WÖRTERBERG KENNENLERNEN
Wörterberg: Weitblick über ein Tal mit römischen Spuren
Wörterberg liegt auf einer Hügelkette am nordwestlichen Rand des Bezirks Güssing. Zum Gemeindegebiet gehören auch Mitterberg, Wilfingberg und die Einzellage Heiduttischer Ried. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 532 Menschen auf rund 4,76 Quadratkilometern. Der Höhenunterschied zwischen dem Ort und der Lafnitz gehört zu den prägenden Merkmalen: Oben öffnet sich der Blick über das Tal, unten hat der Fluss archäologische Spuren freigelegt. Bei der Stephanskapelle erreicht das Ortsgebiet eine Höhe von etwa 408 Metern.
Aus Wirtschaftsbauten wurden Wohnhäuser
Die Entstehung Wörterbergs ist eng mit Wörth an der Lafnitz verbunden. Dessen Bewohner bewirtschafteten Flächen an den östlichen Hängen und nutzten dort Kellerstöckl für ihre Obst- und Weinernte. Aus diesen zunächst wirtschaftlich genutzten Gebäuden entwickelten sich durch Ausbau Wohnhäuser und eine eigene Siedlung am Berg. Die ältere Schreibweise Wörther Berg macht diese Verbindung besonders anschaulich. Auch die neuere Gemeindegeschichte enthält einen Wechsel zwischen Zusammenschluss und Selbstständigkeit: Von 1971 bis 1991 war Wörterberg Teil von Ollersdorf. Seither ist der Ort wieder eine eigenständige Gemeinde. Seine Entstehung aus der Bewirtschaftung der Hänge bleibt ein wesentlicher Schlüssel zum Siedlungsbild.
Den Flussraum von oben betrachten
Der 15 Meter hohe Aussichtsturm wurde im September 2004 eröffnet. Von seiner Plattform reicht der Blick über weite Teile des Lafnitztals, bei geeignetem Wetter bis zum Hochwechsel. Der Turm ist außerdem ein Ausgangspunkt für den Rundwanderweg Wörterberg. Aus dieser erhöhten Perspektive wird deutlich, dass die Landschaft aus verschiedenen Lebensräumen besteht: Wiesen, Ufergehölze und Auwaldreste begleiten den Fluss. Das Lafnitztal ist seit 2002 als Ramsargebiet international anerkannt. Die Warte verbindet den Blick auf eine größere Region mit einem nahen Zugang zu ihrem Aufbau; ein Weg ins Tal verändert anschließend die Perspektive auf dieselbe Landschaft.
Ein trockenes Jahr brachte ein Fass ans Licht
Im heißen Sommer 2003 sank der Wasserstand der Lafnitz so weit, dass Otto Pfeiffer am Ufer den Rand eines Holzgefäßes bemerkte. Es erwies sich als römisches Fass. Das Bundesdenkmalamt ließ es bergen; spätere Untersuchungen brachten weitere Befunde und ein zweites Fass hervor. Dessen Bergung gelang 2006. Den Fässern fehlten die Böden; beim ersten wurde deshalb eine spätere Verwendung als Brunnenfassung erwogen. In der Umgebung fanden sich außerdem Brennöfen und Hinweise auf Metallverarbeitung. Sauerstoffarme, nasse Bodenschichten hatten Holz über lange Zeit erhalten. Gerade das Zusammenspiel von Flussdynamik, Feuchtboden und archäologischer Arbeit macht diese Fundstelle bemerkenswert. Die Funde belegen eine Nutzung des Talraums lange vor der heutigen Bergsiedlung.
Bildhauerei mit Verbindungen in viele Pfarren
Wörterberg ist auch mit dem Bildhauer Thomas Resetarits verbunden. Der 1939 in Stinatz geborene Künstler engagierte sich in der örtlichen Filialgemeinde. Seine sakralen Arbeiten begegnen Menschen in zahlreichen burgenländischen Kirchen: Er gestaltete Altäre, Kreuze, Kreuzwegstationen und Grabdenkmäler. Zu seinen bekannten Werken zählt das große Portal des Eisenstädter Martinsdoms von 1980. Nach seinem Tod im Mai 2022 fand die Begräbnisfeier in Wörterberg statt. Neben dieser bildhauerischen Verbindung nennt die Lafnitztalregion auch Christa und Gerald Schönfeldinger, das Wiener Glasharmonika Duo, als Künstler des Ortes. Damit gehört zur Gemeinde neben Landschaft und Archäologie eine eigenständige künstlerische Seite.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Wörterberg – Wikipedia, feste Artikelversion
- Naturerlebnis Lafnitztal – Wörterberg
- Golf- und Thermenregion Stegersbach – Aussichtswarte Wörterberg
- Naturschutzbund Burgenland – Naturführer Lafnitzregion
- Elisabeth Krenn – Eine römerzeitliche Fundstelle an der Lafnitz bei Wörterberg, Burgenländische Heimatblätter 69 (2007)
- Diözese Eisenstadt, Glasnik – Im Gedenken an Prof. Thomas Resetarits
Stand der Angaben: 08.10.2026
