jahrgang
Wein prägt nicht nur die Hänge, sondern auch den Jahreslauf. Beim Martiniloben im November öffnen Winzer ihre Keller und präsentieren den neuen Jahrgang; Weinverkostung wird dabei mit dem Festtag des heiligen Martin verbunden.
Herzkirsche, Hafen und Hackelsberg
Eine zweite regionale Spezialität ist die Joiser Herzkirsche, die auch im Gemeindewappen dargestellt wird. Der Hafen wurde 1979 bis 1981 angelegt und erweitert den Zugang zum See. Segelvereine nutzen das Areal, während die Uferlandschaft auch zum Radfahren und Wandern einlädt. Auf dem Hackelsberg führt ein Rundweg durch das Naturschutzgebiet; dabei wird die Nähe zwischen Kulturflächen und naturnahen Trockenrasen deutlich.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
