WAIDHOFEN AN DER YBBS KENNENLERNEN
Waidhofen an der Ybbs: Eisenstadt zwischen Fluss und Bergen
Waidhofen an der Ybbs liegt im Mostviertel an der Grenze zu Oberösterreich. Die Statutarstadt zählt am 1. Jänner 2026 11.053 Einwohner und umfasst 131,57 Quadratkilometer. Ihr historischer Kern entstand an der Ybbs, deren Tal die Stadt bis heute prägt.
Zwei Plätze und ein mittelalterlicher Mauerring
Eine Urkunde von 1186 nennt Waidhofen erstmals; 1215 erscheint der Ort als Markt, 1273 als Stadt. Die charakteristische Innenstadt mit zwei parallel verlaufenden Plätzen auf verschiedenen Höhenstufen entstand im Mittelalter. Um 1400 ließ Bischof Berthold von Wehingen die Befestigung mit Graben und Türmen erneuern; zwischen 1390 und 1410 wurden entlang der Mauern 13 Türme errichtet. Der geschlossene Baubestand der Altstadt bewahrt viele Häuser mit spätmittelalterlichem Kern und gotischen Innenhöfen. Fassaden aus dem 19. Jahrhundert zeigen dagegen häufig Biedermeier, Neorenaissance oder Neobarock. Abgewinkelte Straßen an den alten Stadteinfahrten markieren bis heute den Verlauf einstiger Verteidigungslinien.
Schwerter, Messer und Sensen
Die Lage an Handelswegen aus dem Ybbstal und dem Ennstal begünstigte Schmiedewerkstätten, die das am steirischen Erzberg gewonnene Eisen verarbeiteten. 1236 rühmte der Minnesänger Neidhart von Reuenthal ein Waidhofner Schwert. Im 14. und 15. Jahrhundert arbeiteten der Stadtgeschichte zufolge rund 200 Schmiede unterschiedlicher Sparten in Waidhofen. Ihre Waren wurden im Habsburgerreich verkauft und über Venedig bis in den Vorderen Orient gehandelt. Die spätere Eisenwurzen war ein weit verzweigter Wirtschaftsraum, dessen Produktion an verschiedenen Orten stattfand. In Waidhofen erinnern die spätgotische Stadtpfarrkirche und eine für die Messererzunft gefertigte Monstranz an den damaligen Wohlstand. Im 18. Jahrhundert spezialisierten sich die Werkstätten unter anderem auf Sensen und Sicheln.
Kirchenbau und Stadttürme
Die Stadtpfarrkirche der heiligen Maria Magdalena und Lambert entstand zwischen 1470 und 1510 als dreischiffige spätgotische Hallenkirche. Ihr spätgotischer Flügelaltar kam 1935 aus der Bürgerspitalkirche hierher; die barocke Marienkapelle wurde 1715 angebaut. Das schwere Kirchentor samt Beschlägen stammt aus der Bauzeit. Der Stadtturm wurde im 13. Jahrhundert errichtet und 1535 nach der Abwehr osmanischer Reitertruppen erhöht. Heute zeigt seine Ausstellung auf sieben Etagen den Alltag einfacher Leute vor rund hundert Jahren. Der Schlossturm stammt aus dem späten 14. Jahrhundert; bei seinem Umbau 2007 erhielt er einen gläsernen Aufbau. Auch Reste der Stadtmauer, das ehemalige Zeughaus und mehrere als Wohnhäuser umgenutzte Türme erzählen von der einstigen Befestigung.
Ybbstal, Schloss und Stadtgeschichte
Die Ybbs durchschneidet das Stadtgebiet in einem engen Tal; südlich erheben sich Buchenberg und Schnabelberg. Das Gemeindegebiet reicht außerdem in ländlich geprägte Höhenlagen, darunter die Ortschaften Windhag, Konradsheim und St. Leonhard am Walde. Seit der Gemeindereform von 1972 gehören frühere Umlandgemeinden zur Großgemeinde. Schloss Rothschild geht auf eine Burg des 12. Jahrhunderts zurück und war ab 1875 Sitz der Gutsverwaltung der Rothschild’schen Ländereien. Die Stadt erwarb das Gebäude 2002; der Umbau zur Landesausstellung 2007 stammt vom Architekten Hans Hollein. Im Schloss ist das 5-Elemente-Museum angesiedelt, das Stadtgeschichte anhand von Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall vermittelt. Das Stadtarchiv macht historische Fotografien, Dokumente und Zeitungsjahrgänge über digitale Angebote zugänglich.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Waidhofen an der Ybbs – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Stadtgeschichte – Stadt Waidhofen an der Ybbs
- Historische Türme – Stadt Waidhofen an der Ybbs
- Historische Gebäude – Stadt Waidhofen an der Ybbs
- Herrschaftsgeschichte – Stadt Waidhofen an der Ybbs
- Topothek & Bote von der Ybbs – Stadtarchiv Waidhofen
Stand der Angaben: 08.10.2026
