SCHWADORF KENNENLERNEN
Schwadorf: Spuren der Spinnerei im Fischatal
Schwadorf liegt südöstlich von Wien im Bezirk Bruck an der Leitha. Auf 11,40 Quadratkilometern leben 2.439 Menschen (Stand 1. Jänner 2026). Spuren des Textilgewerbes und ein starkes Erdbeben gehören zu den prägenden Kapiteln der Marktgemeinde.
Zwischen Fischa und Schwadorfer Wald
Das Ortszentrum liegt am linken Ufer der Fischa, deren silberne Fische auch im Gemeindewappen erscheinen. Der rote aufsteigende Wolf erinnert an die frühere Zugehörigkeit zur Herrschaft des Bistums Passau, zwei silberne Webspindeln an den Textilbetrieb. Landwirtschaft nimmt etwa 66 Prozent der Fläche ein; 13 Prozent sind bewaldet. Der Schwadorfer Wald reicht in Richtung Rauchenwarth. Für das Fischatal ist Weinbau bereits im späten 3. Jahrhundert n. Chr. dokumentiert. Zwei in Schwadorf gefundene Mithrassteine, einer davon mit Inschrift, befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. So verweisen Wappen und Funde auf unterschiedliche Kapitel der Ortsgeschichte.
Vom Werk zum Teil des Ortes
1802 wurde in Schwadorf eine mechanische Baumwollspinnerei gegründet. Der Betrieb nutzte einen abgeleiteten Werkskanal, über den Fischa-Wasser Maschinen antreiben konnte. 1811 kaufte das Unternehmen zwei Mühlen an der Fischa hinzu. 1822 ging ein fünfstöckiges Fabrikgebäude in Betrieb, außerdem entstanden Arbeiterwohnhäuser. 1843 zählte der Betrieb 580 Beschäftigte und 27.000 Spindeln. Adalbert Stifter hielt die Anlage 1835 in einem Gemälde fest. Nach 1909 kamen weitere Fabrikgebäude hinzu. Der Betrieb endete 1999; danach wurden Teile des Areals für Gewerbe vermietet, andere zu Wohnungen und einem Pfarrzentrum umgestaltet.
Ein Abend, der das Ortsbild veränderte
Am 8. Oktober 1927 erschütterte ein starkes Erdbeben Schwadorf. Es erreichte Epizentralintensität 8 EMS-98 und Magnitude 5,2 und zählt zu den stärksten Beben im Wiener Becken. Häuser und öffentliche Gebäude wurden schwer getroffen. Schule, Pfarrhof, Gendarmerie, Kindergarten und Gemeindegasthaus gehörten zu den beschädigten Gebäuden; zehn weitere waren teilweise irreparabel baufällig. Die Schornsteine und der Wasserturm der Baumwollspinnerei mussten abgetragen werden. Auch in Wien entstanden leichte Gebäudeschäden, während sich die schwersten Folgen in Schwadorf und der Umgebung konzentrierten.
Marktrecht und sichtbare Erinnerungsorte
1194 gelangte Schwadorf an das Hochstift Passau. Die Burg am Westufer der Fischa ist 1331 erstmals bezeugt; der heutige Schlosskomplex geht auf den Beginn des 17. Jahrhunderts zurück. Beim Türkeneinfall von 1529 blieben laut Überlieferung nur Veste und Kirche verschont. 1683 diente Schwadorf als offizieller Fluchtort. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde um 1246 errichtet und später durch gotische Bauteile sowie barocke Veränderungen geprägt. Ihr Gnadenbild „Maria Hilf“ machte den Ort im 17. Jahrhundert zum Wallfahrtsziel; 1629 kam ein Seitenschiff hinzu. Am Hauptplatz steht eine 1691 errichtete Dreifaltigkeitssäule, die auch als Pestsäule bezeichnet wird. 1938 wurde Schwadorf in den 23. Wiener Gemeindebezirk Schwechat eingegliedert, 1954 wieder Niederösterreich zugeordnet und selbständig. 1980 erhielt die Gemeinde ihr Wappen; 1989 wurde Schwadorf zur Marktgemeinde erhoben.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Schwadorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Marktgemeinde Schwadorf – Chronik
- GeoSphere Austria – Erdbebengefahr in Niederösterreich
- Erzdiözese Wien – Pfarre Schwadorf
- Gedächtnis des Landes – Schwadorf
- Gedächtnis des Landes – Pottendorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
