WOLFSGRABEN KENNENLERNEN
Wolfsgraben: Geschichte und Wege im Wienerwald
Wolfsgraben ist eine Gemeinde im Bezirk St. Pölten-Land und liegt im Wienerwald, rund 15 Kilometer von Wien entfernt. Zum Stichtag 1. Jänner 2026 zählt sie 1.815 Einwohnerinnen und Einwohner; die Fläche beträgt 17,43 Quadratkilometer. Das Gemeindegebiet bildet eine gleichnamige Katastralgemeinde und umfasst keine weiteren amtlichen Ortschaften. Ortsteile wie Langseiten, Roppersberg, Dreikohlstätten, Kleinhöniggraben und Heimbautal gehören dennoch zum lokalen Sprachgebrauch. Der Wolfsgrabenbach durchfließt das Gebiet und mündet nahe dem Wienerwaldsee in die Wien. Bach, Wald und Straßenverbindungen machen die Lage zwischen Wienerwald und Wiener Becken sichtbar.
Vom Forstgebiet zur Gemeinde
Die Geschichte Wolfsgrabens lässt sich in der kommunalen Chronik bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein Kauf- und Tauschbrief von 1533 nennt den Ort; 1683 soll die Siedlung während der zweiten Belagerung Wiens schwere Schäden erlitten haben. Ein erhaltener Plan aus 1775 betrifft den Bau einer Schule. Im 19. Jahrhundert war die Bevölkerung eng mit Waldarbeit und kleinen Gewerben verbunden. Der Franziszeische Kataster von 1819 führt Holzhauer und sogenannte Hüttler ebenso wie Wirte, Schuster und Zimmerleute auf. 1881 wurde die Katastralgemeinde Hochrotherd auf eigenen Wunsch aus Wolfsgraben ausgeschieden und Breitenfurt zugeteilt.
Kirche und Ortsleben
Die Herz-Jesu-Kirche wurde am 24. Oktober 1907 geweiht. Die Chronik schildert, dass die Arbeiten am Kapellenbau 1906 begonnen hatten und nach einer Unterbrechung im Frühjahr 1907 fortgesetzt wurden. Die Kirche erhielt neoromanische Formen und wurde später zum Mittelpunkt der seit 1935 bestehenden Pfarre. Auch die Freiwillige Feuerwehr entstand 1906. 1899 wurde ein erstes Postamt in Wolfsgraben eingerichtet. 1923 wurde ein Ortsnetz für elektrische Beleuchtung eingerichtet; am 1. Februar 1924 brannte erstmals elektrisches Licht. Gegenüber dem Gemeindeamt erinnert ein Gedenkstein an den Motorradrennfahrer Edi Linser, der 1929 bei der Österreichischen Tourist Trophy in Wolfsgraben tödlich verunglückte.
Bach und Wasserleitung
Der Wolfsgrabenbach verbindet die Gemeinde mit dem Wienfluss und dem Wienerwaldsee. Starkregen kann den Bach rasch anschwellen lassen: In der Chronik ist für Juli 2009 festgehalten, dass er innerhalb einer halben Stunde teilweise über die Ufer trat. Durch Wolfsgraben führen außerdem Bauwerke der II. Wiener Hochquellenleitung. Sie sind als technische Bauwerke im Wienerwald sichtbar. Das Ensemble aus Bach, Leitung und Talraum lässt sich auf Wegen durch die Umgebung entdecken. Für eine Wanderung bieten sich unter anderem Routen entlang des Baches und zum Wienerwaldseeblick an.
Waldwege und Orientierung
Wolfsgraben liegt in einer waldreichen Landschaft und ist mit markierten Wanderwegen erschlossen. Touristische Informationen nennen Routen in den Weidlinggraben, entlang des Wolfsgrabenbaches und über das Engelkreuz in die Pfalzau. Ein Themenpfad widmet sich heimischen Heckenpflanzen und vermittelt Baum- und Straucharten über Märchen, Reime und Geschichten. Mountainbike-Strecken und Reitwege ergänzen das Wegenetz. Die Landesstraße L 128 führt durch Wolfsgraben. Im Ortskern stehen die Herz-Jesu-Kirche, das Kriegerdenkmal und der Edi-Linser-Gedenkstein als leicht erkennbare Bezugspunkte.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 09.10.2026
